1873 – 1947
Willa Cather
Kurzbiografie↑
Willa Cather zählt zu den bedeutendsten amerikanischen Schriftstellerinnen. Geboren 1873 in Virginia, wuchs sie im ländlichen Nebraska auf, das damals noch als westliches Grenzland galt – diese Landschaft und das harte Leben der europäischen Einwanderer prägten ihr Werk. In Romanen wie O Pioneers!, The Song of the Lark und My Ántonia schilderte sie die Prärie und ihre Siedler. Für One of Ours erhielt sie 1923 den Pulitzer-Preis. Trotz großer Berühmtheit lebte sie zurückgezogen und schirmte ihr Privatleben streng ab.
Biografie↑
Als Tochter baptistischer Farmer kam Willa Sibert Cather am 7. Dezember 1873 in Virginia zur Welt. Über den genauen Geburtsort gehen die Quellen auseinander: Die Deutsche Nationalbibliothek nennt Winchester, Wikidata dagegen Gore; Wikipedia verzeichnet einen Ort bei Winchester. Neun Jahre später zog die große Familie nach Nebraska, einen Staat, der zu jener Zeit noch als westliches Grenzland galt. Das Heranwachsen im ländlichen Nebraska war für Cathers literarische Entwicklung von zentraler Bedeutung.
Sie studierte Englische Literatur an der Universität von Nebraska und machte dort 1894 ihren Abschluss. Schon während des Studiums arbeitete sie als freie Journalistin und Theaterkritikerin. 1896 zog sie nach Pittsburgh, unterrichtete an einer High School Englisch und Latein und schrieb für mehrere Zeitschriften. 1906 ging sie nach New York und wurde Redakteurin beim McClure’s Magazine. Dort erschien 1912 ihr erster Roman Alexander’s Bridge in Fortsetzungen.
In den Folgejahren entstand ihre bekannte Prärie-Trilogie: O Pioneers! (1913), The Song of the Lark (1915) und My Ántonia (1918). Viele ihrer Romane spielen im ländlichen Amerika und erzählen vom harten Leben der schwedischen, französischen und böhmischen Einwanderer, die durch den Homestead Act von 1862 Land in der Prärie Nebraskas erworben hatten. Dieses Sujet verdankte sie den Ratschlägen ihrer Mentorin und Freundin Sarah Orne Jewett, die jedoch bald nach dem Kennenlernen 1909 verstarb. 1923 erhielt Cather für den Roman One of Ours den Pulitzer-Preis. Sie genoss großes Ansehen bei Kritik und Publikum.
Obwohl sie selbst das städtische Leben vorzog und über Jahrzehnte in New York wohnte, blieb sie zurückgezogen. Zu den Fragen der Zeit äußerte sie sich nicht. Ihr Privatleben, das sie mit der Schriftstellerin Edith Lewis teilte, schirmte sie ab. Vor ihrem Tod ordnete sie an, ihre Briefe zu verbrennen; Tausende überstanden zwar die Zerstörung, doch ihr Testament verhindert deren Veröffentlichung. Ebenso untersagte sie testamentarisch weitere Verfilmungen ihrer Werke, nachdem sie eine Adaption gesehen hatte.
Willa Cather starb am 24. April 1947 an Hirnblutungen in ihrem Apartment an der Madison Avenue. Auch hier gehen die Angaben leicht auseinander: Die Deutsche Nationalbibliothek nennt New York, Wikidata Manhattan. Begraben wurde sie auf dem Old Burying Ground von Jaffrey Center in New Hampshire, auf einem Hügel, den sie selbst ausgewählt hatte.
Literarische Merkmale↑
Cathers Erzählen ist eng mit dem ländlichen Amerika verbunden. Im Mittelpunkt stehen die Prärie Nebraskas und das Leben der europäischen Einwanderer, die dort siedelten. Zu Beginn ihrer Laufbahn orientierte sie sich in ihrer Schreibweise an Henry James. Ansonsten zog sie ältere Autoren wie Dickens, Thackeray, Emerson, Hawthorne, Balzac, Flaubert und Tolstoi den zeitgenössischen Kollegen vor. Neben Romanen und Erzählungen schrieb sie auch Essays, Gedichte und eine Biografie.
Rezeption↑
Zu Lebzeiten genoss Willa Cather hohes Ansehen bei Kritik und Publikum. Zahlreiche Auszeichnungen bestätigen ihren Rang: den Pulitzer-Preis 1923, die Howells-Medaille der American Academy of Arts and Letters 1930 für Death Comes for the Archbishop und 1933 den französischen Prix Femina Américain für Shadows on the Rock. Mehrere Universitäten verliehen ihr die Ehrendoktorwürde, darunter Princeton, wo sie 1931 als erste Frau diese Auszeichnung erhielt. 1944 wurde sie mit der Goldmedaille für ihr Gesamtwerk geehrt.
Auch nach ihrem Tod blieb ihr Andenken lebendig. Sie wurde in die Nebraska Hall of Fame und die National Women’s Hall of Fame aufgenommen. Ihr Wohnhaus in Red Cloud und weitere Schauplätze ihrer Werke wurden als Museum bewahrt, in der Nähe blieb ein Stück Prärie als Willa Cather Memorial Prairie erhalten. Zum 100. Geburtstag gab die amerikanische Post eine Sonderbriefmarke heraus. Ihre Schilderung der zugewanderten Kulturen fand auch außerhalb der Vereinigten Staaten Leser; ihre Werke wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt, darunter Japanisch, Deutsch, Russisch, Französisch, Tschechisch, Polnisch und Schwedisch. Noch 1990 war sie die einzige Amerikanerin, die als Schriftstellerin in der Liste der „Great Books of the Western World“ der Encyclopedia Britannica aufgeführt war.
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