1912 – 1982
John Cheever
Kurzbiografie↑
John Cheever war ein US-amerikanischer Schriftsteller, der am 27. Mai 1912 in Quincy im Bundesstaat Massachusetts geboren wurde und am 18. Juni 1982 in Ossining im Bundesstaat New York starb. Bekannt wurde er vor allem durch seine Kurzgeschichten, die zunächst im Magazin New Yorker erschienen und für die er 1979 den Pulitzer-Preis erhielt. Wegen seiner genauen Schilderungen des Lebens in den amerikanischen Vororten trug er den Beinamen „Tschechow der Vorstädte“. Neben seinen Erzählungen schrieb er mehrere Romane sowie umfangreiche Tagebücher.
Biografie↑
Aufgewachsen in prekären Verhältnissen, lebte Cheever zu Beginn seiner Laufbahn lange von der Hand in den Mund. Zeit seines Lebens strebte er ein Mittelstandsleben an, was ihm mit wachsendem Erfolg auch gelang. Seit 1941 war er mit Mary Winternitz (1918–2014) verheiratet; das Paar hatte drei Kinder. Seine Tochter Susan Cheever, 1943 geboren, wurde später vor allem durch ihre Bücher über das Alkoholproblem in den USA bekannt und lehrte an der New School in New York City.
Berühmt wurde Cheever durch seine Kurzgeschichten, die zuerst im New Yorker erschienen. Für seinen Roman The Wapshot Chronicle erhielt er 1958 den National Book Award und 1965 die William-Dean-Howells-Medaille. 1966 wurde er in die American Academy of Arts and Sciences gewählt; Mitglied der American Academy of Arts and Letters war er bereits seit 1957. 1979 folgte der Pulitzer-Preis für seine Kurzgeschichten.
1956 konnte Cheever ein Farmhaus in der Kleinstadt Ossining bei New York kaufen, in dem er bis zu seinem Tod lebte. Von dort aus beobachtete er das Leben in den Vororten, wie er es selbst führte. In seinen Werken befasste er sich immer wieder mit den Themen Alkohol und Homosexualität. Italien diente ihm in mehreren Erzählungen als Schauplatz, so in The World of Apples, einer ironischen Geschichte über einen verkannten Dichter aus der amerikanischen Provinz, den Italiens Kultur und Natur nicht zu inspirieren vermögen. Zu seinen Romanen zählen die beiden Wapshot-Bücher, ferner Bullet Park, in dem die Lebenswege der beiden Hauptfiguren Paul Hammer und Eliot Nailles auf verhängnisvolle Weise miteinander verknüpft sind, sowie der späte Gefängnisroman Falconer.
In den USA galt Cheever lange als skandalfreier, gesellschaftlich hoch anerkannter Schriftsteller. Erst in seinen letzten Jahren wurden Einzelheiten über seine massiven Alkoholprobleme, seine Bisexualität und seine unglückliche Ehe bekannt. Wie sich sein Leben in seinem Werk spiegelt, lässt sich am ehesten in seinen Tagebüchern verfolgen, die einen Umfang von über 20.000 Manuskriptseiten haben und deshalb nur auszugsweise veröffentlicht und übersetzt wurden.
1982, mehrere Jahre nachdem er dem Alkohol endgültig abgeschworen hatte, erhielt Cheever für sein Gesamtwerk die Nationalmedaille der American Academy of Arts and Letters. Sein letzter Kurzroman Oh What a Paradise It Seems entstand, als er bereits schwer an Krebs erkrankt war, und erschien drei Monate vor seinem Tod. Sechs Wochen nach der Auszeichnung und drei Wochen nach seinem 70. Geburtstag erlag er einem langjährigen Krebsleiden.
Literarische Merkmale↑
Kennzeichnend für Cheever ist ein konventionell-eleganter Stil, der zugleich eine ausgeprägte Vorliebe für Mythos und Phantastik erkennen lässt. Selbst seine Romane wirken oft eher wie eine Aneinanderreihung brillant erzählter Kurzgeschichten. Das Leben in den Vororten sezierte er mit großem Scharfblick und warf in satirischer Form einen Blick hinter die Fassade der dort vorgeführten Wohlanständigkeit. Hinter den kurzgeschorenen Rasenflächen und den immergleichen Häusern zeigte er eine große Leere, die mit Alkohol, Partnertausch und Ablehnung alles Fremden gefüllt wurde. Spürbar bleibt dabei stets seine innere Zerrissenheit zwischen dem Wunsch dazuzugehören und der Einsicht, wie verlogen dieses Leben war. Über all dem blieb Cheever ein witziger, vor Einfällen übersprudelnder und stilistisch herausragender Erzähler.
Rezeption↑
Lange galt Cheever in den USA als gesellschaftlich hoch anerkannter, scheinbar skandalfreier Autor. Sein Kollege John Updike stellte ihn auf eine Stufe mit William Faulkner. Gegenwartsautoren wie Jonathan Franzen und T. C. Boyle nannten ihn als Vorbild. Der Beiname „Tschechow der Vorstädte“ verweist darauf, wie eng sein Name mit der literarischen Erkundung des amerikanischen Vorstadtlebens verbunden blieb. Seine zahlreichen Auszeichnungen – der National Book Award 1958, die William-Dean-Howells-Medaille 1965, der Pulitzer-Preis 1979 und die Nationalmedaille der American Academy of Arts and Letters 1982 – belegen sein hohes Ansehen. Erst spät rückten die persönlichen Abgründe hinter dem gepflegten öffentlichen Bild ins Blickfeld, was das Interesse an seinen Tagebüchern zusätzlich verstärkte.
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