1892 – 1979
Juana de Ibarbourou
Kurzbiografie↑
Juana de Ibarbourou zählt zu den bekanntesten Dichterinnen Lateinamerikas. Sie wurde in Melo im uruguayischen Departamento Cerro Largo geboren und starb 1979 in Montevideo. Ihr bürgerlicher Name lautete Juana Fernández Morales. Berühmt wurde sie mit Liebes- und Naturgedichten, die schon früh großen Erfolg hatten und in mehrere Sprachen übersetzt wurden. Unter dem Ehrennamen „Juana de América“ war sie in ganz Lateinamerika bekannt und wurde mehrfach für den Nobelpreis vorgeschlagen.
Biografie↑
Geboren wurde die Dichterin in Melo im Departamento Cerro Largo. Ihr Geburtsjahr ist in den Quellen umstritten: Die Datenbanken verzeichnen 1892, andere Angaben nennen 1895. Bei ihrer Geburt trug sie den Namen Juana Fernández Morales.
Sie trat sehr jung an die Öffentlichkeit. 1909, im Alter von siebzehn Jahren, veröffentlichte sie den Prosatext Derechos femeninos, auf Deutsch „Die Rechte der Frauen“. Der Text machte sie schlagartig als Feministin bekannt. Sie gilt als eine der ersten lateinamerikanischen Feministinnen.
Im Juni 1913 heiratete sie Lucas Ibarbourou standesamtlich; die kirchliche Trauung folgte später. 1917 kam ihr einziges Kind zur Welt, der Sohn Julio César Ibarbourou. 1918 zog die Familie nach Montevideo, wo die Dichterin bis zu ihrem Tod lebte. Ihr Mann starb im Januar 1942.
Ihre ersten beiden Gedichtsammlungen erschienen kurz nacheinander: Las lenguas de diamante und Cántaro fresco. Beide fanden internationale Beachtung und wurden in mehrere Sprachen übersetzt. In rascher Folge kam mit Raíz salvaje ein weiterer Band hinzu. 1927 veröffentlichte sie mit Ejemplario ein Lesebuch für Kinder. 1930 erschien La rosa de los vientos, 1934/35 folgte Loores de Nuestra Señora.
1944 legte sie mit Chico Carlo ihre Kindheitserinnerungen vor. Ein Jahr darauf erschien Los sueños de Natacha, ein Kindertheaterstück nach klassischen Stoffen. Insgesamt veröffentlichte sie dreißig weitere Bücher, ganz überwiegend Gedichtsammlungen. Dazu gehören Perdida, Azor, Mensaje del escriba, Romances del destino, Oro y tormenta und Canto rodado. 1968 erschien eine Gesamtausgabe unter dem Titel Obras completas. 1971 folgte Juan Soldado, eine Sammlung von achtzehn Erzählungen.
Auf ihre Anregung geht die Schaffung der Flagge der Hispanität zurück. Sie starb im Juli 1979 in Montevideo.
Literarische Merkmale↑
Naturbilder und Liebesgefühl bestimmen ihre frühen Gedichte. Diese erste Lyrik machte sie rasch bekannt und war beim Publikum sehr erfolgreich. Ab etwa 1930 änderte sich der Ton: Die Verse wurden melancholischer, und die Bilder näherten sich surrealistischen Gedankengängen an.
Ihr Weltbild verband dabei mehrere Züge. Sie war Feministin, Naturalistin und Pantheistin; Natur und Empfindung sind bei ihr eng miteinander verwoben. Besonders deutlich tritt ihr Feminismus in Gedichten wie La Higuera und Como la primavera hervor.
Neben der Lyrik, die ihr Hauptfeld blieb, schrieb sie auch Prosa für Kinder, ein Kindertheaterstück und Erzählungen sowie ihre Erinnerungen.
Rezeption↑
Bekannt wurde sie weit über Uruguay hinaus. Schon die beiden ersten Gedichtsammlungen fanden internationale Aufmerksamkeit und wurden in mehrere Sprachen übertragen. Sie gilt als eine der bekanntesten Dichterinnen Lateinamerikas und trug den Ehrennamen „Juana de América“.
Mehrfach wurde sie für den Nobelpreis für Literatur vorgeschlagen, ohne ihn zu erhalten. In ihrem Heimatland blieb ihr Andenken sichtbar: Ihr Porträt ziert die Vorderseite der Tausend-Peso-Note des uruguayischen Pesos. Auch in Anthologien spanischsprachiger Frauenlyrik ist sie mit Kurzbiografie und Gedichten vertreten.
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