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Porträt William Faulkner
William Faulkner
1897 – 1962
– Autorenporträt –

William Faulkner

1897 – 1962 · 64 Jahre

Erzähler vom Untergang der amerikanischen Südstaaten, der das erfundene Yoknapatawpha County zum Schauplatz seines Werks machte – 1950 mit dem Nobelpreis für Literatur geehrt.

Kurzporträt

William Faulkner (1897–1962) gilt als einer der bedeutendsten US-amerikanischen Romanciers des 20. Jahrhunderts. Sein vielschichtiges Werk erzählt vom geistig-kulturellen Untergang der amerikanischen Südstaaten. In seinen Romanen und Kurzgeschichten erfand er das fiktive Yoknapatawpha County, eine dichterische Nachbildung seiner realen Heimat im Lafayette County in Mississippi. Dort schilderte er den Niedergang einst angesehener Südstaatenfamilien, den Aufstieg skrupelloser Emporkömmlinge nach dem Bürgerkrieg und die Gegensätze zwischen weißen und schwarzen Einwohnern. Literarisch zeichnet sich Faulkner durch anspruchsvolle Erzähltechniken wie den Bewusstseinsstrom aus. Diese griff er von europäischen Autoren wie James Joyce, Marcel Proust und Virginia Woolf auf und entwickelte sie eigenständig weiter. Im Jahr 1950 erhielt er den Nobelpreis für Literatur, nachträglich für das Jahr 1949 zuerkannt.


Biografie

Geboren wurde William Cuthbert Faulkner – ursprünglich Falkner – am 25. September 1897 in New Albany im US-Bundesstaat Mississippi. Er entstammte einer Familie, die in der Geschichte des Bundesstaates eine Rolle gespielt hatte. Sein Urgroßvater William Clark Falkner hatte sich 1845 in Ripley niedergelassen. Er diente als Colonel in der Armee der Konföderierten, gründete eine Eisenbahnlinie und verfasste selbst Romane und andere Texte. Er gilt als Vorbild für die Figur des Colonel John Sartoris in mehreren Werken Faulkners. Auch der Großvater, John Wesley Thompson Falkner, war als Jurist, Politiker und Bankier ein prominenter Bürger von Oxford. Dessen Sohn Murry Cuthbert Falkner, der Vater des Schriftstellers, blieb dagegen ein eher erfolgloser Geschäftsmann. Schließlich fand er eine Stellung in der Verwaltung der University of Mississippi. William war der erste von vier Söhnen aus Murry Falkners Ehe mit Maud Butler. Ab seinem fünften Lebensjahr lebte die Familie in Oxford, dem Verwaltungssitz des Lafayette County.

Die Mutter ermutigte ihn früh zum Lesen. So lernte er schon als Kind Werke von Shakespeare, Joseph Conrad und Honoré de Balzac kennen. Mit siebzehn Jahren verließ er ohne Abschluss die Schule. Er erhielt eine Anstellung in der Bank seines Großvaters und begann zu zeichnen und zu schreiben. Bei einer Tätigkeit in einem Waffengeschäft wurde sein Nachname irrtümlich „Faulkner“ geschrieben – diesen Namen behielt er fortan bei. Beim Kriegseintritt der USA in den Ersten Weltkrieg meldete er sich freiwillig zur Luftwaffe, wurde aber wegen seiner geringen Körpergröße abgelehnt. Erst im Juli 1918 wurde er zum Training der britischen Royal Air Force im kanadischen Toronto zugelassen, kam jedoch nicht mehr zum Kriegseinsatz. Anschließend belegte er einige Kurse an der University of Mississippi und veröffentlichte in der Universitätszeitung Zeichnungen, Gedichte und Prosa. Im Herbst 1921 arbeitete er einige Monate bei einem Buchhändler in New York. Danach leitete er bis 1924 die Poststelle der Universität.

