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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Porträt Robertson Davies
Robertson Davies
1913 – 1995
– Autorenporträt –

Robertson Davies

1913 – 1995 · 82 Jahre

Kanadischer Erzähler, Theatermann und Zeitungsmann, der seine Romane in Trilogien ordnete und mit „Fifth Business“ sein bekanntestes Buch schrieb.

Kurzbiografie↑

Robertson Davies zählt zu den bekanntesten Schriftstellern Kanadas. Er wurde 1913 im kleinen Ort Thamesville in Ontario geboren und starb 1995 in Orangeville. Sein Leben lang arbeitete er in mehreren Berufen zugleich: als Journalist und Zeitungsherausgeber, als Theatermann, als Hochschullehrer in Toronto und immer wieder als Kritiker. Bekannt wurde er vor allem durch seine Romane, die er zu Dreiergruppen zusammenfasste. Der 1970 erschienene Roman Fifth Business gilt als sein bekanntestes Buch. Einen Teil seiner Arbeiten veröffentlichte er unter dem Pseudonym „Samuel Marchbanks“.


Biografie↑

Aufgewachsen ist Robertson Davies in einem Haus, in dem gelesen wurde. Sein Vater, der Senator William Rupert Davies, war früh mit dem Zeitungswesen verbunden, und beide Eltern waren begeisterte Leser. Schon als Kind stand der Sohn bei Theateraufführungen mit auf der Bühne. Diese Neigung zum Theater blieb ihm sein ganzes Leben.

Von 1926 bis 1932 besuchte er das Upper Canada College in Toronto. Danach studierte er bis 1935 an der Queen's University in Kingston, Ontario. Anschließend ging er nach England und studierte am Balliol College in Oxford Literaturwissenschaft. 1939 erschien seine Abschlussarbeit Shakespeare's Boy Actors. In den Jahren danach spielte er kleinere Rollen an Theatern in der Umgebung von London. 1940 heiratete er Brenda Mathews, die aus Australien stammte. Was er in dieser Zeit erlebte, kehrte später in seinen Romanen wieder: der Kanadier, der seine Ausbildung in England sucht, und das Leben am Theater. Nach eigenen Angaben wurde er vom Werk John Cowper Powys' beeinflusst, der wie er walisische Vorfahren hatte.

Noch 1940 kehrte das Paar nach Kanada zurück. Dort übernahm Davies die Verantwortung für den Literaturteil des Saturday Night Magazine. Zwei Jahre später wechselte er als Redakteur zum Peterborough Examiner, einer Zeitung in der Kleinstadt Peterborough nordöstlich von Toronto. Redakteur blieb er dort bis 1955, anschließend war er bis 1965 Herausgeber. In dieser langen Zeitungszeit veröffentlichte er achtzehn Bücher, schrieb für Zeitschriften und brachte mehrere eigene Schauspiele auf die Bühne.

Seine Vorstellungen vom Schauspielen legte er 1947 in Shakespeare for Young Players dar. Ein Jahr später schrieb er den Einakter Eros at Breakfast, den das Dominion Drama Festival zum besten kanadischen Schauspiel des Jahres 1948 kürte. Es folgten Fortune, My Foe im Jahr 1949 und 1950 das dreiaktige Stück At My Heart's Core. Daneben schrieb er im Examiner witzige Essays unter dem Namen Samuel Marchbanks. Ein Teil davon erschien später gesammelt in Buchform.

In den 1950er Jahren war Davies eine treibende Kraft beim Aufbau des Stratford Shakespearean Festival of Canada. Gemeinsam mit dem Direktor des Festivals, Tyrone Guthrie, verfasste er später drei Bücher über dessen frühe Jahre.

Seine große Liebe galt dem Drama, seine Essays fanden Anklang, doch am erfolgreichsten wurden seine Romane. Die ersten drei erschienen zwischen 1951 und 1958: Tempest-Tost, Leaven of Malice und A Mixture of Frailties. Später fasste man sie als Salterton-Trilogie zusammen. Sie spielen im protestantischen Kleinstadtmilieu Kanadas. Ein Thema zieht sich durch alle drei: wie schwer es ist, in solch einem Umfeld Kunst und Kultur zu pflegen.

1960 erhielt Davies eine Lehrstelle für Literatur am Trinity College der University of Toronto. Im Jahr darauf veröffentlichte er unter dem Titel A Voice From the Attic eine Reihe literarischer Essays. Für sein literarisches Werk erhielt er die Lorne Pierce Medal der Royal Society of Canada. 1963 wurde er Master des Massey College in Toronto. Dort begründete er die Tradition, zu den jährlichen Weihnachtsfeiern Gespenstergeschichten zu schreiben und vorzutragen. 1982 erschienen sie gesammelt unter dem Titel High Spirits.

