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Werkseintrag · Der endlose Raum
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Cover Der endlose Raum
Der endlose Raum
1922
– Werkseintrag –

Der endlose Raum

1922 · Roman

Ein junger Amerikaner hält im Ersten Weltkrieg zu seinem kriegskritischen Freund, landet dafür selbst in französischer Haft und macht aus dem großen Schlafsaal voller Mitgefangener einen Ort voller sonderbarer Gestalten und schelmischer Geschichten.

Überblick↑

Der Roman Der endlose Raum erschien 1922 unter dem englischen Titel The Enormous Room. E. E. Cummings verarbeitet darin seine eigene Gefangenschaft in Frankreich während des Ersten Weltkriegs. Das Buch gilt als autobiographischer Kriegsroman. Es verbindet die Erfahrung sinnloser Haft mit einer eigenwilligen, spielerischen Sprache.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Im Mittelpunkt steht ein junger Amerikaner, der im Ersten Weltkrieg als Krankenwagenfahrer in Frankreich dient. Sein Freund und Kollege, im Buch nur B. genannt, hat in Briefen seine Ablehnung des Krieges ausgesprochen. Die französischen Behörden verhaften ihn deshalb Ende August 1917. Beim Verhör stellt sich der Erzähler hinter seinen Freund und wird ebenfalls festgenommen.

Die beiden kommen in das Lager La Ferté-Macé. Dort teilt der Erzähler mit etwa dreißig weiteren Gefangenen einen großen Schlafsaal, den titelgebenden Raum. Er begegnet einer Reihe merkwürdiger und eindrucksvoller Mitgefangener und erlebt eine Folge abenteuerlicher Episoden. Über allem liegt die Frage, wann und wie über die Fälle der Häftlinge überhaupt entschieden wird, denn die zuständige Kommission ist verreist. Was den Erzähler und seinen Freund am Ende erwartet, bleibt lange offen.

Die Handlung im Detail↑

Der Erzähler dient als Krankenwagenfahrer in Frankreich. Im Spätsommer 1917 wird sein Freund und Kollege B. – im Buch nie mit vollem Namen genannt – von den französischen Behörden verhaftet, weil er in Briefen kriegskritische Ansichten geäußert hatte. Als der Erzähler beim Verhör zu seinem Freund hält, nimmt man auch ihn fest. Hinter der Figur B. steht Cummings' Weggefährte William Slater Brown.

Beide werden in das Lager La Ferté-Macé gebracht. Dort haben sie besonderes Pech: Die örtlichen Kommissare, die über Verfahren und Begnadigungen entscheiden, sind nur fünf Tage vor ihrer Ankunft abgereist. Man erwartet sie erst im November zurück. Bis dahin bleibt den Gefangenen nichts als das Warten im großen Saal, in dem rund dreißig Männer nebeneinander schlafen. Der Erzähler beobachtet seine Mitgefangenen, schildert ihre Eigenheiten und macht aus dem eintönigen Lageralltag eine Folge schelmenhafter Episoden.

Während der Haft erreicht Cummings' Vater in Amerika eine falsche Nachricht: Sein Sohn sei auf See umgekommen. Die Meldung wird später zurückgenommen, doch danach fehlt jede Auskunft über den Verbleib des Sohnes, was den Vater in große Not stürzt.

Als die Kommissare schließlich eintreffen, fällt die Entscheidung unterschiedlich aus. Der Erzähler gilt offiziell als „Verdächtiger“ und soll unter Aufsicht in der abgelegenen Gemeinde Oloron-Sainte-Marie freigelassen werden. B. dagegen wird in ein Gefängnis in Précigné verlegt. Bevor Cummings jedoch aufbrechen kann, greift die amerikanische Diplomatie ein: Er wird ohne Auflagen aus La Ferté entlassen. Am 1. Januar 1918 trifft er in New York ein. Insgesamt hatte er über vier Monate in Haft verbracht.

Der Titel meint zunächst den großen Schlafsaal. Er steht aber zugleich für das Innere des Erzählers und für seine Erinnerung an die Gefangenschaft: Die vielen Bewohner der gemeinsamen Zelle leben im „endlosen Raum“ seines Gedächtnisses weiter.

Stil↑

Die Sprache des Buches verbindet zwei sehr verschiedene Töne. Auf der einen Seite steht Cummings' bekannte eigenwillige Grammatik und Wortwahl, die sich über die üblichen Regeln hinwegsetzt. Auf der anderen Seite steht die geistreiche Stimme eines jungen, in Harvard ausgebildeten Intellektuellen, der sich unversehens in einer absurden Lage wiederfindet. Aus dieser Mischung bezieht der Text seinen Reiz.

Die Erzählweise folgt keinem straffen Handlungsbogen, sondern reiht abenteuerliche Episoden und Porträts der Mitgefangenen aneinander. Der große Schlafsaal dient dabei nicht nur als Schauplatz, sondern auch als Sinnbild für den Kopf des Erzählers und für dessen Erinnerung.

Rezeption↑

Zu den Bewunderern des Buches gehörte F. Scott Fitzgerald. Er urteilte, von allen Arbeiten der seit 1920 hervorgetretenen jungen Männer überdauere ein einziges Buch, nämlich The Enormous Room von E. E. Cummings; jene wenigen, die Büchern Leben verschaffen, hätten den Gedanken an dessen Vergänglichkeit nicht ertragen können.

Auch Robert Graves und T. E. Lawrence äußerten sich lobend. Ihr Lob findet sich in der Einleitung, die Graves für die britische Ausgabe verfasste.

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