Im Jahr 1924 erschien sein erstes Buch, der Gedichtband The Marble Faun. 1925 lebte er einige Monate in New Orleans. Dort lernte er den Schriftsteller Sherwood Anderson kennen, der ihn ermutigte, über seine ländliche Heimat zu schreiben. Noch im selben Jahr vollendete er seinen ersten Roman Soldiers’ Pay, der von Kriegsereignissen handelt. Aus einer gemeinsamen Arbeit mit seinem Freund William Sprattling entstand das Buch Sherwood Anderson and Other Famous Creoles, in dem Andersons Schreibstil parodiert wurde – Anderson kündigte daraufhin die Freundschaft auf. Im Juli 1925 reiste Faulkner per Frachtschiff nach Italien. Danach hielt er sich längere Zeit in Paris auf, ehe er im Dezember 1925 in die USA zurückkehrte. Sein 1927 erschienener Roman Mosquitoes gilt als sein schwächster. Im September 1927 beendete er seinen ersten im Yoknapatawpha County angesiedelten Roman. Dieser erschien 1929 in stark gekürzter Fassung unter dem Titel Sartoris; die Langfassung kam erst 1973 als Flags in the Dust heraus.

Ab 1928 schrieb Faulkner innerhalb von vier Jahren seine vier bekanntesten Romane sowie zahlreiche Kurzgeschichten, die fast alle im Yoknapatawpha County spielen. Den durch James Joyce beeinflussten Roman The Sound and the Fury schloss er im Spätsommer 1928 ab. Er erschien 1929 in New York und wurde von der Kritik überwiegend positiv aufgenommen, verkaufte sich aber zunächst nur zögerlich. 1929 heiratete Faulkner Estelle Oldham-Franklin, die er lange verehrt hatte und die zuvor anderweitig verheiratet gewesen war. Das Eheleben war von wirtschaftlichen Sorgen geprägt, sodass Faulkner eine Arbeit als Aufseher im Heizwerk der Universität annahm. Während dieser Tätigkeit entstand in nur sieben Wochen der 1930 erschienene Roman As I Lay Dying, der von einer Familie erzählt, die während eines Hochwassers eine Leiche transportiert. Einkünfte aus Kurzgeschichten wie A Rose for Emily ermöglichten den Kauf des Hauses Rowan Oak in Oxford, das Faulkner bis zu seinem Tod behielt. Der 1931 erschienene Roman Sanctuary, freizügig und im Pulp-Fiction-Stil verfasst, wurde ein Erfolg und machte ihn auch im Vereinigten Königreich und in Frankreich bekannt. Im selben Jahr wurde die erste Tochter Alabama geboren, die schon nach neun Tagen starb. 1932 folgte Light in August, das als erstes seiner Werke ins Deutsche übersetzt wurde.

Im Jahr 1932 schloss Faulkner einen Vertrag mit Metro-Goldwyn-Mayer und schrieb fortan Drehbücher für die Filmindustrie in Hollywood. 1933 kam seine Tochter Jill zur Welt. Neben den Drehbüchern entstanden weitere Romane. 1936 erschien Absalom, Absalom!. 1935 kam der im Flugplatzmilieu spielende Roman Pylon heraus, sein erstes Buch beim Verlag Random House, der danach alle seine Werke verlegte. 1938 folgte der Erzählzyklus The Unvanquished, der die Erlebnisse eines weißen Jungen und seines schwarzen Freundes schildert. 1940 erschien The Hamlet, der erste Band der Snopes-Trilogie über einen Emporkömmling. Die weiteren Teile The Town und The Mansion kamen erst 1957 und 1959 heraus. In Hollywood verfasste er unter anderem Drehbücher zu den Verfilmungen von Raymond Chandlers The Big Sleep und Ernest Hemingways To Have and Have Not, beide unter der Regie von Howard Hawks. 1942 veröffentlichte er den Erzählband Go Down, Moses. Trotz dieser Produktivität blieb seine wirtschaftliche Lage angespannt: 1944 war in den USA nur noch Sanctuary lieferbar. Erst der 1948 erschienene Roman Intruder in the Dust brachte wieder Erfolg. Seine Verfilmung in Oxford trug viel zu Faulkners Ansehen in seiner Heimat bei, wo er zuvor von vielen abgelehnt worden war.

Im Jahr 1949 galt Faulkner als Favorit auf den Nobelpreis für Literatur, doch eine Sperrminorität der Juroren verhinderte zunächst die Verleihung. Im Folgejahr wurde ihm der Preis einstimmig und rückwirkend für 1949 zuerkannt. Faulkner scheute die öffentliche Aufmerksamkeit und ließ sich nur mühsam dazu bewegen, ihn entgegenzunehmen; seine Tochter Jill begleitete ihn. Im Dezember 1950 wurde ihm der Preis in Stockholm überreicht, gemeinsam mit dem Preisträger des Jahres 1950, Bertrand Russell. Erst der Nobelpreis brachte ihm finanzielle Unabhängigkeit und allgemeine Bekanntheit. Einen Teil des Preisgeldes spendete er einer Stiftung zur Förderung von Nachwuchsautoren, die bis heute den PEN/Faulkner Award for Fiction vergibt. Ein weiterer Teil floss in Stipendien für die Schulausbildung schwarzer Kinder.

