Meisterwerke der Worte
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
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Autoreneintrag · E. E. Cummings
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Porträt E. E. Cummings
E. E. Cummings
1894 – 1962
– Autorenporträt –

E. E. Cummings

1894 – 1962 · 67 Jahre

Amerikanischer Dichter, der mit Schreibweise, Zeichensetzung und der Anordnung der Wörter auf der Seite spielte und dabei trotz aller formalen Kühnheit verständlich blieb.

Kurzbiografie↑

Edward Estlin Cummings, meist als E. E. Cummings geschrieben, war ein amerikanischer Dichter und Schriftsteller. Er wurde am 14. Oktober 1894 in Cambridge im US-Bundesstaat Massachusetts geboren und starb am 3. September 1962. Bekannt wurde er vor allem durch seine Gedichte, in denen er mit Schreibweise, Zeichensetzung und Anordnung der Wörter auf dem Papier spielte. Daneben schrieb er Theaterstücke, Märchen und einen Reisebericht; auch als Maler war er tätig. Über seine Internierung in Frankreich schrieb er den autobiographischen Bericht The Enormous Room.


Biografie↑

Aufgewachsen ist Cummings in einer liberalen Familie in Cambridge, Massachusetts. Schon als Zehnjähriger soll er 1904 Gedichte geschrieben haben, und seine Eltern förderten dieses frühe Interesse. Von 1911 bis 1915 studierte er in Harvard Literatur. In der Redaktion der Universitätszeitung lernte er John Dos Passos kennen, mit dem er sich anfreundete. 1912 erschien in ebendieser Zeitung erstmals ein Text von ihm. In seinem Abschlussjahr kam er mit den avantgardistischen Texten von Gertrude Stein und Ezra Pound in Berührung, die ihn beeinflussten.

1917 wurden erstmals Gedichte von ihm in einer Sammlung veröffentlicht. Kurz darauf meldete er sich freiwillig als Sanitäter und ging nach Frankreich, wo er am Ersten Weltkrieg teilnahm. Dort hielt man ihn irrtümlich für einen Verräter. Vier Monate lang war er in einem Lager in der Normandie interniert. Diese Erfahrung wurde zur Grundlage seines autobiographischen Buches The Enormous Room, auf Deutsch Der ungeheure Raum. Nach Kriegsende blieb er zunächst in Paris. Dort begegnete er unter anderem Pablo Picasso, der ihn beeindruckte.

1923 erschien sein erster Gedichtband, Tulips and Chimneys. In den zwanziger und dreißiger Jahren reiste er viel, unter anderem in die Sowjetunion; über diese Reise berichtete er in Eimi. Er lebte abwechselnd in den Vereinigten Staaten und in Frankreich und brachte regelmäßig neue Gedichtbände heraus, darunter XLI Poems, Is 5, ViVa und No Thanks. Daneben schrieb er fürs Theater. 1927 erschien das Stück Him, später folgten Tom und Santa Claus. 1931 legte er den Bildband CIOPW vor.

Sein Privatleben verlief unruhig. Seit 1918 hatte er eine Affäre mit Elaine Orr, die damals mit dem Schriftsteller Scofield Thayer verheiratet war. 1919 kam die gemeinsame Tochter Nancy zur Welt. 1924 heirateten Cummings und Elaine Orr, doch die Ehe scheiterte nach weniger als einem Jahr. Elaine zog nach Irland; seine Tochter sah er erst 1946 wieder. Die zweite Ehe mit Anne Minnerly Barton dauerte von 1929 bis 1932. Danach lebte er mit Marion Morehouse zusammen, und diese Verbindung hielt bis zu seinem Tod.

Politisch stand Cummings dem America First Committee nahe, einer isolationistischen Bewegung, die 1940/41 den Kriegseintritt der Vereinigten Staaten in den Zweiten Weltkrieg verhindern wollte. 1949 wurde er in die American Academy of Arts and Letters gewählt. In den fünfziger Jahren trat er auch als Vortragender hervor: 1953 erschien i: six nonlectures. Weitere Gedichtbände folgten, unter ihnen Xaipe und 95 Poems. Der Band 73 Poems erschien im Todesjahr beziehungsweise kurz danach.

