1779 – 1850
Adam Oehlenschläger
Kurzbiografie↑
Adam Gottlob Oehlenschläger gilt als dänischer Nationaldichter der Romantik. Geboren wurde er am 14. November 1779 in Kopenhagen, wo er am 20. Januar 1850 auch starb. Mit dem 1803 erschienenen Gedicht Die Goldhörner setzte er den Anfang der dänischen Romantik. Von 1810 bis zu seinem Tod war er Professor für Ästhetik an der Universität Kopenhagen und amtierte dort zweimal als Rektor. Bis heute wird er in Dänemark als Verfasser der Nationalhymne Der er et yndigt land geehrt.
Biografie↑
Am 14. November 1779 kam Adam Gottlob Oehlenschläger im Kopenhagener Stadtteil Vesterbro zur Welt. Im selben Jahrhundert, das ihn hervorbrachte, entstand auch sein Werk, das dänische und deutsche Literatur miteinander verband.
Den literarischen Durchbruch brachte das Jahr 1803. Damals veröffentlichte er den Band Digte (Gedichte), der ganz verschiedene Formen versammelte. Darin stand das später berühmte Gedicht Die Goldhörner (Guldhornene), das als Beginn der dänischen Romantik gilt, ebenso das Lesedrama St. Hansaften-Spel. Stark geprägt wurde Oehlenschläger von Henrich Steffens, der ihn der Legende nach in einem sechzehnstündigen Gespräch für die Romantik gewonnen haben soll. Auch die damaligen Strömungen aus Jena um Schelling wirkten auf ihn ein.
Zwei Jahre später, 1805, erschienen die über 900 Seiten starken Poetiske Skrifter (Poetische Schriften) in zwei Bänden. Sie gelten als wichtiges Zeugnis der dänischen Romantik. In den Werken nach 1805 wandte er sich von der stark transzendental geprägten Romantik ab und der deutschen Klassik zu. Zugleich griff er verstärkt auf die nordische Mythologie zurück, die er vor allem in Dramenform verarbeitete. In diese Zeit gehören Stücke wie Hakon Jarl (1808), Palnatoke (1809) und Axel og Valborg (1810).
Mit der Hinwendung zur deutschen Klassik begann Oehlenschläger, seine dänischen Werke regelmäßig auch ins Deutsche zu übersetzen oder gleich auf Deutsch zu verfassen. So entstand neben dem dänischen ein vollständiges deutsches Werk, das er später für zwei Werkausgaben noch einmal überarbeitete: 1829/30 und 1839. Beide erschienen in Breslau.
Im Jahr 1810 heiratete er Christiane Heger (1782–1841), eine Schwester der Salonnière Kamma Rahbek. Über seine Schwester Sophie Oehlenschläger, die wie er in Rahbeks Salon verkehrte, war er mit dem Politiker Anders Sandøe Ørsted verschwägert, dem Bruder des Physikers Hans Christian Ørsted.
Auch außerhalb Dänemarks fand Oehlenschläger Beachtung. Am 15. Dezember 1817 wurde in Wien sein Theaterstück Ludlam's Höhle uraufgeführt, dessen Handlung auf einer Märchenerzählung von Benedikte Naubert beruht. Diese Aufführung gab den Anlass zur Gründung der literarischen Gesellschaft Ludlamshöhle, die von 1819 bis 1826 bestand und zu einem bekannten Treffpunkt des biedermeierlichen Wien wurde. 1819 verfasste er das Vaterlandslied, das unter dem Titel Der er et yndigt land als Nationalhymne Dänemarks bekannt wurde. Am 17. August 1844 wurde er als ausländisches Mitglied in den preußischen Orden Pour le Mérite für Wissenschaft und Künste aufgenommen. Er starb am 20. Januar 1850 in seiner Geburtsstadt Kopenhagen.
Literarische Merkmale↑
Kennzeichnend für Oehlenschläger ist die Vielfalt der Formen, in denen er arbeitete. Schon der Band Digte von 1803 versammelte ganz verschiedene literarische Gattungen, vom Gedicht bis zum Lesedrama. Sein Schreiben war zunächst von der Romantik geprägt, wie sie aus Jena um Schelling ausstrahlte und wie sie ihm Henrich Steffens nahegebracht hatte.
Nach 1805 verschob sich sein Schwerpunkt. Er löste sich von der stark transzendental geprägten Romantik und näherte sich der deutschen Klassik an. Zugleich wandte er sich immer stärker der nordischen Mythologie zu, deren Stoffe er vor allem in Dramen verarbeitete. So entstanden Werke wie Hakon Jarl, Palnatoke und Nordens guder, die alte nordische Sagen auf die Bühne brachten.
Eine Besonderheit ist seine Zweisprachigkeit. Mit der Hinwendung zur deutschen Klassik übersetzte er seine dänischen Werke regelmäßig selbst ins Deutsche oder schrieb sie gleich auf Deutsch. Dadurch entstand neben dem dänischen ein vollständiges deutsches Werk, das er eigenhändig für spätere Ausgaben redigierte. Sein Schaffen bewegte sich so zwischen zwei Sprachen und zwei Literaturen.
Rezeption↑
In Dänemark gilt Oehlenschläger bis heute als Nationaldichter der Romantik. Sein Gedicht Die Goldhörner wird als Beginn der dänischen Romantik betrachtet, und die Poetiske Skrifter von 1805 zählen zu den wichtigen Zeugnissen dieser Bewegung. Sein Vaterlandslied lebt als dänische Nationalhymne Der er et yndigt land fort. Die Aufnahme in den preußischen Orden Pour le Mérite 1844 zeigt, dass sein Ansehen auch über Dänemark hinausreichte.
Besonders im deutschsprachigen Raum hinterließ er Spuren. Die Wiener Uraufführung von Ludlam's Höhle gab den Anstoß zur literarischen Gesellschaft Ludlamshöhle. 1953 wurde in Wien-Meidling die Oehlenschlägergasse nach ihm benannt. Ferruccio Busoni vertonte einen Hymnus Oehlenschlägers im Finalsatz seines Klavierkonzerts C-Dur op. 39.
Die Nachwirkung verlief in beiden Ländern unterschiedlich. Eine 2012 erschienene Studie von Christian Gellinek trägt den bezeichnenden Titel Adam Oehlenschläger: in Dänemark berühmt, in Deutschland vergessen. Damit ist der Unterschied benannt, der seinen Ruf bis heute prägt.
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