1837 – 1885
Rosalía de Castro
Kurzbiografie↑
Zu den prägenden Stimmen der galicischen Literatur des 19. Jahrhunderts zählt Rosalía de Castro, geboren am 23. Februar 1837 in Conxo bei Santiago de Compostela. Sie schrieb den größeren Teil ihres Werkes auf Spanisch. Mit Bänden wie Cantares gallegos und Follas novas trug sie wesentlich zur Wiederaufwertung der galicischen Sprache bei. Ihre Dichtung ist von Melancholie und einer tiefen Auseinandersetzung mit Tod und Schmerz geprägt. Zu Lebzeiten blieb sie nahezu unbeachtet; erst später wurde sie wiederentdeckt. Sie starb 1885 im Alter von 48 Jahren.
Biografie↑
Geboren wurde Rosalía de Castro am 23. Februar 1837 in Conxo bei Santiago de Compostela. Sie kam als uneheliche Tochter von María Teresa de la Cruz de Castro y Abadía (1804–1862) und José Martínez Viojo (1798–1871) zur Welt und wurde auf die Vornamen María Rosalía Rita getauft. In ihrer Geburtsurkunde wurde der Vater nicht aufgeführt; er war Seminarist und später Kaplan in der kleinen Gemeinde Iria Flavia bei Padrón. Über ihre Kindheit und Jugend ist insgesamt sehr wenig bekannt.
Sie wuchs bei ihren erzkatholischen Tanten väterlicherseits im Dorf Castro de Ordoño auf. Erst im Alter von zehn Jahren konnte sie zu ihrer Mutter zurückkehren, einer Dame aus verarmtem Hidalgo-Adel. Mit großer Wahrscheinlichkeit besuchte Rosalía de Castro die Schule der „Sociedad Económica de amigos del País“, wo sie Unterricht in Musik und Zeichnen nahm. Im Liceo de la Juventud spielte sie die Hauptrolle im Theaterstück Rosmunda von Antonio Gil y Zárate. Dort lernte sie Personen des intellektuellen Lebens kennen, die später eine wichtige Rolle in der galicischen Renaissance spielen sollten, darunter Aurelio Aguirre, Eduardo Pondal, Alberto Camino, Rodríguez Seoane und Manuel Murguía, ihren späteren Ehemann.
Am 10. Oktober 1858 heiratete sie Manuel Murguía in jungen Jahren. Er war ein Chronist Galiciens, der damals für verschiedene Madrider Tageszeitungen schrieb. Durch seine Arbeitsbedingungen als Journalist war sie ständig unterwegs. Zu den Stationen ihres Lebens zählten Madrid, Santiago de Compostela, A Coruña, Vigo, Lugo, Simancas und Padrón. Sieben Monate nach der Hochzeit wurde die Tochter Alejandra Murguía geboren. Sechs weitere Kinder folgten: Aura 1868, die Zwillinge Gala und Ovidio 1871, Amara 1873 und schließlich 1875 Adriano, der eineinhalb Jahre später durch einen Unfall ums Leben kam. Die letzte Tochter Valentina wurde 1877 tot geboren.
Manchmal lebte sie mit ihrem Mann zusammen, manchmal mit ihrer Mutter, die 1862 starb, manchmal nur mit ihren Kindern. Zeit ihres Lebens hatte sie mit gesundheitlichen und finanziellen Problemen zu kämpfen. Sie war sehr häuslich und widmete sich den Kindern und ihrem Mann. Von sich aus drängte sie nicht zu Bekanntheit und Ruhm; es war ihr Mann, der sie überzeugte, ihre Werke zu veröffentlichen.
Sie starb 1885 im Alter von 48 Jahren an Gebärmutterkrebs. In der Forschung umstritten ist der genaue Sterbeort: Die Quellen nennen teils A Matanza bei Padrón, teils Padrón selbst. Begraben wurde sie gemäß ihrem Wunsch auf dem Friedhof von Adina in Iria Flavia, einem kleinen Weiler nahe Padrón. Sechs Jahre später wurde ihr Leichnam in das „Panteón de Galegos Ilustres de Santo Domingo de Bonaval“ in Santiago überführt.
Literarische Merkmale↑
Obwohl Rosalía de Castro den größeren Teil ihres Werkes auf Spanisch verfasste, ist ihr Wirken von grundlegender Bedeutung für die Wiederaufwertung der galicischen Sprache. Das Galicische betrachtete sie noch nicht als eigenständige Sprache, sondern nannte es Dialekt. Damit war sie bis 1881 eine zentrale Figur der Bewegung „O Rexurdimento“ (Wiederauferstehung).
Ihre ersten Verse dichtete sie mit rund zwölf Jahren, mit siebzehn war sie in ihrem „Liceo de San Agustín“ bereits sehr bekannt. Ihr erstes Buch war La Flor. In Cantares gallegos, dem ein für die galicische Literatur bedeutsamer Prolog vorangestellt ist, schreibt sie über die galicische Landschaft, über das Landleben und über die als „saudade“ bekannte unbestimmte Sehnsucht und Melancholie. Ihr letztes Werk war der Gedichtband Follas novas (Neue Blätter), 1880 in Havanna ediert und in Madrid gedruckt. Das Buch ist voller Melancholie und gewährt einen tiefen Einblick in ihre Sicht des Lebens; es befasst sich mit der menschlichen Existenz und der Angst vor dem Tod. Ein Gedicht daraus widmete sie den galicischen Emigranten in Kuba.
Insgesamt ist ihr lyrisches Werk von einer pessimistischen Grundstimmung gekennzeichnet, Tod und Schmerz sind häufige Themen. Formal zeichnet es sich durch neuartige Rhythmen und große metrische Freiheiten aus. Dadurch wurde Rosalía de Castro laut dem vorliegenden Material zur Wegbereiterin für Rubén Darío und andere Dichter des Modernismo.
Rezeption↑
Zu Lebzeiten blieb die galicische Dichterin nahezu unbeachtet. Erst spät wurde sie – vor allem durch Azorín – wiederentdeckt und trug wesentlich zur Entwicklung der modernen Lyrik in Spanien bei. Heute gilt sie auch als Symbolgestalt des galicischen Regionalismus.
Jedes Jahr wird ihr zu Ehren am 17. Mai der „Día das Letras Galegas“ begangen. An diesem Tag im Jahr 1863 wurden ihre Cantares gallegos veröffentlicht. Ihr Bild war auf den früheren 500-Peseten-Scheinen zu sehen. Die Fluggesellschaft Iberia benannte einen Airbus A340-313 nach ihr, und auch auf dem Seitenleitwerk einer Boeing 737-800 der Norwegian findet sich ihr Porträt. In A Matanza bei Padrón wurde in ihrem Haus ein Museum eingerichtet. Ins Deutsche wurden mehrere ihrer Werke übertragen, darunter der Gedichtband En las orillas del Sar unter dem Titel An den Ufern des Sar.
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