1789 – 1851
James Fenimore Cooper
Kurzporträt↑
James Fenimore Cooper gilt als eine der Schlüsselfiguren der amerikanischen Literatur und als bedeutender Erzähler der Romantik. Er wurde 1789 in Burlington, New Jersey, geboren und starb 1851 in dem nach seinem Vater benannten Cooperstown. Neben Washington Irving war er einer der ersten amerikanischen Schriftsteller, die von ihren Büchern leben konnten. Nach dem Vorbild des schottischen Erzählers Walter Scott schrieb er die ersten historischen Romane und die ersten Seefahrtsromane der amerikanischen Literatur. Sein umfangreiches Werk reicht von Romanen über historiografische Schriften bis zu Essays und Satiren über Amerika und Europa. Berühmt blieben bis heute vor allem seine fünf Lederstrumpf-Romane. Sie schildern die Erschließung des amerikanischen Westens und zugleich die Zurückdrängung der indianischen Kultur.
Biografie↑
Cooper wurde am 15. September 1789 als zwölftes von dreizehn Kindern einer wohlhabenden Quäkerfamilie geboren. Nur wenige seiner Geschwister erreichten das Erwachsenenalter. Sein Vater William Cooper war zur Zeit von James' Geburt noch Ladenbesitzer in Burlington. Durch Landspekulationen hatte er das Familienvermögen erheblich vergrößert. 1786 erwarb er unter rechtlich zweifelhaften Umständen ein großes Landpatent am Ufer des Otsego Lake im Bundesstaat New York. Dieser lag damals noch an der Frontier, also im Grenzland zwischen den bereits besiedelten Gebieten im Osten und den unerschlossenen Gebieten im Westen. 1790 ließ er sich mit seiner Familie in der ihm zu Ehren Cooperstown benannten Siedlung nieder. Mit der Zeit wurde er zu einem der wohlhabendsten und politisch einflussreichsten Männer New Yorks. Zeitweise saß er im Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten.
James Cooper verbrachte seine ersten Lebensjahre in einer noch recht ursprünglichen Landschaft. Erst 1826 fügte er seinem Namen den Geburtsnamen seiner Mutter Elizabeth Fenimore hinzu. Als Junge hielt er sich viel in den Wäldern auf und ruderte oder segelte oft auf dem See. Er besuchte zunächst die örtliche Dorfschule. 1801 brachten seine Eltern ihn als Hausschüler beim episkopalischen Geistlichen Thomas Ellison in Albany unter, wo er vor allem Latein lernte. Als Ellison ein Jahr später starb, immatrikulierte sich Cooper im Alter von nur dreizehn Jahren am Yale College in New Haven. Dieses hatte damals eher den Charakter einer Oberschule. Dort langweilte er sich jedoch und wurde nach nicht einmal einem Jahr wegen groben Unfugs der Schule verwiesen.
William Cooper bestimmte, dass sein Sohn eine Karriere in der Marine einschlagen solle. Zur Vorbereitung ließ er ihn auf einem Schiff der Handelsmarine anheuern. Im Oktober brach James Cooper als gemeiner Matrose an Bord des Seglers Stirling zu seiner ersten, einjährigen Seefahrt auf. Auf ihr lernte er England und Spanien kennen. Vor der Küste Portugals wurde sein Schiff tagelang von nordafrikanischen Piraten verfolgt. Nach seiner Rückkehr trat er am 1. Januar 1808 als Fähnrich zur See in den Marinedienst ein. Seine Ernennungsurkunde wurde von Präsident Thomas Jefferson persönlich unterzeichnet. Von 1808 bis 1809 war er im Fort Oswego am Lake Ontario stationiert, das im Franzosen- und Indianerkrieg eine wichtige Rolle gespielt hatte. Angesichts eines drohenden Krieges mit Großbritannien wurde dort der Bau einer Flotte vorangetrieben. Cooper wurde zeitweise selbst mit der Führung des Forts und den Werftarbeiten betraut.
