1914 – 1994
Ralph Ellison
Kurzbiografie↑
Der amerikanische Schriftsteller Ralph Waldo Ellison wurde in Oklahoma City geboren und starb 1994 in New York. Sein Ruhm beruht auf einem einzigen zu Lebzeiten veröffentlichten Roman: Der unsichtbare Mann erschien 1952 und trug ihm im Jahr darauf den National Book Award ein. Ellison war überzeugt, ein Romancier könne in seinem Leben nur einen wirklich großen Roman schreiben. Neben dem Erzählwerk stehen Essays, die 1964 unter dem Titel Shadow and Act gesammelt erschienen. Aus dem Nachlass kam ein zweiter Roman heraus, an dem er jahrzehntelang gearbeitet hatte.
Biografie↑
Geboren wurde Ellison in Oklahoma City als Sohn eines Bauarbeiters. Über das Geburtsjahr gehen die Angaben auseinander: Wikidata nennt den 1. März 1914, die Deutsche Nationalbibliothek dagegen den 1. März 1913. Seine Eltern waren kurz vor seiner Geburt aus South Carolina zugezogen, die Mutter stammte aus Georgia. Durch sie bekam er einen Eindruck davon, wie Schwarze in den ehemaligen Sklavenstaaten lebten. Oklahoma selbst war erst 1907 als 46. Staat zur Union gekommen und galt als Grenzstaat mit vergleichsweise freieren Verhältnissen. Diese doppelte Erfahrung prägte seine spätere Eigenart als Schriftsteller.
Nach der Schulzeit in Oklahoma City erhielt Ellison ein staatliches Stipendium und studierte drei Jahre lang Musik in Tuskegee. Schon dort las er T. S. Eliots The Waste Land, das einen nachhaltigen Eindruck bei ihm hinterließ. 1936 zog er nach Harlem, um ein Studium der Bildhauerei zu beginnen.
In Harlem weckten vor allem Richard Wright und Langston Hughes seine politischen Interessen. Wright machte ihn auch mit den großen russischen Schriftstellern bekannt, besonders mit Dostojewski und Gorki. Ellison unterstützte Wright bei dessen politischer Arbeit, ließ sich aber anders als dieser nicht in die Parteiarbeit hineinziehen. Seinen Lebensunterhalt verdiente er auf verschiedene Weise, hauptsächlich als Jazzmusiker. Zeitweise arbeitete er für den YMCA und als Sekretär eines Psychiaters. Während der Großen Depression ging er mit seinem Bruder aufs Land und jagte dort, um dem Hunger zu entkommen.
1944 veröffentlichte er erste Short Stories. Die Stationen seines Lebens flossen dann in den Roman ein, der 1952 erschien: Der unsichtbare Mann, im Original The Invisible Man, ins Deutsche übertragen von Georg Goyert. 1953 erhielt er dafür den National Book Award. 1965 wurde das Buch zum bedeutendsten Werk der US-amerikanischen Literatur der vorangegangenen Jahrzehnte gewählt.
An einem zweiten Roman arbeitete Ellison jahrzehntelang. Das Manuskript stand schon kurz vor der Veröffentlichung, als ein Brand wichtige Teile vernichtete. Die verlorenen Seiten aus dem Gedächtnis wiederherzustellen gelang ihm nicht. Erst nach seinem Tod erschien das Werk unter dem Titel Juneteenth. 2010 folgte eine ausführlichere Fassung: Three Days Before the Shooting… umfasst 1100 der insgesamt 2000 Manuskriptseiten. Seine Essays hatte Ellison bereits 1964 im Band Shadow and Act gesammelt.
Nach dem National Book Award folgten zahlreiche Ehrungen und Ehrenämter. Ellison lehrte unter anderem an der University of Chicago und in Yale. An der New York University hatte er eine feste Stellung ohne besondere Lehrverpflichtungen inne. 1964 wurde er in die American Academy of Arts and Letters gewählt, 1965 in die American Academy of Arts and Sciences.
Ellison starb am 16. April 1994 in New York; die Quellen bezeichnen den Sterbeort einmal als New York City, einmal als New York, NY.
Literarische Merkmale↑
Ellison unterschied sich von vielen anderen afroamerikanischen Schriftstellern durch seine außerordentliche Belesenheit. Er kannte die Weltliteratur genau, ebenso die klassische und die moderne Musik, die antike Mythologie und die biblischen wie apokryphen Überlieferungen. Dazu kam ein breites Wissen über die Natur und die Lebewesen.
Im Schreiben stand er Langston Hughes näher als Richard Wright oder James Baldwin. Mit Hughes verband ihn vor allem die Vertrautheit mit Jazz und Blues sowie mit der schwarzen Folklore. Beide schätzten den Humor der Schwarzen. Sein Roman speist sich sichtbar aus den Stationen seines eigenen Lebens.
Rezeption↑
Anerkennung fand Ellison rasch: Schon 1953, ein Jahr nach dem Erscheinen, erhielt er für The Invisible Man den National Book Award. 1965 wählte man das Buch zum bedeutendsten Werk der US-amerikanischen Literatur der vorangegangenen Jahrzehnte. In der Folge kamen zahlreiche weitere Ehrungen und Ehrenämter hinzu, darunter Lehrtätigkeiten an der University of Chicago, in Yale und an der New York University. 1964 nahm ihn die American Academy of Arts and Letters auf, ein Jahr später die American Academy of Arts and Sciences. Dass sein Nachlass 1999 und noch einmal 2010 in unterschiedlichen Fassungen des unvollendeten zweiten Romans herausgegeben wurde, zeigt das anhaltende Interesse an seinem Werk.
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