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Porträt Euclides da Cunha
Euclides da Cunha
1866 – 1909
– Autorenporträt –

Euclides da Cunha

1866 – 1909 · 43 Jahre

Brasilianischer Reporter und Militäringenieur, der als Augenzeuge den Krieg um die Siedlung Canudos schilderte – sein Bericht „Os Sertões“ gilt in Brasilien bis heute als Schlüsselbuch.

Kurzbiografie↑

Der brasilianische Autor Euclides da Cunha wurde 1866 in Cantagalo im Bundesstaat Rio de Janeiro geboren. Er war Publizist und Militäringenieur und arbeitete als Reporter für eine republikanische Tageszeitung. Als Augenzeuge des Krieges um die Siedlung Canudos schrieb er das Buch, für das er bis heute bekannt ist: Os Sertões, 1994 auf Deutsch unter dem Titel Krieg im Sertão erschienen. Darin schilderte er die Vernichtung dieser Siedlung und machte sie einem größeren Leserkreis bekannt. Sein Leben endete 1909 gewaltsam, im Alter von 43 Jahren.


Biografie↑

Geboren wurde Euclides da Cunha am 20. Januar 1866 in Cantagalo im brasilianischen Bundesstaat Rio de Janeiro. Er besuchte die technische Hochschule des brasilianischen Heeres und wurde Militäringenieur. Neben dieser Ausbildung stand die Arbeit für die Presse: Für die republikanische Tageszeitung A Província de S. Paulo, die heute O Estado de S. Paulo heißt, berichtete er als Reporter.

In dieser Rolle wurde er zum Zeugen jener Ereignisse, die sein Werk bestimmen sollten. Als Reporter erlebte er die letzten drei Wochen des Militärfeldzugs gegen die Siedlung Canudos mit. Was er dort sah, verarbeitete er zu seinem bekanntesten Buch. Os Sertões erschien 1902 und beschreibt die Vernichtung von Canudos. Die deutsche Übersetzung kam 1994 unter dem Titel Krieg im Sertão heraus, eine Neuauflage folgte 2013.

Im Denken war da Cunha stark beeinflusst vom Positivismus, vom Naturalismus und vom Darwinismus. Diese Prägungen bestimmten seinen Blick auf Land und Menschen. 1907 erschienen zwei weitere Bücher: Contrastes e confrontos und Peru versus Bolívia. Seine Zeitungsartikel wurden erst lange nach seinem Tod gesammelt herausgegeben, 1939 als Canudos, diário de uma expedição und 1967 als Canudos e inéditos.

Sein Ende kam durch eine private Katastrophe. Am 15. August 1909 versuchte da Cunha, den Geliebten seiner Frau Ana Emília zu erschießen. Es handelte sich um den Leutnant Dilermando de Assis, und da Cunha suchte ihn in dessen Haus auf. Er schoss zunächst auf Dinorah de Assis, den Bruder des Leutnants, und verletzte ihn. Daraufhin wurde da Cunha von Dilermando de Assis in Notwehr erschossen. Er starb an diesem Tag in Piedade in Rio de Janeiro. Ana Emília und ihr Liebhaber heirateten, sobald es möglich war, und bekamen noch fünf Kinder.

Zu seinen Ehren wurde später ein Ort umbenannt. Die Gemeinde Cumbe, die nicht weit vom ehemaligen Canudos entfernt liegt, trägt seither den Namen Euclides da Cunha. Die Deutsche Nationalbibliothek führt ihn als Schriftsteller, Historiker und Soziologen.


Literarische Merkmale↑

Sein Schreiben entstand aus der unmittelbaren Anschauung. Da Cunha war Reporter vor Ort, und aus dem, was er als Augenzeuge des Canudos-Krieges sah, wurde ein Buch, das weit über einen Zeitungsbericht hinausreicht. Prägend für seine Sicht auf die Dinge waren der Positivismus, der Naturalismus und der Darwinismus. Als ausgebildeter Militäringenieur brachte er zugleich einen naturwissenschaftlich geschulten Blick auf Landschaft und Menschen mit. Mario Vargas Llosa beschrieb Os Sertões als ein Handbuch zur lateinamerikanischen Seinsweise, weil sämtliche kulturellen und ethnischen Elemente des Subkontinents darin vertreten seien.


Rezeption↑

Nachhaltig gewirkt hat vor allem sein Bericht über Canudos. Der Schriftsteller Jorge Amado nannte Os Sertões das „am wenigsten gelesene, aber meistdiskutierte Buch Brasiliens“. Der peruanische Romancier Mario Vargas Llosa nahm das Werk als Vorlage für seinen Roman La guerra del fin del mundo, der 1981 erschien.

Auch im deutschen Sprachraum fand das Buch spät seinen Weg zu den Lesern. 1994 erschien es bei Suhrkamp unter dem Titel Krieg im Sertão, 2013 folgte eine Neuauflage. In der Forschung wurde er unterschiedlich gedeutet: Erhard Engler legte 1975 an der Universität Rostock eine Dissertation vor, die ihn als geistigen Vorkämpfer für die nationale Unabhängigkeit Brasiliens beschreibt. Susanna B. Hecht veröffentlichte 2013 eine Studie, die ihn mit dem Wettlauf um das Amazonasgebiet in Verbindung bringt. Dass ein Ort in der Nähe des früheren Canudos heute seinen Namen trägt, zeigt, welchen Rang er in Brasilien einnimmt.

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