Im Dezember 1809 starb sein Vater. Er hinterließ jedem seiner Söhne ein beträchtliches Erbe sowie einen Anteil am umfangreichen Grundbesitz. Am Neujahrstag 1811 heiratete Cooper Susan Augusta De Lancey, die einer der einflussreichsten New Yorker Grundbesitzerfamilien entstammte. Coopers Vorfahren hatten in der Amerikanischen Revolution auf Seiten der Revolutionäre gekämpft. Die De Lanceys dagegen hatten prominente Rollen unter den Loyalisten eingenommen. Diese fortwirkenden Spannungen verarbeitete Cooper später in historischen Romanen wie Der Spion.
Auf den Wunsch seiner Frau hin beendete Cooper seine nautische Laufbahn und versuchte sich zunächst als Farmer. Zwischen 1815 und 1819 bekam das Paar vier Töchter, von denen eine im Säuglingsalter starb. Das idyllische Dasein wurde bald vom Zusammenbruch des Familienvermögens überschattet. Das Land hatte in der Depression der 1810er Jahre an Wert verloren, und seine Brüder hatten ihr Erbe in Spekulationen verloren. Als 1818 bis 1819 mehrere seiner Brüder und seine Mutter starben, hinterließen sie ihm vor allem Schulden. Der Familiensitz Otsego Hall musste verkauft werden.
Aus dieser Geldnot mag auch Coopers Idee entstanden sein, einen Roman zu schreiben. Seiner Tochter Susan zufolge war sein Erstling das Ergebnis einer Wette. Beim Blättern in einem englischen Gesellschaftsroman soll er ausgerufen haben, selbst er könne ein besseres Buch schreiben. Das Ergebnis, Precaution, erschien 1820 anonym als hölzerne Nachahmung englischer Gesellschaftsromane. In England nahm man an, der Autor müsse eine Engländerin sein. Vom Achtungserfolg bestärkt, verfasste Cooper bald seinen ersten historischen Roman. Der Spion wurde beiderseits des Atlantiks ein großer Erfolg und in mehrere europäische Sprachen übersetzt. Er gilt heute als der erste bedeutende historische Roman der amerikanischen Literatur, dessen Handlung auf amerikanischem Boden angesiedelt ist. Er bewies, dass sich auch amerikanische Stoffe für Romane eigneten. Besonders in seiner Heimat, aber auch in Frankreich wurde Cooper bald als „amerikanischer Scott" gefeiert.
Um näher am Literaturbetrieb zu sein, siedelte Cooper 1821 nach New York über. Dort bildete er mit anderen einen literarischen Salon namens The Bread and Cheese. Seine finanzielle Lage blieb prekär. Das dürfte auch zur ungeheuren Geschwindigkeit beigetragen haben, mit der er bis zu seinem Lebensende Romane schrieb. 1823 erschien Die Ansiedler, der erste seiner fünf Lederstrumpf-Romane, 1824 der erfolgreiche Seefahrtsroman Der Lotse, 1826 dann sein bis heute erfolgreichster Roman Der letzte Mohikaner. 1823 wurde er zum Mitglied der American Philosophical Society gewählt.
Im Juni 1826 brach Cooper mit seiner Familie nach Europa auf. Nach einem kurzen Aufenthalt in London ließ sich die Familie in Paris nieder. Von dort aus reiste Cooper viel umher, unter anderem nach England, Holland, in die Schweiz und nach Italien. Über den Simplonpass reisten die Coopers nach Florenz. Später ging es über Neapel, Rom und Venedig zurück nach Paris, wo sie bis 1833 blieben. In Paris zeigte sich Cooper erstaunt über seinen guten Ruf in den literarischen Zirkeln. Eng befreundet war er mit seinem Landsmann Samuel F. B. Morse und mit dem Marquis de La Fayette. Er sah sich in Europa als Botschafter der amerikanischen Republik und geriet bald in politische Debatten. In seiner Schrift Notions of the Americans (1828) wollte er das europäische Publikum über die republikanische Verfassung Amerikas aufklären. Auch unterstützte er offen den Freiheitskampf der Polen und befreundete sich mit Adam Mickiewicz. Während dieser Zeit schrieb er weiter mit unverminderter Geschwindigkeit. Dazu gehörten 1827 Die Prärie, der dritte und vorläufig letzte Lederstrumpf-Roman, sowie weitere Seefahrtsromane wie The Red Rover.
