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Porträt Juan Carlos Onetti
Juan Carlos Onetti
1909 – 1994
– Autorenporträt –

Juan Carlos Onetti

1909 – 1994 · 84 Jahre

Uruguayischer Erzähler und Journalist, der 1974 aus der Haft ins spanische Exil ging und nie mehr in seine Heimat zurückkehrte.

Kurzbiografie↑

Juan Carlos Onetti wurde 1909 in Montevideo geboren und starb 1994 in Madrid. Er arbeitete als Journalist, als Bibliothekar und als Schriftsteller. Sein Leben verlief zwischen den beiden großen Städten Montevideo und Buenos Aires. Nach der Machtübernahme des Militärs in Uruguay verließ er 1974 sein Heimatland und ging nach Spanien, wo er bis zu seinem Tod blieb. Zu seinen bekannten Büchern zählt der Roman Der Schacht.


Biografie↑

Geboren wurde Onetti am 1. Juli 1909 in Montevideo. Als die Familie den Wohnort wechselte, lernte er über einen Verwandten väterlicherseits die Romanserie Fantômas von Pierre Souvestre und Marcel Allain kennen. Mit dreizehn Jahren verließ er das Gymnasium in der Hauptstadt ohne Abschluss. Danach hielt er sich mit einer Reihe einfacher Anstellungen über Wasser.

Von März 1928 bis Februar 1929 gab er zusammen mit Freunden die Zeitschrift La Tijera de Colón heraus, auf Deutsch „Die Schere von Colón“. Damit begann seine Arbeit als Journalist.

Im Jahr 1930 heiratete Onetti seine Cousine María Amalia Onetti. Das Paar zog nach Buenos Aires. Dort arbeitete er zunächst in einer Automobilwerkstatt, später bei einer Firma, die Silos für landwirtschaftliche Genossenschaften baute. Im Juni 1931 kam in Buenos Aires der Sohn Jorge zur Welt. In diesen Jahren lernte Onetti die Bücher von John Dos Passos und den Autor Roberto Arlt kennen. Er schrieb damals eine erste Fassung von Der Schacht, die jedoch verschollen ist. Seine erste Kurzgeschichte erschien am 1. Januar 1933 in der Zeitung La Prensa.

Nach der Scheidung von seiner ersten Frau heiratete er 1934 deren Schwester María Julia Onetti. In den dreißiger Jahren pendelte er zwischen Buenos Aires und Montevideo. Schließlich fand er eine feste Anstellung: Bei der Wochenzeitung Marcha, die am 23. Juni 1939 zum ersten Mal in Montevideo erschien, wurde er Redaktionssekretär. Zugleich schrieb er dort unter dem Pseudonym „Periquito el Aguador“ – auf Deutsch „Peterchen, der Wasserträger“ – die Kolumne La piedra en el charco, „Der Stein in der Pfütze“. Politische Meinungsverschiedenheiten mit dem Herausgeber Carlos Quijano beendeten diese Zusammenarbeit. Onetti wechselte zur Nachrichtenagentur Reuters, zunächst in Montevideo, dann in Buenos Aires. In dieser Stadt blieb er die folgenden vierzehn Jahre.

1945 heiratete Onetti zum dritten Mal. Seine Frau war Elisabeth María Pekelhari, eine aus Holland stammende Kollegin bei Reuters. Am 26. Juli 1951 wurde die Tochter Isabel María geboren. Im selben Jahr 1945 lernte er auf einer Straße in Buenos Aires die Geigerin Dorothea Muhr kennen, die 1925 in Buenos Aires zur Welt gekommen war. Ihre Mutter stammte aus England, ihr Vater aus Österreich. Nach der Scheidung von seiner dritten Frau im Jahr 1954 heirateten Onetti und Dorothea Muhr 1955. Diese Ehe hielt fast vierzig Jahre und endete erst mit Onettis Tod. In den Jahren zuvor hatte er eine Liebesbeziehung zur Dichterin Idea Vilariño. Ihr Gedichtband Poemas de amor erschien 1957 und ist Onetti gewidmet. Mario Vargas Llosa schreibt in seinem Essay, der Band lege in verschlüsselter Weise Zeugnis von dieser Beziehung ab.

Im Jahr 1955 verlegte Onetti seinen festen Wohnsitz zurück nach Montevideo. Er arbeitete dort für die Zeitung Acción. Aus persönlicher Zuneigung entstand eine Freundschaft zu Luis Batlle Berres, dem damaligen Präsidenten Uruguays. 1957 wurde Onetti zum Direktor der Städtischen Bibliotheken ernannt. Diese Verwaltungsstelle behielt er achtzehn Jahre lang.

Öffentliche Auftritte waren seine Sache nicht. Den einzigen Vortrag seines Lebens hielt er 1972 in Madrid, am Hispanischen Kulturinstitut. Eingeladen hatte ihn der Diplomat Juan Ignacio Tena Ybarra.

Unter der Präsidentschaft von Juan María Bordaberry geriet der Rechtsstaat in Uruguay seit 1972 in eine Krise. 1974 übernahm das Militär die Macht. Onetti hatte als Juror für die Wochenzeitung Marcha eine Erzählung des Autors Nelson Marra ausgezeichnet. Dafür wurde er am 10. Februar 1974 verhaftet. Für seine Freilassung setzte sich Tena Ybarra als Direktor des Instituto de Cultura Hispánica bei den uruguayischen Behörden ein, mit Erfolg. Nach drei Monaten Haft reiste Onetti gemeinsam mit seiner Frau Dorothea Muhr nach Madrid. Das Ehepaar bezog eine Wohnung an der Avenida de América. In den ersten beiden Jahren des Exils litt der Schriftsteller unter einer Schreibblockade. Nach Uruguay kehrte er nie mehr zurück.

Onetti starb am 30. Mai 1994 in Madrid.


Literarische Merkmale↑

Prägend für Onettis Schreiben war seine journalistische Arbeit, die er schon als junger Mann begann und über Jahrzehnte fortsetzte. Zu den Autoren, die er früh in Buenos Aires für sich entdeckte, gehörten der Amerikaner John Dos Passos und Roberto Arlt. Sein Werk umfasst Romane und Kurzgeschichten. Charakteristisch ist die lange Arbeit an einem Stoff: An Der Schacht schrieb er bereits in den frühen dreißiger Jahren, doch diese erste Fassung ging verloren.


Rezeption↑

Über die Grenzen Uruguays hinaus fand Onetti Beachtung in der spanischsprachigen Literatur. Mario Vargas Llosa widmete ihm einen Essay; darin geht er unter anderem auf Onettis Verhältnis zur Dichterin Idea Vilariño ein. Ein deutliches Zeichen für die Wertschätzung, die Onetti in Spanien genoss, ist die Einladung nach Madrid im Jahr 1972: Das Hispanische Kulturinstitut holte ihn zu einem Vortrag, dem einzigen seines Lebens. Diese Verbindung wurde später lebensrettend, denn der Institutsdirektor Juan Ignacio Tena Ybarra erwirkte 1974 die Freilassung des inhaftierten Schriftstellers. Nach Onettis Übersiedlung wurde Madrid zu seiner zweiten Heimat; er lebte dort bis zu seinem Tod.

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