1933
Kaas
Überblick↑
Das Werk Kaas ist eine 1933 erschienene Erzählung des flämischen Schriftstellers Willem Elsschot. Sie gilt als ein Klassiker der flämischen und niederländischsprachigen Literatur und ist zugleich der am häufigsten übersetzte flämische Roman: Er liegt in zahlreichen Sprachen vor. Im Mittelpunkt steht der kleine Antwerpener Angestellte Frans Laarmans, der sich für kurze Zeit zum Kaufmann berufen fühlt und mit einer riesigen Ladung Edamer Käse ins Geschäft einsteigt.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
Im Mittelpunkt steht Frans Laarmans, ein einfacher Schreiber bei einer Werft in Antwerpen. Über Van Schoonbeke, den wohlhabenden Freund seines Bruders Karel, gerät er in einen Kreis begüterter Herren, in dem er sich unbehaglich und fehl am Platz fühlt, weil er sich mit den vornehmen, etwas snobistischen Mitgliedern nicht messen kann. Dort wird ihm die Gelegenheit angeboten, Großhändler für niederländischen Käse zu werden – für vollfetten Edamer.
Laarmans lässt sich verführen, nicht zuletzt, um in dieser Gesellschaft mehr Achtung zu gewinnen. Mit Hilfe seines Bruders und auf Anraten seiner Frau erreicht er, dass er sich vorübergehend und unbezahlt von seiner Stelle beurlauben lassen kann, angeblich wegen eines Nervenleidens. Mit großem Eifer stürzt er sich in die neue Aufgabe. Doch schon bald zeigt sich, dass die Begeisterung für das Kaufmannsleben etwas ganz anderes ist als der harte Alltag des Verkaufens.
Die Handlung im Detail↑
Frans Laarmans arbeitet als Schreiber bei der General Marine and Shipbuilding Company in Antwerpen. Durch Van Schoonbeke, den wohlhabenden Freund seines Bruders Karel, der Hausarzt ist, kommt er in einen Kreis begüterter Männer, in dem er sich unwohl fühlt. Als ihm dort angeboten wird, Großhändler für vollfetten Edamer Käse zu werden, greift er zu – auch in der Hoffnung, so mehr Ansehen zu gewinnen. Auf Zureden seiner Frau und mit Unterstützung seines Bruders lässt er sich unter dem Vorwand eines Nervenleidens vorübergehend und ohne Bezahlung von der Werft beurlauben.
Mit Hingabe widmet sich Laarmans seiner neuen Rolle, verliert dabei aber die eigentliche Aufgabe aus den Augen. Er beschäftigt sich zunächst nur mit der Einrichtung seines „Büros“, kauft einen passenden Schreibtisch, eine Schreibmaschine und ein Telefon, entwirft sein Briefpapier, wirbt Vertreter für sein Gebiet an, das aus Belgien und dem Großherzogtum Luxemburg besteht, und ersinnt einen Namen für sein Unternehmen. Am Ende entscheidet er sich für „Gafpa“, was für General Antwerp Feeding Products Association steht. Als seine erste Lieferung von zwanzig Tonnen Käse vom Lieferanten Hornstra aus Amsterdam eintrifft, weiß er nicht recht, was er damit anfangen soll. Sein Ruf als Kaufmann verschafft ihm inzwischen in Van Schoonbekes Kreis mehr Respekt.
In der Praxis aber ist Laarmans für dieses Geschäft ungeeignet. Er bringt nicht die geringste Menge des Käses an den Mann – eines Produkts, das ihm selbst zuwider ist. Seine angeworbenen Vertreter erweisen sich größtenteils als Nichtskönner, und der riesige Vorrat an Edamer, eingelagert im Blauwhoedenveem, will kaum kleiner werden. Seine Frau leidet unter der ganzen Sache, und auch seine Kinder haben es schwer, obwohl sie sich bemühen, dem Vater beizustehen. Seine Kollegen von der Werft kommen bisweilen vorbei, um nach ihm zu sehen. So muss er ständig aufpassen, dass er ihnen nicht auf der Straße begegnet, wenn er mit seinen Käselaiben unterwegs ist.
Schließlich gibt Laarmans das Kaufmannsleben auf, nachdem er nur wenige Laibe verkauft hat. Er kehrt an die Werft und auf seine alte Stelle als einfacher Schreiber zurück, wo ihn seine früheren Kollegen mit offenen Armen empfangen. Seine Frau sorgt am Ende dafür, dass vorläufig kein Käse mehr auf den Tisch kommt.
Die Figur Frans Laarmans spielt auch in dem Romanzyklus Lijmen/Het been eine Hauptrolle und ist Elsschots Alter Ego in einer Reihe weiterer Werke.
Stil↑
Erzählt wird eine tragikomische Geschichte, in der ein kleiner Angestellter für kurze Zeit von großen kaufmännischen Träumen ergriffen wird. Der Witz entsteht aus dem Missverhältnis zwischen Laarmans' eifrigem Getue und seiner völligen Unfähigkeit im wirklichen Geschäft: Statt Käse zu verkaufen, verliert er sich in Nebensächlichkeiten wie Schreibtisch, Telefon und Firmenname. Der Käse, den er selbst verabscheut, wird dabei zum handfesten Sinnbild einer Last, die er sich selbst aufgeladen hat. Die Darstellung bleibt knapp und ganz auf die eine Hauptfigur konzentriert, deren kleinbürgerlicher Ehrgeiz mit ruhiger Ironie vorgeführt wird.
Rezeption↑
Als ein Klassiker der flämischen und niederländischsprachigen Literatur hat das Werk weite Verbreitung gefunden. Es gilt als der am häufigsten übersetzte flämische Roman. Hinter dem Namen Willem Elsschot verbirgt sich Alfons de Ridder, der von 1882 bis 1960 lebte. Er leitete eine Werbeagentur in Antwerpen und schrieb in seiner Freizeit Romane, ohne dass seine Familie davon wusste. Ins Deutsche wurde Elsschot von Gerd Busse übertragen; so erschien der zum selben Umkreis gehörende Roman Lijmen unter dem Titel Leimen beim Unionsverlag in Zürich.
Der Stoff wurde später auch für andere Medien aufgegriffen. Im Jahr 1999 brachte Orlow Seunke eine Verfilmung heraus. 2008 gestaltete Dick Matena den Roman zu einem Comic um.
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