Cooper war unter anderem Konsul der Vereinigten Staaten in Lyon. In die USA zurückgekehrt, wandelte er sich mehr und mehr vom Befürworter zum Kritiker Amerikas. Seine Skepsis gegenüber dem Industriekapitalismus artikulierte er in kritischen Schriften und Satiren wie A Letter to his Countrymen (1834) und The American Democrat (1838). Scharfe, teils beleidigende Angriffe und zahlreiche Gerichtsprozesse zehrten an seinem Ruf und an seiner Schaffenskraft. Einige seiner nach 1842 erschienenen Werke gelten als stark tendenziös. Die Meisterschaft seiner früheren Werke erreichte er nicht mehr. Er starb am 14. September 1851 in Cooperstown.
Literarische Merkmale↑
Cooper schrieb nach dem Vorbild des schottischen Erzählers Walter Scott. In der amerikanischen Literatur begründete er gleich zwei Erzählformen: den historischen Roman und den Seefahrtsroman. Seine Stärke lag im Erschließen amerikanischer Stoffe. Mit Der Spion bewies er, dass sich auch Sujets aus der eigenen Geschichte zur Dramatisierung in Romanen eigneten. Das schien zu seiner Zeit keineswegs selbstverständlich.
Sein Erstling Precaution war noch eine hölzerne Nachahmung englischer Gesellschaftsromane. In seiner Rührseligkeit, seinem unwahrscheinlichen Handlungsverlauf und seinem moralisierenden Ton kam er dem Groschenroman bedenklich nahe. Bald jedoch fand Cooper zu eigenen Stoffen. In den Lederstrumpf-Romanen schilderte er die Erschließung des Westens durch weiße Scouts, Trapper und Siedler und zugleich die allmähliche Zurückdrängung und Vernichtung der indianischen Kultur. Schon im ersten dieser Romane deutete sich seine Skepsis gegenüber dem Industriekapitalismus an. Später sprach er sie in Satiren und sozialkritischen Schriften offen aus. Auffällig ist auch die enorme Geschwindigkeit, mit der Cooper Roman um Roman verfasste. Diese Produktivität hing wohl auch mit seiner prekären finanziellen Lage zusammen. Die atmosphärische Wirkung seiner Schauplätze konnte dabei stark von seinem jeweiligen Aufenthaltsort geprägt sein. So wirkt der im Long Island Sound des 17. Jahrhunderts angesiedelte Seefahrtsroman The Water-Witch, den er in Sorrent schrieb, deutlich mediterran.
Rezeption↑
Cooper war neben Washington Irving einer der ersten amerikanischen Schriftsteller, der von seinen Büchern leben konnte. Bis weit in das 20. Jahrhundert hinein blieb er auch in Europa der wohl meistgelesene. Der Spion wurde beiderseits des Atlantiks zu einem großen Erfolg und in mehrere europäische Sprachen übersetzt. Der letzte Mohikaner gilt als sein bis heute erfolgreichster Roman. Besonders in seiner Heimat, aber auch in Frankreich feierte man ihn bald als „amerikanischen Scott".
Sein Erfolg bei den Zeitgenossen stand im Zusammenhang mit dem kulturellen Legitimationsbedürfnis der jungen amerikanischen Nation. 1820 hatte Sydney Smith in der Edinburgh Review die vielzitierte Frage gestellt, wer in aller Welt schon ein amerikanisches Buch lese. Cooper lieferte gewissermaßen die Antwort. In den literarischen Zirkeln Frankreichs genoss er hohes Ansehen. Im November 1826 galt es als literarische Sensation des Jahres, als er gemeinsam mit Walter Scott im Salon der Prinzessin Galitzin auftauchte. In seinen späten Jahren litt sein Ruf jedoch unter scharfen, teils beleidigenden Angriffen und zahlreichen Gerichtsprozessen. Seine späten, teils tendenziösen Werke erreichten die Qualität der früheren nicht mehr.
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