Davies interessierte sich für die analytische Psychologie C. G. Jungs. Daraus wuchs sein wohl bekanntester Roman, der 1970 erschienene Fifth Business. Das Buch trägt autobiografische Züge und spiegelt seine Faszination für Mythologie und Magie. Der Ich-Erzähler ist das Kind von Einwanderern; sein Vater gibt eine Zeitung in einer kanadischen Kleinstadt heraus. Die Figuren folgen Jungschen Archetypen. An diesen Erfolg konnte Davies anknüpfen: The Manticore von 1972 und World of Wonders von 1975 vollendeten die Deptford-Trilogie.

Nach seinem Eintritt in den Ruhestand erschien 1981 sein siebter Roman The Rebel Angels, eine Satire auf das Universitätsleben. Zusammen mit What's Bred in the Bone von 1985 und The Lyre of Orpheus von 1988 bildet er die Cornish-Trilogie. Auch die beiden folgenden Romane fanden ihr Publikum: Murther and Walking Spirits erschien 1991, The Cunning Man 1994. Eine vierte Trilogie war geplant, doch den letzten Band konnte Davies nicht mehr vollenden.

Einen lange gehegten Traum erfüllte er sich mit dem Libretto zur Oper The Golden Ass nach den Metamorphosen des Apuleius. Schon im Roman A Mixture of Frailties von 1958 hatte er einer seiner Figuren genau das zugestanden. Die Canadian Opera Company brachte die Oper 1999 im Hummingbird Centre in Toronto auf die Bühne, vier Jahre nach dem Tod des Autors.


Literarische Merkmale↑

Kennzeichnend für Robertson Davies ist die Breite dessen, was er schrieb. Romane, Schauspiele, Kurzgeschichten, kritische und erfundene Essays, Opernlibretti: In fast allen Formen hat er gearbeitet, und oft nebeneinander.

Seine Essays haben zwei Gesichter. Auf der einen Seite steht der Kritiker, der über Shakespeare, über das Stratford-Festival und über Literatur im Allgemeinen schreibt, etwa in Shakespeare's Boy Actors oder A Voice From the Attic. Auf der anderen Seite steht die erfundene Figur Samuel Marchbanks, in deren Namen Davies witzige Stücke für seine Zeitung verfasste. Aus ihnen wurden über die Jahrzehnte mehrere Bücher, vom The Diary of Samuel Marchbanks von 1947 bis zu The Papers of Samuel Marchbanks von 1985.

Bei den Romanen fällt der Hang zur Dreiergruppe auf. Davies hat sein erzählerisches Werk in Trilogien geordnet: die Salterton-, die Deptford- und die Cornish-Trilogie, dazu die unvollendet gebliebene Toronto-Trilogie. Die frühen Romane bleiben nah an der kanadischen Kleinstadt und fragen, wie sich dort Kunst behaupten kann. Später kam ein anderer Zug hinzu. Aus Davies' Beschäftigung mit der analytischen Psychologie C. G. Jungs entstand Fifth Business, ein Buch voller Mythologie und Magie, dessen Figuren Jungschen Archetypen folgen. Autobiografisches mischte er dabei offen unter das Erfundene: Der Erzähler wächst wie Davies selbst in einem Zeitungshaus in der kanadischen Provinz auf. Auch der Spott gehört zu ihm, etwa in The Rebel Angels, einer Satire auf das Leben an der Universität.

Das Theater durchzieht alles. Es war seine große Liebe, und was er als junger Mann an englischen Bühnen erlebte, kehrte in den Romanen wieder.


Rezeption↑

Zu Lebzeiten gehörte Robertson Davies zu den bekanntesten und meistausgezeichneten Schriftstellern Kanadas. Für sein literarisches Werk erhielt er 1961 die Lorne Pierce Medal der Royal Society of Canada. Schon früher war ihm Anerkennung zuteilgeworden: Das Dominion Drama Festival nannte seinen Einakter Eros at Breakfast das beste kanadische Schauspiel des Jahres 1948.

Am stärksten wirkten seine Romane. Obwohl seine große Liebe dem Drama galt und seine Essays Anklang fanden, waren es die Erzählwerke, die den größten Erfolg hatten. Mit The Manticore und World of Wonders konnte er an den Erfolg von Fifth Business anschließen, und auch die späten Romane Murther and Walking Spirits und The Cunning Man fanden wieder ein großes Publikum.

Ins Deutsche übersetzt wurden vor allem die Romane, meist mit einiger Verzögerung. A Mixture of Frailties erschien 1960 als Glanz und Schwäche. Fifth Business kam 1984 als Der Fünfte im Spiel heraus und wurde 2019 in einer neuen Übersetzung erneut vorgelegt. Es folgten unter anderem Das Fabelwesen, Welt der Wunder, Rebellische Engel und Engel im Kopf.

Auch nach seinem Tod erschienen weiter Bücher von ihm und über ihn. Die Essaysammlungen The Merry Heart und Happy Alchemy kamen 1996 und 1997 heraus, seine Briefe gab Judith Skelton Grant in zwei Bänden heraus. 2005 stellte James Channing Shaw eine Sammlung von Aussprüchen aus seinem Werk zusammen. Die Oper The Golden Ass, zu der Davies das Libretto geschrieben hatte, wurde 1999 in Toronto uraufgeführt.

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