1977
Falconer
Überblick↑
Der Roman Falconer von John Cheever erschien 1977 bei Alfred A. Knopf in den Vereinigten Staaten. Er erzählt von Ezekiel Farragut, einem Universitätsprofessor und Drogenabhängigen, der wegen des Mordes an seinem Bruder eine Haftstrafe im Staatsgefängnis Falconer verbüßt. Im Mittelpunkt steht der Versuch dieses Mannes, unter den Bedingungen des Gefängnisses seine Menschlichkeit zu bewahren. Das Buch zählt zu den bekanntesten Werken des amerikanischen Autors; das Magazin Time nahm es in seine Liste der hundert besten Romane zwischen 1923 und 2005 auf.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
Im Zentrum der Erzählung steht Ezekiel Farragut, ein Universitätsprofessor, der von Drogen abhängig ist. Er sitzt im Staatsgefängnis Falconer ein, verurteilt wegen des Mordes an seinem Bruder. Der Alltag hinter Mauern zwingt ihn in eine Ordnung, die wenig Raum für das lässt, was ihn als Menschen ausmacht. Farragut kämpft darum, sich selbst nicht zu verlieren. In der Haft beginnt er eine Liebesbeziehung zu einem Mitgefangenen. Was sich äußerlich wie eine geradlinige Geschichte von Verbrechen, Strafe und Läuterung ausnimmt, führt bei genauerem Hinsehen in tiefere Schichten.
Die Handlung im Detail↑
Der Universitätsprofessor Ezekiel Farragut ist drogenabhängig und wird wegen des Mordes an seinem Bruder zu einer Haftstrafe verurteilt. Er kommt in das Staatsgefängnis Falconer. Dort beginnt für ihn ein Leben unter strengen Regeln, das seine Persönlichkeit auf die Probe stellt. Farragut ringt darum, im Gefängnisalltag seine Menschlichkeit zu behaupten.
Während der Haft entwickelt sich eine Liebesbeziehung zwischen ihm und einem Mitgefangenen. Am Ende gelingt Farragut die Flucht aus dem Gefängnis; er verlässt es als ein veränderter, gereifter Mensch.
Joan Didion hat in ihrer Besprechung darauf hingewiesen, dass diese äußere Abfolge trügt. Das Verbrechen stehe in keinem einfachen Verhältnis zur Strafe und die Strafe in keinem einfachen Verhältnis zur Erlösung. Was der Roman an der Oberfläche als klare Kausalkette anbietet, gehorche in Wahrheit anderen, verborgeneren Zusammenhängen.
Stil↑
Kennzeichnend für den Roman ist eine Sprache, die von der Kritik als besonders wandlungsfähig hervorgehoben wurde. Kirkus Reviews nannte Cheevers Prosa ein „erstaunlich biegsames Instrument“. Die Darstellung bleibt dabei an der Oberfläche scheinbar schlicht und folgt dem vertrauten Muster von Verbrechen, Strafe und Erlösung. Joan Didion beschrieb genau dies als Täuschung: Die Oberfläche glänze und führe in die Irre, Ursachen und Wirkungen lägen tiefer. Das Buch verbindet so die nüchterne Schilderung des Gefängnisalltags mit einer Deutung, die über den Einzelfall hinausweist.
Rezeption↑
Die Aufnahme des Romans war von Anfang an zustimmend. Kirkus Reviews sprach von einer Aussage über die menschliche Existenz und von einem Gleichnis der Erlösung. Joan Didion besprach das Buch 1977 in der New York Times und arbeitete heraus, dass die scheinbar konventionelle Geschichte von Verbrechen, Strafe und Läuterung in Wahrheit vielschichtiger sei. Das Magazin Time führte den Roman in seiner Liste der hundert besten Romane von 1923 bis 2005.
Didions Besprechung löste eine öffentliche Auseinandersetzung aus. Sie hatte darin die Analyse des Kritikers Alfred Kazin zu Cheevers Erzählung The Country Husband angegriffen und ihm vorgeworfen, keine zutreffende Inhaltsangabe geliefert zu haben. Kazin antwortete im März 1977 im Leserbriefteil der New York Times und nannte Didions Bemerkungen einen „wilden persönlichen Angriff“ auf seine Fähigkeit zur literarischen Analyse. Nach Kazins Darstellung entgegnete Didion ihm privat nur knapp: „Oh, come off it, Alfred.“
Der Roman wirkte bis in die Populärkultur hinein. In der Fernsehserie Seinfeld ist George am Ende einer Folge zu sehen, wie er in Falconer liest, den Titel dabei allerdings falsch wiedergibt. Im Jahr 2009 produzierte Audible eine Hörbuchfassung, gesprochen von Jay Snyder.
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