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Werkseintrag · Mémoires d'Outre-Tombe
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Mémoires d'Outre-Tombe
1849
– Werkseintrag –

Mémoires d'Outre-Tombe

1849 · Autobiografie

Der Lebensrückblick eines bretonischen Edelmannes, der die Französische Revolution und den Aufstieg Napoleons miterlebte und seine Erinnerungen bewusst erst nach dem eigenen Tod veröffentlicht wissen wollte.

Überblick

Das Alterswerk Mémoires d'Outre-Tombe gilt als das Hauptwerk des französischen Schriftstellers François-René de Chateaubriand (1768–1848). Der Titel bedeutet so viel wie »Erinnerungen von jenseits des Grabes«: Chateaubriand wollte, dass sein Lebensbericht erst nach seinem Tod erscheint. Mit der Niederschrift begann er 1809, zunächst unter dem Titel Mémoires de ma vie. Abgeschlossen hat er sie 1841. Zuerst erschien das Werk als Fortsetzungsdruck in der Pariser Zeitung La Presse. Die Buchausgabe folgte zwischen 1849 und 1850 in zwölf Bänden. Über mehr als vier Jahrzehnte blickt der Autor darin zurück und verknüpft die eigene Lebensgeschichte mit den großen Umbrüchen seiner Zeit.

Inhalt (ohne Spoiler)

Das Werk gliedert sich in vier große Teile, die den Lebensaltern und zugleich den großen Rollen des Autors folgen. Der erste Teil (1768–1800) schildert Herkunft, Kindheit und Jugend, die religiösen Zweifel des jungen Mannes sowie seine Zeit als Soldat und Reisender. Der zweite Teil (1800–1814) ist der schriftstellerischen Laufbahn gewidmet. Der dritte Teil (1814–1830) handelt von der politischen Karriere. Der vierte Teil (1830–1848) blickt auf das Ende seines Lebens und auf seine Überlegungen zur Zukunft Frankreichs.

Besonders eindringlich sind die Kapitel über die bretonische Kindheit. Chateaubriand wächst als jüngstes von sechs Kindern eines alten Adelsgeschlechts auf, zwischen der Hafenstadt Saint-Malo und dem abgelegenen Schloss Combourg. Eng verbunden ist er mit seiner Schwester Lucile. Aus einsamen Spaziergängen in Park und Wald erwächst jenes tiefe Naturgefühl und jene Schwermut, die sein späteres Werk prägen werden.

Zugleich entsteht ein Bild des ausgehenden 18. Jahrhunderts: eine traditionsreiche, streng nach Ständen geordnete Gesellschaft, das Gewicht der Religion, die Bretagne als Landschaft der Kindheit. Von dort aus führt der Bericht in die großen Erschütterungen der Epoche – die Französische Revolution, eine Reise nach Amerika und die Begegnung mit dem Aufstieg Napoleons.

Die Handlung im Detail

Chateaubriand beginnt seinen Bericht mit einer ausführlichen Darstellung seiner Herkunft, besonders mit den Missgeschicken seiner Onkel und seines Vaters. Dem Vater gelingt es, das Ansehen und die wirtschaftliche Lage der Familie wiederherzustellen. Er ist ein strenger, eigensinniger und herrischer Mann, der die Ordnung im Haus oft bedrückend durchsetzt. Erst nach dessen Tod urteilt der Sohn milder über ihn und erinnert sich mit Rührung und Respekt.

François-René ist das jüngste von sechs Kindern – er hat vier Schwestern und einen älteren Bruder – und stammt aus einem bretonischen Adelsgeschlecht. Als Jüngster wird er anders behandelt als der Erstgeborene: von den Eltern vernachlässigt, schlecht gekleidet, zunächst bis zum dritten Lebensjahr bei einer Amme im Haus der Großmutter in Plancoët aufgezogen. Danach kehrt er zu den Eltern nach Saint-Malo zurück, die sich bis zu seinem siebten Jahr kaum um seine Erziehung kümmern. Ein Hauslehrer vermittelt ihm nur die Anfänge des Zeichnens, des Englischen, der Meereskunde und der Mathematik. Er selbst beschreibt eine müßige Kindheit, die ihm zugleich viel Freiheit zum Spiel und zum Streifen durch die Umgebung ließ.

Kindheit und Jugend verbringt er zwischen Saint-Malo und dem Schloss Combourg, das der Vater nach Jahren des Verfalls wieder bezieht. Das Leben dort ist streng geregelt, doch in freien Stunden unternimmt Chateaubriand lange Spaziergänge durch den Schlosspark und die umliegenden Wälder. Sie steigern seine Schwermut und seine Einbildungskraft; in ihm wächst ein starkes Gefühl der Verbundenheit mit der Natur, das ihn in leidenschaftliche Träumereien versinken lässt. Hier vernimmt er zum ersten Mal den Ruf seiner Muse. Die Empfindungen dieser einsamen Wanderungen werden später zur wichtigen Quelle für seinen autobiografischen Roman René.

