1777 – 1843
Friedrich de la Motte Fouqué
Kurzporträt↑
Friedrich de la Motte Fouqué (1777–1843) zählt zu den ersten deutschen Dichtern der Romantik. Er stammte aus einer altadligen französischen Hugenottenfamilie. Ein Leben als preußischer Offizier verband er mit einer ungewöhnlich umfangreichen literarischen Produktion in Roman, Erzählung, Drama und Versepos. Sein Stoffkreis kreiste um nordische Heldensage und mittelalterliches Rittertum. Sein bekanntestes Werk aber blieb die 1811 erschienene Erzählung Undine, die bis heute Leser und Komponisten anzieht. Die Allgemeine Deutsche Biographie nennt ihn den „märkischen Dichterfürsten" und „gesellschaftlichen Mittelpunkt der romantischen Schule". Dieser Ruhm machte ihn um 1813 zum Publikumsliebling und verblasste schon ein Jahrzehnt später wieder.
Biografie↑
Geboren wurde Friedrich Heinrich Karl Baron de la Motte Fouqué am 12. Februar 1777 in Brandenburg an der Havel. Seine Familie stammte aus dem normannischen Adel und war 1684 als Hugenotten nach Brandenburg ausgewandert. Sein Großvater Heinrich August de la Motte Fouqué war preußischer General der Infanterie und ein Freund Friedrichs des Großen. Dieser hob den Enkel auch aus der Taufe. Die Kindheit verbrachte Fouqué auf den elterlichen Gütern Sakrow bei Potsdam und später Lentzke bei Fehrbellin. Bis zum siebzehnten Lebensjahr wurde er von wechselnden Hauslehrern unterrichtet, darunter Dietrich Arnold Friedrich Sachse und August Ludwig Hülsen. Letzterer war eine bekannte Gestalt der Frühromantik und förderte ihn nachhaltig in Sprachen und Literatur.
Eigentlich war für ihn ein Jurastudium in Halle vorgesehen, doch die Begeisterung für den Soldatenstand siegte. 1794 trat er als Kornett in das Kürassierregiment Herzog von Weimar ein und nahm am Rheinfeldzug teil. Mit siebzehn Jahren war er bereits Fähnrich. Sein Regiment lag zunächst in Bückeburg. Dort heiratete er 1798 Marianne von Schubaert, die Tochter seines Kommandeurs, später lag das Regiment in Aschersleben. Die Ehe wurde 1802 geschieden. Im selben Jahr nahm Fouqué seinen Abschied vom Militär.
1803 heiratete er Caroline von Rochow, geborene von Briest, eine zwei Jahre ältere, ebenfalls schriftstellerisch tätige Gutserbin. Das Paar lebte auf Schloss Nennhausen bei Rathenow. Fouqué machte dieses laut der Deutschen Biographie bis 1833 zu einem der gesellschaftlichen Mittelpunkte des literarischen Deutschland. In Weimar hatte er zuvor Goethe, Schiller und Herder persönlich kennengelernt. August Wilhelm Schlegel wurde sein Förderer und gab seine Dramatischen Spiele (1804) heraus. Mit ihnen trat Fouqué zunächst unter dem Pseudonym Pellegrin an die Öffentlichkeit. Es folgten die Romanzen vom Thale Ronceval (1805), die Historie vom edlen Ritter Galmy (1806), der Roman Alwin (1808) und das Heldenspiel Sigurd, der Schlangentöter (1808).
Die Jahre zwischen 1808 und 1820 brachten den größten Aufschwung. 1811 erschien in Berlin Undine, eine märchenhafte Erzählung mit fantastischen Elementen. 1812 folgte der Ritterroman Der Zauberring. Im selben Jahr trat Fouqué aus Patriotismus erneut in die preußische Armee ein. Er kämpfte als Freiwilliger Jäger in den Schlachten der Befreiungskriege, laut der Deutschen Biographie bei Lützen, Dresden, Kulm und Leipzig. 1815 erhielt er als Major und mit dem Johanniterkreuz geschmückt den Abschied. Es folgten in dichter Reihe Die Fahrten Thiodulfs, des Isländers (1815), die Kleinen Romane in sechs Bänden (1814–1819), Sängerliebe (1816), Die wunderbaren Begebenheiten des Grafen Alethes von Lindenstein (1817), die epischen Gedichte Corona (1814) und Karls des Großen Geburt und Jugendjahre (1814) sowie 1818 der zweibändige Altsächsische Bildersaal mit dem Heldenspiel Hermann und der altdeutschen Geschichte Welleda und Ganna. Fouqué gehörte zudem dem Kreis der Serapionsbrüder um E. T. A. Hoffmann an.
