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Porträt T. S. Eliot
T. S. Eliot
1888 – 1965
– Autorenporträt –

T. S. Eliot

1888 – 1965 · 76 Jahre

Englischsprachiger Lyriker und Dramatiker der literarischen Moderne, dessen Gedicht „Das wüste Land" eine ganze Epoche prägte – 1948 mit dem Nobelpreis für Literatur geehrt.

Kurzporträt

Thomas Stearns Eliot wurde 1888 in den Vereinigten Staaten geboren und starb 1965 in England. Er gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der literarischen Moderne. Der Lyriker, Dramatiker und Kritiker wanderte zu Beginn des Ersten Weltkriegs nach London aus. 1927 wurde er britischer Staatsbürger und trat der Church of England bei. Seinen internationalen Durchbruch erzielte er 1922 mit dem Gedicht Das wüste Land. Es zählt zu den wirkungsgeschichtlich einflussreichsten Gedichten des 20. Jahrhunderts. Neben seiner spröden, anspielungsreichen Lyrik schrieb Eliot auch Dramen und einflussreiche Essays. Im Jahr 1948 wurde er mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet.


Biografie

Eliot kam 1888 in St. Louis zur Welt. Er war das jüngste von sieben Kindern einer angesehenen Familie mit neuengländischen Wurzeln. Seine Vorfahren waren im 17. Jahrhundert von England nach Amerika ausgewandert. Beim Geburtsort gibt es eine kleine Abweichung in den Quellen: Wikidata nennt St. Louis, die Deutsche Biographie führt den Ort als Saint Louis, Mo. an. Gemeint ist dieselbe Stadt in Missouri. Sein Vater Henry Ware Eliot besaß eine Ziegelfabrik. Er war ein Sohn William Greenleaf Eliots, des Gründers der Washington University in St. Louis. Seine Mutter Charlotte Stearns Champe Eliot war eine ehemalige Lehrerin.

Mit siebzehn Jahren begann Eliot ein Studium in Harvard. Später studierte er an der Sorbonne in Paris Mathematik, Philosophie sowie europäische und asiatische Sprachen. 1911 kehrte er als Doktorand nach Harvard zurück und ging 1914 endgültig nach Europa. Seine erste Station war Marburg, wo er an einem Ferienkurs der Universität teilnehmen wollte. Dieser Kurs wurde dann abgesagt. Als der Erste Weltkrieg ausbrach, reiste er über die neutralen Niederlande nach London und schließlich nach Oxford. Dort hatte er ein Stipendium am Merton College erhalten. In dieser Zeit beschloss er, Dichter zu werden. In der von Ezra Pound herausgegebenen Catholic Anthology veröffentlichte er sein erstes bedeutendes Gedicht The Love Song of J. Alfred Prufrock. Nach Amerika kehrte er fortan nur noch als Besucher zurück.

In England arbeitete Eliot von 1915 bis 1925 als Bankangestellter. Danach wurde er Direktor des angesehenen Verlagshauses Faber & Gwyer, das später Faber & Faber hieß. 1915 heiratete er Vivienne Haigh Wood. Die Ehe war unglücklich und blieb kinderlos. Seine Frau litt häufig an verschiedenen Krankheiten. 1921 erlitt Eliot einen Nervenzusammenbruch. 1933 trennte er sich von seiner Frau, die 1947 in einer psychiatrischen Einrichtung starb. Bei einer Reise nach Paris begegnete er 1920 erstmals James Joyce, mit dem ihn später eine Freundschaft verband. Im selben Jahr erschien der Essayband The sacred Wood, in dem er eine ästhetische Entpersonalisierung des Gedichts forderte.

Im Jahr 1922 gründete Eliot die literarische Zeitschrift The Criterion. Deren Herausgeber blieb er bis zu ihrer Einstellung 1939. Ebenfalls 1922 erschien sein erstes Hauptwerk, das Versepos Das wüste Land. Bei dessen Zusammenstellung und Redaktion hatte ihm Ezra Pound geholfen. Eliot wurde mit dem Dial-Preis für besondere Verdienste um die amerikanische Literatur ausgezeichnet und damit auf einen Schlag berühmt. 1927 erwarb er die britische Staatsbürgerschaft und trat der Church of England bei. Sein Auftreten war fortan betont britisch. Viele Aspekte der amerikanischen Tradition lehnte er ab. Dennoch reiste er 1932 und 1933 zurück in die Vereinigten Staaten, um eine Gastprofessur für Poetik in Harvard zu übernehmen.