Eng ist das Verhältnis zu seinen Schwestern, vor allem zu Lucile, der er sein Leben lang verbunden bleibt. In ihrer kindlichen Fantasie erscheint ihnen Combourg als unheimlicher Ort voller Schrecken; abends lesen sie sich mit Schauergeschichten in Angst. Manche Seiten der Erinnerungen zeigen das Schloss tagsüber friedlich und majestätisch, nachts aber gespenstisch – Passagen, die an einen Schauerroman erinnern.

Trotz seines festen christlichen Glaubens wird der junge Mann bisweilen von Zweifeln geplagt. Einmal will er seinem Leben mit einer Feuerwaffe ein Ende setzen, doch der Schuss löst sich nicht. In diesem Fehlschlag sieht er ein Zeichen der göttlichen Liebe; bestärkt darin, trotz seines Unglücks weiterleben zu müssen, wendet er sich mit großer Inbrunst dem Christentum zu.

Breiten Raum nimmt das Bild einer versinkenden Welt ein: das ländliche Frankreich des späten 18. Jahrhunderts, die streng nach Ständen geordnete Gesellschaft, der große Wert, den die Familie auf ihre Abstammung legt, sowie das Gewicht der Religion, die Feste und Bräuche prägt. Viele der Menschen, von denen der Autor erzählt, verlieren in der Revolution ihr Leben – auch in seiner eigenen Familie.

Ausführlich schildert Chateaubriand seinen Aufenthalt in Paris, während die Stadt von den Umwälzungen der Französischen Revolution erschüttert wird. Blutige Auftritte der Sansculotten treffen ihn tief – besonders ein auf eine Pike gespießter Kopf vor seinem Fenster. Um dem Tumult zu entkommen, entschließt er sich zur Überfahrt nach Amerika.

In Amerika sucht er einen nördlichen Seeweg zwischen Atlantik und Pazifik. Von der Reise, den Begegnungen und den Sitten der einheimischen Stämme behält er starke Eindrücke, die ihn später zu Atala, zu René und zum Génie du Christianisme anregen.

Zurück in Europa erhält er zunächst einen Posten an der französischen Botschaft in Rom, denn Napoleon sucht durch die Förderung eines Adligen wie Chateaubriand die Gunst der Monarchisten. Seit der Hinrichtung des Herzogs von Enghien ist Chateaubriand ein entschiedener Gegner Napoleons. Dennoch widmet er dem Kaiser lange Seiten, in denen sich Faszination für das Genie des Feldherrn und Misstrauen gegen dessen Größenwahn mischen, den er für die Menschen und für Frankreich als verhängnisvoll ansieht.

Der letzte Teil des Werkes begleitet das Ende seines Lebens und mündet in Betrachtungen über die mögliche Zukunft Frankreichs.

Stil

Das Werk steht zwischen zwei literarischen Traditionen. Einerseits knüpft es an die klassische Gattung der Memoiren an, wie sie Saint-Simon in seinen Mémoires verkörpert – dem Bericht eines Zeugen großer öffentlicher Ereignisse. Andererseits ist es von den Bekenntnissen Jean-Jacques Rousseaus geprägt: Chateaubriand schreibt nicht nur über die politische und historische Wirklichkeit, die er miterlebt, sondern öffnet dem Leser auch sein Inneres, seine privaten Wünsche und Empfindungen.

So werden die großen Umbrüche, deren Zeuge er wurde – Revolution, Republik, Kaiserreich, Restauration und Julimonarchie –, mit einer sehr persönlichen, fast vertraulichen Selbstschau verbunden. Sprachlich gehört das Buch zu den herausragenden Beispielen der französischen »poetischen Prosa«, einer Form, in der Chateaubriand als Meister galt.

Rezeption

In Ausschnitten erschien das Werk zunächst als Fortsetzungsdruck in der Zeitung La Presse. Die vollständige Buchausgabe kam erst nach seinem Tod heraus – ganz so, wie er es gewünscht hatte. Als sein Hauptwerk hat es seinen Rang bis heute behauptet; Jean d'Ormesson nannte es ein »absolutes Meisterwerk«.

Die Erinnerungen haben über Generationen die Herausgeber beschäftigt. Die Erstausgabe war noch nicht in »Bücher« gegliedert. Erst seit der Ausgabe von Edmond Biré (Garnier Frères, 1899–1900) wurde eine solche Einteilung üblich, doch jeder Herausgeber wählte sein eigenes Schema – Biré zählte neununddreißig Bücher, die Pléiade-Ausgabe von Maurice Levaillant und Georges Moulinier vierundvierzig, Jean-Claude Berchet zweiundvierzig. Ein einzelnes Buch lässt sich daher nur unter Angabe der jeweiligen Ausgabe zitieren.

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