In den Jahren danach wurde Faulkner mitteilsamer, und seine Werke trugen eine deutlichere moralische Botschaft. Das als Drama verfasste Requiem for a Nun setzte die Geschichte von Sanctuary fort. Der 1954 veröffentlichte Roman A Fable handelt von französischen Soldaten im Ersten Weltkrieg. 1957 und 1958 wirkte Faulkner als „Writer in Residence“ an der University of Virginia in Charlottesville. Seinen letzten Roman The Reivers schrieb er 1961 innerhalb weniger Wochen. Am 17. Juni 1962 stürzte er bei einem Reitausflug. Am 6. Juli 1962 starb er in einer Klinik in Byhalia an einem Herzinfarkt, der auf eine Thrombose als Folge des Sturzes zurückgeführt wurde. Beigesetzt wurde er auf dem Saint Peter Cemetery in Oxford.


Literarische Merkmale

Anspruchsvolle Erzähltechniken kennzeichnen Faulkners Schreiben. Vor allem der Bewusstseinsstrom prägt sein Werk, bei dem die Gedanken und Eindrücke einer Figur ungeordnet und unmittelbar wiedergegeben werden. Diese Verfahren griff er von europäischen Romanciers wie James Joyce, Marcel Proust und Virginia Woolf auf und verarbeitete sie selbstständig. Sein Werk ist von einer universellen Symbolik durchzogen.

Den geografischen und thematischen Mittelpunkt bildet das fiktive Yoknapatawpha County, eine dichterische Nachbildung seines realen Wohnsitzes im Lafayette County. In diesem erfundenen Landstrich spielen die meisten seiner Romane und Kurzgeschichten. Inhaltlich kreist sein vielschichtiges Werk um den geistig-kulturellen Untergang der Südstaaten, den wachsenden Einfluss skrupelloser Aufsteiger nach dem Bürgerkrieg, die Dekadenz ehemals angesehener Südstaatenfamilien und die Gegensätze zwischen weißen und schwarzen Einwohnern. Wiederkehrende Themen sind Schuld, Moral und Vergangenheit. In der Wahl der Stoffe zeigte er sich wandelbar: So ist Sanctuary bewusst freizügig und im Pulp-Fiction-Stil gehalten, während andere Werke wie As I Lay Dying in kurzer Zeit konzentriert niedergeschrieben wurden. Nach dem Nobelpreis trat in seinen Büchern eine deutlichere moralische Botschaft hervor.


Rezeption

Schon in der Zeit des Nationalsozialismus waren Faulkners Werke in Deutschland nicht verboten. Bereits 1935 erschien die Übersetzung Licht im August im Rowohlt-Verlag, begeistert aufgenommen von Gottfried Benn. Vor dem Zweiten Weltkrieg folgten Wendemarke (1936) und Absalom, Absalom! (1938). Eine größere Wirkung entfaltete Faulkner beim deutschen Publikum jedoch erst in der Nachkriegszeit. Laut Wikipedia beeinflusste er wesentlich die Autoren Heinrich Böll, Alfred Andersch, Uwe Johnson und Peter Handke. Sein Werk wurde nicht nur in der Bundesrepublik Deutschland und der Schweiz verlegt, sondern auch in der DDR.

Über sein Heimatland hinaus reichte sein Ruf bereits zu Lebzeiten. Der Roman Sanctuary machte ihn auch im Vereinigten Königreich und in Frankreich bekannt. In den Südstaaten selbst stieß Faulkner lange auf Ablehnung. Erst die Verfilmung von Intruder in the Dust in seinem Heimatort Oxford trug zu seiner Popularität dort bei. Mit der Zuerkennung des Nobelpreises 1950 wurde er weltweit bekannt. Die schwedische Akademie würdigte seinen „machtvollen und unabhängigen künstlerischen Beitrag zur neuen Erzählliteratur Amerikas“. Bis heute erinnert der nach ihm benannte PEN/Faulkner Award for Fiction an sein Werk.

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