1935 erschien das Drama Murder in the Cathedral. In den folgenden beiden Jahrzehnten veröffentlichte er verschiedene Essays. 1942 erschien das Gedicht Little Gidding. 1944 folgte das bedeutende lyrische Werk Four Quartets, das von seinem Ringen um spirituelle Erkenntnis zeugt. Danach schrieb er keine Gedichte mehr, um sich nicht wiederholen zu müssen. 1952 wurde Eliot Präsident der Londoner Bibliothek. Er gehörte mehreren amerikanischen Akademien an und erhielt zahlreiche Ehrendoktortitel, unter anderem von der Sorbonne, von Yale, Oxford und München. Bis kurz vor seinem Tod veröffentlichte er weitere Essays und Dramen, darunter The Confidential Clerk und The Elder Statesman. 1957 heiratete er seine junge Sekretärin Valerie Fletcher. Er starb am 4. Januar 1965 im Alter von 76 Jahren. Auch hier weichen die Quellen leicht ab: Wikidata nennt als Sterbeort den Londoner Stadtteil Kensington, die Deutsche Biographie schlicht London. Seine Witwe verwaltete den Nachlass bis zu ihrem Tod im November 2012.


Literarische Merkmale

Eindrücklich ist an Eliots Lyrik vor allem ihre spröde, beziehungsreiche Machart. Seine Gedichte sind reich an Anspielungen auf Mythos, Kultur und Dichtung – vom alten Indien über das Mittelalter bis zur Vorkriegszeit. Diese sogenannte Bildungslyrik spiegelt eine aus den Fugen geratene Welt. Sie versucht, das Existenzproblem des modernen Menschen zu fassen. Im Spätwerk seit etwa 1930 sucht Eliot die Lösung zunehmend in einem christlich fundierten Humanismus.

Seine Themen waren Zeit und Ewigkeit, das Ringen um die Wiedergeburt des Geistes und die Aussöhnung mit den Geistern der Vergangenheit. Eliot betrachtete Literatur als Möglichkeit, in der chaotischen Wirklichkeit eine Ordnung aufzudecken und damit Einfluss auf das individuelle Leben zu nehmen. Seine Denkweise war vom Buddhismus, von der christlichen Mystik und von der antiken Philosophie beeinflusst. Dabei vertrat er die Auffassung, dass man die Gegenwart nur verstehen könne, wenn man sich intensiv mit der Vergangenheit auseinandersetze. Er machte zudem freie Rhythmen und abstrakte Dichtung, teilweise mit musikalischen Kompositionselementen, in Europa populär. Seine Bühnenwerke gelten als Wiederbelebung des poetischen Dramas.


Rezeption

Sein Schwerpunkt lag auf der Lyrik. Als Dichter seiner Zeit fand Eliot große Anerkennung. Seine Vorbilder sah er in Vergil, Dante und William Shakespeare. Auch der metaphysischen Dichtung räumte er einen hohen Stellenwert ein. In einer 1921 veröffentlichten Schrift hob er besonders den englischen Poeten John Donne hervor und löste damit eine internationale Diskussion über die metaphysischen Dichter aus. Einflussreiche kritische Essays schrieb er auch über die Lyrik der Romantik. Seine Dramatik war vor allem durch William Butler Yeats inspiriert.

Das Gedicht Das wüste Land wurde oft mit James Joyce' Roman Ulysses verglichen, der im selben Jahr beim selben Verleger erschien. Eliot selbst übte einen starken Einfluss auf einige bedeutende spätere Denkströmungen aus, darunter den Existenzialismus. 1948 erhielt er den Nobelpreis für Literatur. Auch sein dramatisches Werk wurde gewürdigt, etwa mit dem Tony Award für das beste Theaterstück nach der Broadway-Aufführung von Die Cocktailparty 1950. Von seinen sieben Dramen ist Mord im Dom bis heute international am bekanntesten.

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