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Porträt François-René de Chateaubriand
François-René de Chateaubriand
1768 – 1848
– Autorenporträt –

François-René de Chateaubriand

1768 – 1848 · 79 Jahre

Französischer Schriftsteller und Diplomat, der den weltschmerzzerrissenen jungen Helden erfand und als einer der Begründer der französischen Romantik gilt.

Kurzporträt

François-René de Chateaubriand war ein französischer Schriftsteller, Politiker und Diplomat. Er wurde am 4. September 1768 in Saint-Malo geboren und starb am 4. Juli 1848 in Paris. Er gilt als einer der Begründer der literarischen Romantik in Frankreich. Sein Leben spannt sich über die großen Umbrüche seiner Zeit: von der Revolution über das Kaiserreich Napoleons bis zu den Königtümern der Restauration und der Februarrevolution von 1848. Aus dem provinzadeligen Sohn einer bretonischen Familie wurde ein gefeierter Autor. Er war Botschafter mehrerer Höfe und für kurze Zeit sogar Außenminister. In der Figur des René schuf er den Typ des vom „Weltschmerz“ zerrissenen romantischen Künstlers und Intellektuellen. Dieser Typ prägte danach jahrzehntelang die europäische Literatur.


Biografie

Aufgewachsen ist Chateaubriand in Saint-Malo und auf Schloss Combourg in der Bretagne. Er war das jüngste von zehn Kindern einer provinzadeligen Familie. Zunächst schwankte er zwischen einer Laufbahn als Marineoffizier, wie es der Vater wünschte, und dem Priesteramt, das die Mutter sich vorstellte. 1786 wurde er Leutnant in einem Regiment unweit von Paris. Wie es seiner Familie traditionell zustand, ließ er sich von einem älteren Verwandten dem König vorstellen. Zugleich fand er Zutritt zu den Pariser Salons. Dort hielt er sich ab 1787 häufig auf und unternahm erste literarische Versuche.

Die Anfänge der Revolution von 1789 verfolgte er mit Sympathie, wie viele liberale und aufgeklärte Adelige. Als ihm die Radikalisierung der Lage zunehmend missfiel, brach er 1791 zu einer neunmonatigen Reise nach Amerika auf. Dort erkundete er vor allem die damals noch französischen Gebiete am Mississippi. Ihre Weite und unberührte Schönheit beeindruckten ihn. Doch die Lage der indianischen Ureinwohner stimmte ihn traurig, weil sie ihm durch den Kontakt mit Europäern sich selbst entfremdet schienen. Nach seiner Rückkehr Anfang 1792 heiratete er standesgemäß eine junge Adelige. Er verließ sie aber sogleich und schloss sich der Armée des émigrés an. Diese Truppe bestand überwiegend aus geflüchteten Adeligen und kämpfte an der Seite Österreichs und Preußens gegen das revolutionäre Frankreich.

1793 wurde Chateaubriand verwundet und ließ sich nach seiner Genesung in London nieder. Hier lebte er ärmlich als Französischlehrer und Übersetzer, wurde aber zum Schriftsteller. Er verarbeitete die Notizen seiner Amerikareise zu zwei Texten, Les Natchez und Voyage en Amérique. Diese veröffentlichte er allerdings erst viel später, 1826 und 1827. Außerdem verfasste er den Essai historique, politique et moral sur les révolutions anciennes et modernes (gedruckt 1797). Darin verband er politische und persönliche Überlegungen. Er verarbeitete den Verlust seiner Heimat, seiner gesellschaftlichen Stellung und zahlreicher hingerichteter oder umgekommener Verwandter und Bekannter.

1798 wurde Chateaubriand fromm und begann das Buch Le Génie du Christianisme (Der Geist des Christentums). Darin hebt er die ethischen, ästhetischen und emotionalen Seiten der katholischen Religion hervor und verklärt sie. Veröffentlichen konnte er es 1802 in Paris. 1800 war er nämlich dem Aufruf Napoleons an die emigrierten Adeligen gefolgt und nach Frankreich zurückgekehrt, wo er eine Laufbahn als hoher Beamter begann. Das Werk wurde unerwartet erfolgreich und gilt als einer der Auslöser der literarischen Bewegung der Romantik. Es trug maßgeblich dazu bei, das Christentum in Frankreich wieder anzuerkennen. Bei der Abfassung hatte er wohl auch eigennützige Motive. Ihm war bewusst, dass Napoleon eine Wiederannäherung an die Kirche anstrebte und das Buch seiner Karriere nützen konnte. In das Werk eingefügt waren zwei längere Erzählungen, Atala (separat schon 1801 gedruckt) und René. Sie wurden zu Kultbüchern einer ganzen Generation.

1804 ließ Napoleon den jungen Duc d’Enghien, einen bourbonischen Prinzen, entführen, verurteilen und erschießen. Darüber war auch Chateaubriand empört. Er brach demonstrativ mit dem Regime und legte sein Amt nieder. Zugleich hielt er es für angebracht, endlich mit seiner Frau zusammenzuleben. Doch blieb ihr Verhältnis distanziert. Auch seine zahlreichen Affären waren nicht von Dauer. Lediglich seine Beziehung zu Madame Récamier, die er 1818 näher kennenlernte, währte länger, blieb aber eher eine Freundschaft. 1806 unternahm er eine mehrmonatige Rundreise durch Italien, Griechenland, Palästina, Nordafrika und Spanien. In Jerusalem wurde er zum Ritter vom Heiligen Grab geschlagen. Seine Eindrücke hielt er im Reisebericht Itinéraire de Paris à Jérusalem fest (1811).