Cummings starb am 3. September 1962. Beim Sterbeort widersprechen sich die Quellen: Wikidata nennt Joy Farm, die Deutsche Nationalbibliothek dagegen North Conway in New Hampshire.


Literarische Merkmale↑

Kennzeichnend für Cummings ist der spielerische Umgang mit der äußeren Gestalt des Gedichts. Er verzichtete oft auf die übliche Groß- und Kleinschreibung. Diese Eigenart hat sich so eingeprägt, dass sein Name im deutschen Sprachraum unter dem Stichwort „Cummings kleingeschrieben“ verhandelt wurde.

Bei aller formalen Kühnheit blieb er verständlich. Er war intellektuell nie so radikal und unzugänglich wie seine avantgardistischen Vorbilder. Seine Sicht auf die Welt war schlicht, aber nie einfältig, und gerade das machte ihn zu einem der volkstümlichsten modernen Lyriker englischer Sprache.

Inhaltlich richtete sich seine Kritik gegen die patriotische Verlogenheit des American Dream und gegen den Konformismus der amerikanischen Lebensweise. Er nahm auch die Kulturindustrie und die Konsumwelt der Wohlstandsgesellschaft aufs Korn, in der das Anhäufen äußerlicher Scheinwerte an die Stelle des eigentlich Wertvollen tritt. Neben der Lyrik arbeitete er in weiteren Formen: Er schrieb Theaterstücke, Märchen wie The Elephant and the Butterfly, einen autobiographischen Bericht und einen Reisebericht über die Sowjetunion. Auch die Malerei gehörte zu seinem Werk.


Rezeption↑

Komponisten haben Cummings' Gedichte immer wieder vertont. Leonard Bernstein nahm in Songfest das Gedicht „If you can't eat you got to“ auf. Pierre Boulez schrieb Cummings ist der Dichter nach seinen Texten. Aribert Reimann vertonte ihn 1961 in Impressionen IV für Sopran und Klavier, Luciano Berio setzte drei Gedichte in Circles. Matthias Pintscher komponierte im Jahr 2000 seine Lieder und Schneebilder nach Gedichten von Cummings, Brad Mehldau vertonte 2019 in seinem Liederzyklus The Folly of Desire das Gedicht „the boys I mean are not refine“. Joan Baez sang auf ihrem Album Baptism das Gedicht „All in Green Went My Love Riding“ in einer Vertonung von Peter Schickele, und Björk vertonte „I will wade out“ in ihrem Lied „Sun in my mouth“ auf dem Album Vespertine.

Auch im Kino ist Cummings präsent. In Der Club der toten Dichter wird ein Gedicht von ihm fast vollständig zitiert, um das Motto „Carpe diem“ zu unterstreichen. Woody Allen ließ 1986 in Hannah und ihre Schwestern Zeilen aus „Somewhere I have never travelled…“ zitieren, und in In den Schuhen meiner Schwester kommt das Gedicht „I carry your heart“ vor. Der Schauspieler David Niven wählte den Titel eines Cummings-Gedichts für seine 1975 erschienene Autobiographie The Moon's a Balloon und rezitiert das Gedicht darin am Anfang und am Ende.

Im deutschen Sprachraum wurde Cummings von namhaften Übersetzern vermittelt. In der zweisprachigen Auswahl so klein wie die welt und so groß wie allein von 1980 übersetzten unter anderem Hans Magnus Enzensberger und Erich Fried. Später kamen Ausgaben von Mirko Bonné, Günter Plessow, Eva Hesse und Lars Vollert hinzu. Helmut Heissenbüttel widmete ihm 1983 in den Akzenten den Aufsatz „Cummings kleingeschrieben“. Die Forschung hat sich früh mit ihm befasst: Es liegen mehrere Biographien und Einführungen vor, darunter Arbeiten von Richard S. Kennedy, Rushworth M. Kidder und Susan Cheever.

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