1899 – 1932
Hart Crane
Kurzbiografie↑
Harold Hart Crane, geboren am 21. Juli 1899 in Garrettsville in Ohio, war ein amerikanischer Dichter. Er veröffentlichte zu Lebzeiten nur zwei Gedichtbände, White Buildings von 1926 und The Bridge von 1930. Der lange Gedichtzyklus über die New Yorker Brooklyn Bridge gilt als ein Schlüsseltext der amerikanischen Moderne. Cranes Leben war von Geldsorgen, von den Konflikten seiner Eltern und von der schwierigen Lage eines Homosexuellen in feindseliger Umgebung geprägt. Am 27. April 1932 nahm er sich das Leben, indem er von Bord eines Passagierschiffs sprang.
Biografie↑
Geboren wurde Hart Crane am 21. Juli 1899 in Garrettsville im US-Bundesstaat Ohio. Sein Vater Clarence Arthur Crane war ein erfolgreicher Geschäftsmann in der Süßwaren-Industrie, seine Mutter hieß Grace Edna Hart. Der Junge wuchs in verschiedenen Städten Ohios auf.
Die Ehe der Eltern verlief konfliktreich und endete 1917 in einer Scheidung. Besonders die Mutter zog den Sohn in die zahllosen Streitigkeiten hinein und brachte ihn gegen den Vater auf. Von 1909 bis 1916 verbrachte Crane lange Abschnitte seiner Kindheit bei der Großmutter mütterlicherseits. Auf deren Anwesen beschäftigte er sich früh mit Lyrik und Literatur. Von dem Einfluss seiner Mutter und seiner Familie insgesamt konnte er sich zeit seines Lebens nicht vollständig lösen. Der Vater heiratete nach der Scheidung noch zweimal; zu einer Versöhnung mit ihm kam es erst ein Jahr vor Cranes Tod.
Mit sechzehn Jahren veröffentlichte Crane sein erstes Gedicht. Die High School schloss er nicht ab. Mit siebzehn erhielt er von den Eltern die Erlaubnis, sich in New York auf ein Studium vorzubereiten. In dieser Zeit arbeitete er als Reporter für die Zeitung Plain Dealer in Cleveland und als Süßwarenverkäufer in einer Apotheke.
In New York verdiente Crane sein Geld als Werbetexter. Er wechselte häufig die Wohnungen. Zeitweise lebte er mit Freunden auf verschiedenen Farmen im Süden des Staates Connecticut. Ein Guggenheim-Stipendium ermöglichte ihm später, in der Karibik und in Mexiko zu leben und zu arbeiten. 1926 erlebte er auf Kuba einen Schub an Produktivität und schrieb dort einen großen Teil seines langen Gedichts The Bridge.
Zu Lebzeiten erschienen zwei Gedichtbände. White Buildings kam 1926 heraus, The Bridge im Jahr 1930. Beide Veröffentlichungen waren von Geldsorgen begleitet, dazu kamen schlechte Kritiken, vor allem für The Bridge. In Voyages verarbeitete Crane seine Erfahrungen als Homosexueller in einer feindseligen Umgebung.
Am 27. April 1932 nahm sich Hart Crane das Leben. Er sprang von Bord des Passagierschiffes S. S. Orizaba, das von Veracruz kommend auf dem Weg nach Havanna und New York war. Seine Leiche wurde nie gefunden. Als Sterbeort gilt der Golf von Mexiko.
Nach seinem Tod erschienen mehrere Sammelausgaben seiner Gedichte, zuerst 1933 die gesammelten Gedichte. Weitere Ausgaben folgten in den Jahrzehnten danach, zuletzt eine von Marc Simon herausgegebene Gesamtausgabe der Gedichte im Jahr 2001. Ins Deutsche wurde Crane mehrfach übertragen: 1960 erschien Weiße Bauten in der Übersetzung von Joachim Uhlmann, 1966 die zweisprachige Ausgabe Moment Fugue in der Übertragung von Dieter Leisegang. 2004 legte Ute Eisinger eine kommentierte deutsch-englische Ausgabe von Die Brücke vor, 2008 folgte eine neue Übersetzung der Weißen Bauten von Christian Lux.
Literarische Merkmale↑
Anregungen für sein Schreiben fand Crane bei den französischen Symbolisten, bei Walt Whitman, A. C. Swinburne, T. S. Eliot und den Metaphysical Poets. Hinzu kamen die Seeromane Herman Melvilles. In seinem langen Gedicht über die Brooklyn Bridge verarbeitete er höchst unterschiedliche Materialien: Mythen und Werbeslogans stehen dort neben Technik und Großstadterfahrung, dazu treten Blues- und Gospelgesänge. So entstand ein Text, der zugleich Sprach- und Gesellschaftsanalyse ist und ein Klangbild von, wie es heißt, bizarrer Schönheit. In Voyages machte Crane seine eigene Lebenserfahrung zum Thema und schrieb über das Leben als Homosexueller in einer feindseligen Umgebung.
Rezeption↑
Zu Lebzeiten hatte Crane wenig Erfolg. Die Veröffentlichung seiner beiden Gedichtbände war von Geldsorgen begleitet, und die Kritiken fielen schlecht aus, besonders für The Bridge. Das Urteil hat sich später umgekehrt: Heute gilt der Gedichtzyklus über die Brooklyn Bridge als ein Schlüsseltext der amerikanischen Moderne.
Die wissenschaftliche Beschäftigung mit Crane setzte nach seinem Tod breit ein. John Unterecker legte 1969 mit Voyager. A Life of Hart Crane eine Lebensbeschreibung vor, ein Jahr darauf erschien die annotierte Bibliografie von Joseph Schwartz. In den 1980er Jahren folgten mehrere Studien, darunter Alfred Hanleys Arbeit über White Buildings, ein von David R. Clark herausgegebener Sammelband kritischer Aufsätze und Paul Giles' Untersuchung der Zusammenhänge, in denen The Bridge steht. 1989 veröffentlichte Warner Berthoff eine Neueinführung in das Werk.
Auch im deutschen Sprachraum wurde Crane wahrgenommen. Die Zeitschrift Akzente widmete ihm 1982 einen längeren Beitrag. Heinz Ickstadt behandelte ihn 1974 in einer von Klaus Lubbers herausgegebenen Darstellung der amerikanischen Lyrik. Die deutschen Ausgaben seiner Gedichte erschienen mit Nachworten von Timothy Donelly und Klaus Reichert. In die Musik wirkte Crane ebenfalls hinein: Elliott Carter vertonte Verse aus Voyages.
Mitglieder des YouTube-Kanals erhalten das ganze Lexikon als PDF zum Download – zum Sammeln, Offline-Lesen und Ausdrucken. Mitglied werden →
Aus dem Werkverzeichnis↑
Im Lexikon
Weitere Werke (Auswahl)
Vollständiges Werkverzeichnis bei Wikipedia (1 weitere Titel)