1882 – 1960
Willem Elsschot
Kurzbiografie↑
Willem Elsschot war ein flämischer Schriftsteller, hinter dessen Namen sich der 1882 in Antwerpen geborene Alphonsus Josephus de Ridder verbarg. Aus seinen Erfahrungen im Werbefach zog er den Stoff für Romane und Novellen, die den Alltag kleiner Angestellter und dubioser Geschäftemacher schildern. Werke wie der Roman Lijmen und die Novelle Kaas zählen zu den Klassikern der niederländischsprachigen Literatur. Kennzeichnend sind ein knapper, lakonischer Ton, souveräne Ironie und eine unsentimentale Themenwahl, die Mitleid dennoch nicht ausschließt. Elsschot starb 1960 in seiner Geburtsstadt Antwerpen.
Biografie↑
Geboren wurde Willem Elsschot am 7. Mai 1882 in Antwerpen. Sein bürgerlicher Name lautete Alphonsus Josephus de Ridder. Auf Anraten seines älteren Bruders studierte er in seiner belgischen Geburtsstadt Wirtschaftswissenschaften.
Danach arbeitete er in Paris, Rotterdam und Brüssel. In Brüssel gründete er mit zwei Mitstreitern die Zeitschrift Revue Continentale Illustrée. 1914 kehrte er nach Antwerpen zurück, wo er eine eigene Werbeagentur betrieb.
Diese Erfahrungen im Werbefach flossen unmittelbar in sein Schreiben ein. Der Roman Lijmen (1924, zu Deutsch „auf den Leim locken“) nimmt die dubiosen Praktiken eines Werbekaufmanns aufs Korn. Der gewissenlose Boorman bewegt arglose Kleinhändler mit vielversprechenden Geschichten dazu, in der Allgemeinen Weltzeitschrift zu inserieren, und bürdet ihnen dann große Mengen der Zeitschrift auf, die zwar in Riesenauflagen, aber nur für die Inserenten gedruckt wird. Der Roman gilt mit seinem knappen, schonungslosen und an Zynismus grenzenden Stil als ein Höhepunkt der städtischen flämischen Romanliteratur und gehört zur Stilrichtung der Neuen Sachlichkeit. Zusammen mit dem Folgeroman Het been (deutsch: das Bein) wurde er im Jahr 2000 von Robbe de Hert verfilmt.
Neben zum Teil autobiografischen Romanen wie Villa des Roses (1913) und Tsjip (1934) schrieb Elsschot auch zwei namhafte Novellen. Kaas (1933) erzählt die desillusionierende Geschichte des kleinen Büroangestellten Laarmans, der mit der Gründung eines Käsehandels gesellschaftlich aufsteigen will. Erstmals erschien das Buch 1952 in deutscher Übersetzung unter dem Titel Kaas (Diederichs), 2005 noch einmal als Käse (Unionsverlag, Zürich). In der Novelle Het dwaallicht (1946, zu Deutsch: das Irrlicht) macht sich der Ich-Erzähler mit drei Matrosen im nächtlichen Antwerpen auf die Suche nach einem Mädchen namens Maria. Das Buch wurde 1948 mit dem belgischen Staatspreis ausgezeichnet und erschien 2009 unter dem Titel Maria in der Hafenkneipe auf Deutsch.
Außer seinen Prosawerken veröffentlichte Elsschot den Gedichtband Verzen van vroeger (1934, deutsch: Verse von früher). In rebellischem und bitterem Ton behandelt er darin unter anderem Motive wie Mutter und Ehe. Willem Elsschot starb am 31. Mai 1960 in Antwerpen.
Literarische Merkmale↑
Charakteristisch für Elsschots Schreiben ist ein knapper, lakonischer Ton. Sein Stil gilt als schonungslos und streift bisweilen den Zynismus. Dazu treten eine souveräne Ironie und eine unsentimentale Themenwahl, die das Mitleid dennoch nicht ausschließt. Seine Prosa wird der Neuen Sachlichkeit zugerechnet. In seinen Versen dagegen schlägt er einen rebellischen und bitteren Ton an.
Rezeption↑
Zu den wenigen Klassikern der niederländischsprachigen Literatur, die sich zugleich bei anspruchsvollen Lesern und beim breiten Publikum großer und andauernder Beliebtheit erfreuen, zählt Willem Elsschot. Am meisten tragen dazu wohl sein lakonischer Stil, seine souveräne Ironie und seine unsentimentale, aber nicht mitleidlose Themenwahl bei. Der Roman Lijmen gilt als ein Höhepunkt der städtischen flämischen Romanliteratur. Für die Novelle Het dwaallicht erhielt er 1948 den belgischen Staatspreis. Mehrere seiner Werke wurden ins Deutsche übersetzt und im Jahr 2000 verfilmte Robbe de Hert seine Romane Lijmen und Het been. Als Zeichen seiner Nachwirkung wurde 1995 der Asteroid (6309) Elsschot nach ihm benannt.
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