In den folgenden Jahren entstanden weitere Werke, die mit seiner unglücklichen Liebe zu der verheirateten Natalie de Noailles verbunden waren. 1807/1808 schrieb er das pathetische Prosa-Epos Les Martyrs, ou le Triomphe de la religion chrétienne (1809 veröffentlicht), dessen Handlung im Römischen Reich des späten 3. Jahrhunderts spielt. Von 1809 bis 1810 entstand die im Granada des frühen 16. Jahrhunderts angesiedelte Novelle Les aventures du dernier Abencérage (gedruckt erst 1826). 1811 versuchte er sich mit der Tragödie Moïse auch als Dramatiker, doch blieb das Stück unaufgeführt. Im selben Jahr wurde er, nicht ohne Schwierigkeiten, in die Académie française gewählt.

Nach dem Sturz Napoleons und der Rückkehr der Bourbonen (1814/1815) trat er in die Dienste Ludwigs XVIII. und wurde zum Pair de France erhoben. Man betraute ihn mit Gesandtschaften nach Stockholm (1814), Berlin (1820) und London (1822). Ende 1822 war er französischer Chef-Delegierter auf dem Kongress von Verona. 1823/1824 amtierte er kurzzeitig als Außenminister, wurde aber vom neuen König Karl X. entlassen. 1828/1829 wirkte er erneut als Botschafter, diesmal in Rom. In diesen politisch tätigen Jahren schrieb er weniger, betätigte sich aber publizistisch, etwa von 1818 bis 1820 als Herausgeber der Zeitschrift Le Conservateur. Die Julirevolution von 1830 zwang Karl X. zur Abdankung und setzte Louis-Philippe als „Bürgerkönig“ ein. Danach zog sich Chateaubriand aus der Politik zurück.

In seinen letzten Jahrzehnten fand er wieder mehr Muße zum Schreiben. Er verfasste historische Arbeiten und redigierte vor allem seine umfangreichen Erinnerungen aus fünf Jahrzehnten politischer Umbrüche, die Mémoires d’outre-tombe. Diese sollten erst nach seinem Tod erscheinen. Sein letztes literarisches Werk war 1844 die Vie de Rancé, eine Biografie des geistigen Vaters des Trappistenordens. In seinen letzten Jahren war er durch eine schwere Gicht geschwächt und konnte kaum noch gehen. Die täglichen Briefe an Juliette Récamier musste er diktieren. 1848 erlebte er noch die Februarrevolution und die Niederschlagung der Pariser Arbeiterrevolte im Juni mit. Anfang Juli 1848 starb er in den Armen Juliette Récamiers. Als letzten Ruheort wählte er die Insel Grand Bé vor seiner Geburtsstadt Saint-Malo. Sein Grabmal trägt auf seinen Wunsch keine einzige Inschrift.


Literarische Merkmale

Charakteristisch für Chateaubriand ist die Verbindung von stimmungsvoller Naturschilderung und melancholischer Reflexion. In Atala wurden vor allem die eingestreuten Naturbilder vorbildhaft. Die Erzählung schildert die tragische Geschichte einer jungen Halbindianerin, die den Konflikt zwischen ihrer Liebe und einem Keuschheitsgelübde durch den Freitod löst. Mit der Titelfigur von René schuf er den Typ des vom „mal du siècle“, dem Weltschmerz, zerrissenen jungen Künstlers und Intellektuellen. Seinen Reisebericht Itinéraire de Paris à Jérusalem gestaltete er teils anschaulich-pittoresk beschreibend, teils melancholisch reflektierend. In Le Génie du Christianisme rückte er die ethischen, ästhetischen und emotionalen Seiten der Religion in den Vordergrund und verklärte sie. Auch das pathetische, weit ausgreifende Prosa-Epos Les Martyrs zeigt seinen Hang zum großen historischen Tableau. In dieses arbeitete er zugleich zeitgenössische Bezüge ein.


Rezeption

Wirkungsmächtig wurde Chateaubriand vor allem durch die beiden Erzählungen, die in Le Génie du Christianisme eingefügt waren. Atala und René entwickelten sich zu Kultbüchern einer ganzen Generation. Mit der Figur des René prägte er den Typ des weltschmerzzerrissenen romantischen Künstlers. Dieser bevölkerte danach jahrzehntelang die europäische Literatur. Le Génie du Christianisme selbst gilt als einer der Auslöser der geistigen und literarischen Bewegung der Romantik. Es trug maßgeblich dazu bei, das Christentum in Frankreich wieder anzuerkennen. Sein Reisebericht Itinéraire de Paris à Jérusalem blieb nicht ohne Wirkung auf die Begeisterung der Europäer für den Freiheitskampf der Griechen. Diesen gelang es 1821, sich von der osmanischen Herrschaft zu lösen. Die Anerkennung seiner Zeitgenossen zeigte sich auch in zahlreichen Ehrungen. 1811 wurde er in die Académie française gewählt. 1830 nahm ihn die Bayerische Akademie der Wissenschaften als Ehrenmitglied auf. 1842 wurde er als ausländisches Mitglied in den preußischen Orden Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste aufgenommen.

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