Meisterwerke der Worte
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
Autoreneintrag · Emily Dickinson
Eingang · Autoren · Emily Dickinson
Porträt Emily Dickinson
Emily Dickinson
1830 – 1886
– Autorenporträt –

Emily Dickinson

1830 – 1886 · 55 Jahre

Zurückgezogene Dichterin aus Amherst, deren 1775 Gedichte erst nach ihrem Tod 1886 ans Licht kamen und der modernen Lyrik den Weg bahnten.

Kurzporträt

Emily Dickinson (1830–1886) gilt als eine der bedeutendsten US-amerikanischen Dichterinnen des 19. Jahrhunderts. Sie verbrachte ihr ganzes Leben in dem kleinen Universitätsstädtchen Amherst in Massachusetts. Früh zog sie sich in die Einsamkeit zurück. Sie hinterließ ein Werk von 1775 Gedichten. Zu ihren Lebzeiten wurden davon nur sieben gedruckt. Erst 1890, vier Jahre nach ihrem Tod, erschien die erste Sammlung ihrer Verse. Sie machte deutlich, wie weit diese Lyrik dem 19. Jahrhundert vorausgeeilt war. Heute wird sie in einem Atemzug mit den Wegbereitern der modernen Dichtung genannt.


Biografie

Emily Elizabeth Dickinson kam am 10. Dezember 1830 in Amherst, Massachusetts, zur Welt. Sie war das mittlere von drei Kindern des Rechtsanwalts und Politikers Edward Dickinson und seiner Frau Emily Norcross. Die Eltern hatten 1828 geheiratet. Ihr älterer Bruder hieß William Austin, genannt „Austin", ihre jüngere Schwester Lavinia, genannt „Vinnie". Die Familie war alteingesessen und calvinistisch geprägt. Der Vater diente als Schatzmeister des Amherst College, das Emilys Großvater gegründet hatte. Zeitweilig saß er im US-Kongress.

Von 1840 bis 1847 besuchte Emily die Amherst Academy. Dort erhielt sie Unterricht in klassischer Literatur, Latein, Geschichte, Religion, Mathematik und Biologie. Anschließend wechselte sie 1847 auf das Mount Holyoke Female Seminary, eine konservativ-evangelikale Mädchenschule. Ihre Lehrer bemerkten ihre außergewöhnliche Intelligenz. Doch sie war körperlich wie seelisch anfällig und brach die Schule bereits nach einem Jahr wieder ab.

Ab 1850 zeigte sich eine Eigenheit, die später zum Bild der Dichterin gehören sollte. Sie bevorzugte weiße Kleidung und zog sich immer stärker in die Einsamkeit zurück. Besucher empfing sie kaum, eigene Besuche wurden zur Ausnahme. In der Wahrnehmung ihrer Umgebung galt sie als menschenscheu. Die meiste Zeit verbrachte sie in ihrem Zimmer im Elternhaus. Dieses Zimmer ist heute als Emily Dickinson Museum zugänglich und als National Historic Landmark eingetragen.

Den Kontakt zur Welt hielt sie vor allem über Briefe. Persönlich nahe standen ihr nur wenige Menschen: ihre Schwester Lavinia, ihr Bruder Austin und dessen Frau Susan, eine Jugendfreundin Emilys, sowie der Geistliche Charles Wadsworth aus Philadelphia. In ihm sah sie einen Seelenverwandten, den sie als „dearest earthly friend" bezeichnete. Der Kontakt riss ab, als Wadsworth nach San Francisco ging. Mit dem späteren Herausgeber ihrer Werke, Thomas Wentworth Higginson, korrespondierte sie über viele Jahre. Begegnet ist sie ihm nach eigener Aussage in dieser ganzen Zeit nur zweimal.

Eine besondere Rolle spielte Susan Huntington Gilbert Dickinson, ihre Schwägerin. Obwohl die beiden in unmittelbarer Nachbarschaft lebten, schickte Emily ihr fast täglich Briefe, viele davon leidenschaftlich. Insgesamt gingen über 250 Gedichte an Susan. Manche Wissenschaftler deuten die Beziehung auch als romantische Bindung. Sie hielt bis zum Tod der Dichterin. Susan gilt heute als eine ihrer wichtigsten Bezugspersonen.

Die ersten Gedichte schrieb Dickinson 1850. Ab etwa 1858 ordnete sie diese in eigens angelegten Heften. Die fruchtbarste Schaffensphase fiel in die Jahre zwischen 1860 und 1870. Zugleich war diese Zeit von wachsender Vereinsamung und Krankheit überschattet. Von ihren insgesamt 1775 Gedichten erschienen zu Lebzeiten nur sieben im Druck. Weitere Verse kursierten in Briefen an Freunde und Verwandte.

Am 15. Mai 1886 starb Emily Dickinson in Amherst. Die genaue Todesursache ist unklar. Das Kirchenbuch von Amherst nennt Bright's disease, also ein Nierenleiden. Ihre letzten Worte sollen gewesen sein: „I must go in, for the fog is rising." Von ihr selbst sind bislang nur zwei authentische Fotografien bekannt: die berühmte Daguerreotypie von 1847 oder 1848, die heute im Archiv des Amherst College liegt, und ein erst 2012 in einer Privatsammlung entdecktes Bild von 1859.


Literarische Merkmale

Bereits in den Gedichten, die nach ihrem Tod 1890 erstmals erschienen, zeigte sich ein Ton, der dem 19. Jahrhundert weit vorauszugreifen schien und stilistisch ins 20. Jahrhundert hineinwies.


Rezeption

Zu Lebzeiten war Emily Dickinson als Dichterin nahezu unbekannt. Nur sieben ihrer 1775 Gedichte erschienen im Druck. Einzelne weitere gelangten über persönliche Briefe an einen kleinen Kreis. Erst 1890, vier Jahre nach ihrem Tod, wurden ihre Verse einer größeren Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Sie offenbarten ein Werk, dessen Eigenständigkeit über die Epoche hinauswies.

Die Nachwelt hat die Spuren ihres Lebens sorgfältig bewahrt. Ihr Zimmer im Elternhaus von Amherst ist heute als Emily Dickinson Museum öffentlich zugänglich und als National Historic Landmark im National Register of Historic Places verzeichnet. 2012 wurde in einer Privatsammlung ein bis dahin unbekanntes Foto aus dem Jahr 1859 entdeckt und als authentisches Bildnis der Dichterin bestätigt. Es zeigt, mit welcher Aufmerksamkeit Forschung und Öffentlichkeit jedes neue Zeugnis aufnehmen.

Mitglieder des YouTube-Kanals erhalten das ganze Lexikon als PDF zum Download – zum Sammeln, Offline-Lesen und Ausdrucken. Mitglied werden →

Aus dem Werkverzeichnis

Im Lexikon

Weitere Werke (Auswahl)

Vollständiges Werkverzeichnis bei Wikipedia (5 weitere Titel)

meisterwerke-der-worte.de · Auszug aus dem Lexikon · Alle Rechte vorbehalten