1871 – 1900
Stephen Crane
Kurzporträt↑
Stephen Crane war ein amerikanischer Schriftsteller. Trotz seines kurzen Lebens hinterließ er ein Werk, das bis heute gelesen wird. Geboren wurde er 1871 in Newark, New Jersey. Seine Laufbahn begann er als Journalist in den Slums von New York. Diese Erfahrungen verarbeitete er in seinem ersten Roman Maggie. A Girl of the Streets. Seinen literarischen Durchbruch erzielte er 1895 mit dem Bürgerkriegsroman Die rote Tapferkeitsmedaille. Crane arbeitete auch als Kriegsberichterstatter. Zuletzt lebte er in England, wo er Joseph Conrad und Henry James begegnete. Er erkrankte an Tuberkulose. 1900 starb er im Alter von nur 28 Jahren im badischen Badenweiler.
Biografie↑
Stephen Crane wurde am 1. November 1871 in Newark, New Jersey, geboren. Er war das vierzehnte Kind einer Methodistenfamilie. Sein Vater war der Prediger Jonathan Townley Crane, seine Mutter hieß Mary Helen Peck. Schon im Kindesalter begann Crane zu schreiben.
Später studierte er am Lafayette College in Easton, Pennsylvania, und an der Syracuse University. Nach dem Tod seiner Mutter 1891 brach er das Studium ab. Seine Autoren-Laufbahn begann er als Journalist in New York. Dort berichtete er vor allem über das Leben in den Slums der Stadt. Diese Erfahrungen brachte er in seinen ersten Roman Maggie. A Girl of the Streets (1893) ein, der das Thema in naturalistischer Manier behandelte. Bei seinem Erscheinen wurde das Buch allgemein abgelehnt. Grund dafür waren seine schonungslose Darstellung und die angebliche Beleidigung des sittlichen Empfindens.
Bis heute ist Crane vor allem für Die rote Tapferkeitsmedaille (The Red Badge of Courage, 1895) bekannt. Mit diesem Roman erzielte er seinen literarischen Durchbruch. Das Buch schildert die Erfahrungen eines jungen Soldaten im Amerikanischen Bürgerkrieg. 1951 wurde es mit Audie Murphy in der Hauptrolle verfilmt.
Crane lebte seit 1897 in England. Dort kam er in Kontakt mit Literaturgrößen wie Joseph Conrad und Henry James. Aufgrund seines literarischen Ruhms wurde er als Kriegsberichterstatter angestellt. So erlebte er den Türkisch-Griechischen Krieg 1897 und ein Jahr später den Spanisch-Amerikanischen Krieg. Anfang 1897 reiste er nach Kuba, wo er über die dortige Rebellion berichten sollte. Dabei erlitt er Schiffbruch und trieb rund dreißig Stunden in einem offenen Boot. Dadurch verschlechterte sich seine bereits angegriffene Gesundheit weiter. Seine Erlebnisse als Schiffbrüchiger verarbeitete er literarisch in der Erzählung The Open Boat (deutsch „Im Rettungsboot"), die noch im selben Jahr erschien. Sie gilt heute als eines der bedeutendsten Werke der amerikanischen Erzählliteratur und wurde motivisch in der deutschen Nachkriegsliteratur wieder aufgenommen.
1898 veröffentlichte Crane den Kurzgeschichtenband The Open Boat and Other Tales. Im Jahr seines Todes 1900 erschienen die Whilomville Stories. Zu seinem Werk zählen außerdem zwei Gedichtbände, The Black Riders and Other Lines (1895) und War Is Kind and Other Lines (1899).
Crane litt an Tuberkulose und versuchte verzweifelt, Heilung zu finden. So kam er nach Badenweiler in Deutschland. Dort erlag er im Juni 1900 im Alter von 28 Jahren seiner Krankheit. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Evergreen Cemetery von Hillside, New Jersey.
Literarische Merkmale↑
Charakteristisch für Cranes Schreiben ist eine knappe, hochverdichtete Prosa. Sein Werk wird dem amerikanischen Naturalismus zugerechnet. Bereits sein erster Roman Maggie. A Girl of the Streets behandelte sein Thema in naturalistischer Manier und mit schonungsloser Darstellung.
Der Schriftsteller Paul Auster legte 2021 eine Biografie über Crane vor. Er beschrieb dessen Prosa als zuweilen abgehackt und planlos, mit unvorhersehbaren Sprüngen, die eher verblüffen und weh tun als verzaubern. Über Die rote Tapferkeitsmedaille schrieb Auster, der Roman sei so extrem komprimiert geschrieben, dass jeder einzelne Absatz wesentlich sei. Es gebe keine Atempause, nichts Überflüssiges, nichts, was die Aufmerksamkeit des Lesers vom Kern der Geschichte ablenke. Laut Auster lag die Wirkung des Buches weniger in der erzählten Geschichte selbst als in der Art, wie diese Geschichte erzählt wird.
Rezeption↑
Die Aufnahme von Cranes Werken fiel wechselhaft aus. Sein Erstling Maggie. A Girl of the Streets wurde bei seinem Erscheinen 1893 wegen der schonungslosen Darstellung weithin abgelehnt. Mit Die rote Tapferkeitsmedaille gelang ihm dagegen 1895 der Durchbruch. Nach den Worten Paul Austers erregte das Buch großes Aufsehen und blieb in den über 125 Jahren seither durchgehend lieferbar. Die Erzählung The Open Boat gilt bis heute als eines der bedeutendsten Werke der amerikanischen Erzählliteratur und wurde motivisch in der deutschen Nachkriegsliteratur wieder aufgenommen.
Cranes Werk wirkt auch über die Literatur hinaus nach. Die rote Tapferkeitsmedaille wurde mehrfach verfilmt, unter anderem 1951 durch John Huston mit Audie Murphy in der Hauptrolle. Auch Erzählungen wie The Monster und The Blue Hotel dienten als Filmvorlagen. Seine Texte erschienen in zahlreichen deutschen Übersetzungen und Werkausgaben. Die Forschung hat sich seinem Leben und Werk in mehreren Biografien und Studien gewidmet, darunter Paul Austers Biografie In Flammen. Leben und Werk von Stephen Crane (2021/2022). Die Rezeption Cranes in Deutschland wurde zudem eigens wissenschaftlich untersucht.
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