1818 erlitt er einen Schlaganfall. Die spätere Produktion umfasst unter anderem Bertrand du Guesclin (1821), Ritter Elidouc (1823), Die Saga von Gunlaugar (1826) und Jakob Böhme, ein biographischer Denkstein (1831). 1826 erschien außerdem eine zweibändige Biografie des Generals Ernst von Rüchel. 1831 starb seine Frau Caroline. 1833 heiratete er die um etwa dreißig Jahre jüngere Schriftstellerin Albertine Tode und siedelte nach Halle an der Saale über. Dort hielt er Vorlesungen über Geschichte und Literatur. Laut der Deutschen Biographie zerfiel er mit dieser Wiederheirat mit seinen früheren Verwandten und lebte in Halle „unter relativ gedrückten Verhältnissen". König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen war ein früher Bewunderer seiner Schriften und berief ihn 1841 zurück nach Berlin. Dort gab Fouqué seine Ausgewählten Werke in zwölf Bänden heraus und veröffentlichte noch Der Pappenheimer Kürassier (1842), Szenen aus dem Dreißigjährigen Krieg. Am 23. Januar 1843 starb er in Berlin an den Folgen eines Schlaganfalls. Sein Grab liegt auf dem Alten Garnisonfriedhof in Berlin-Mitte.
Literarische Merkmale↑
Fouqué war einer der produktivsten deutschen Dichter seiner Zeit. Er versuchte sich, wie die Allgemeine Deutsche Biographie hervorhebt, „auf fast allen Gebieten der schönen Litteratur". Sein Stoffkreis aber blieb eng umrissen. Die Reckensagen des Nordens und die französischen Rittergeschichten des Mittelalters flossen bei ihm zu einer phantastischen, in sich geschlossenen Welt zusammen. Schon in seinen frühen Werken kennzeichnen Stoff, poetische Auffassung und Darstellungsweise diese spätere Dichtung.
Die Deutsche Biographie beschreibt seinen Weg präzise. Unter Anleitung August Wilhelm Schlegels brachte Fouqué, in Anlehnung an mittelhochdeutsche Epik, den „Ritterroman" zu „anachronistischer Perfektion". Stoff- und Namensquelle war ihm immer wieder der Historiker Johannes von Müller. In formaler Hinsicht wirkte der damals vielgeltende „dialogisierte Roman" auf ihn ein. Seine germanistischen Studien setzten noch vor Jacob Grimm und Friedrich Heinrich von der Hagen ein. Sie mündeten ab 1808 in eine Nibelungen-Trilogie und in die dichterische Neuformung zahlreicher Edda-Stoffe.
Was ihn trug, war eine „glänzende sprachliche Begabung", wie die Deutsche Biographie es nennt. Ihre Reichweite blieb jedoch begrenzt durch eine bestimmte Verengung. Fouqué verkehrte fast ausschließlich in Adels- und Offizierskreisen und unterrichtete sich über die Wirklichkeit seiner Zeit nur selektiv. Schon als Kind sei in ihm, so die Deutsche Biographie weiter, durch den ständigen Ortswechsel die „Mentalität des Irrenden Ritters" vorbereitet worden.
Eine Ausnahmestellung im eigenen Werk hat die Erzählung Undine (1811). Die ADB rühmt sie als eine der „lieblichsten und sinnigsten Blüthen der romantischen Schule" und sieht in ihr ein eigentliches Geheimnis der Romantik ausgesprochen: die „Beseelung der elementaren Natur". Die Deutsche Biographie nennt sie einen jener „seltenen Grenzfälle des Dichterischen". Er erlaubt nach Sprache und Fabel sowohl primitiv-mystisches wie auch tragisch-individuelles Nacherleben und erreichte gerade deshalb alle Leserkreise.
Rezeption↑
Die nationale Erregung der Befreiungskriege machte Fouqué für wenige Jahre zum Publikumsliebling. Doch der Ruhm hielt nicht. Schon die Burschenschafter und das Junge Deutschland erkannten, wie die Deutsche Biographie festhält, „bald seine retrograde Richtung". Nach 1820 hatte er Geltung nur noch bei „Thron und Altar". In dieser Rolle soll er auf Friedrich Wilhelm IV. „bedenklich" eingewirkt haben. Die ADB urteilt nüchtern, dass Fouqué trotz der Zahl und Mannigfaltigkeit seiner Schriften „heute nahezu vergessen" sei.
Was bleibt, ist Undine. Die ADB konstatiert noch 1878, dass sich allein dieses Werk „wohlverdienter Beliebtheit" erfreue. Die Deutsche Biographie spricht von einer „größten, auch heute noch nicht erschöpften Wirkung". Die Erzählung wurde mehrfach vertont und choreografiert. E. T. A. Hoffmann (1813/14) und Albert Lortzing (1845) schufen Opern. Später entstand ein Ballett von Hans Werner Henze (1958) mit der Choreografie von Frederick Ashton. Auch Richard Wagner griff laut der Deutschen Biographie mehrfach Motive aus Fouqués Werk auf, ohne dass dieser eigentliche Schüler gehabt hätte.
Bemerkenswert ist die internationale Ausstrahlung gerade dieses einen Werks. Im skandinavischen Raum wirkte es auf Adam Oehlenschläger, Bernhard Severin Ingemann und Per Daniel Amadeus Atterbom, im angelsächsischen Raum auf Walter Scott, Edgar Allan Poe und Thomas Carlyle. Seine Heimatstadt Brandenburg an der Havel benannte 1998 ihre Stadtbibliothek nach ihm. Gemeinsam mit dem Brandenburger Wochenblatt richtet diese den jährlichen Undine-Schreibwettbewerb für junge Talente aus. Das Kleist-Museum in Frankfurt an der Oder pflegt ebenfalls sein literarisches Erbe.
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