1820 – 1849
Anne Brontë
Kurzbiografie↑
Als jüngste der schreibenden Brontë-Schwestern trat Anne Brontë neben Charlotte und Emily oft in den Hintergrund. Sie wurde am 17. Januar 1820 in Thornton geboren und starb bereits am 28. Mai 1849 in Scarborough. Ihre beiden Romane Agnes Grey und The Tenant of Wildfell Hall veröffentlichte sie unter dem Pseudonym Acton Bell. Vor allem der zweite Roman gilt heute als einer der frühen Romane mit feministischer Wirkung.
Biografie↑
Geboren wurde Anne Brontë am 17. Januar 1820 in Thornton in der Grafschaft Yorkshire. Sie war das jüngste der sechs Kinder von Patrick Brontë (1777–1861), einem Geistlichen der anglikanischen Kirche, und seiner Frau Maria (1783–1821). Getauft wurde sie am 25. Mai 1820. Zwei ihrer Schwestern, Mary (1814–1825) und Elizabeth (1815–1825), starben schon im Kindesalter.
Der frühe Tod der Mutter am 15. September 1821 prägte die Kindheit der Geschwister. Zunächst kümmerte sich eine Tante mütterlicherseits, Elizabeth Branwell, um die Kinder. Ab 1832 übernahm die ältere Schwester Charlotte einen Teil von Annes Erziehung. Wegen ihrer zarten Gesundheit wurde Anne überwiegend zu Hause unterrichtet. Nur von Oktober 1835 bis Dezember 1837 besuchte sie eine Mädchenschule in Roe Head bei Mirfield, wo Charlotte als Lehrerin arbeitete.
Vom 8. April 1839 bis zum Ende desselben Jahres war Anne als Gouvernante bei einer Familie Ingham in Blake Hall, Mirfield, tätig. Eine zweite Stelle trat sie bei einer Familie Robinson an, wo sie von Mai 1840 bis Juni 1845 blieb. Ab Januar 1843 arbeitete auch ihr Bruder Branwell dort als Hauslehrer des Sohnes. Sein Verhältnis mit der Frau des Hauses führte schließlich zum Ende von Annes Aufenthalt. Die Erfahrungen aus beiden Stellen flossen später in ihren ersten Roman ein.
Schon als Kinder betätigten sich die Geschwister literarisch. Sie erfanden die Fantasiewelten Angria und Gondal und schrieben deren Geschichten auf. Angria war die Schöpfung von Charlotte und Branwell, Gondal die von Emily und Anne. Von den Prosastücken über Gondal ist nichts erhalten, wohl aber dreiundzwanzig Gedichte Annes.
Im Jahr 1846 erschien die gemeinsame Sammlung Poems by Currer, Ellis and Acton Bell, zu der Anne einundzwanzig Gedichte beisteuerte. Currer war das Pseudonym Charlottes, Ellis das Emilys, Acton ihr eigenes. Ihren ersten Roman Agnes Grey veröffentlichte sie im Dezember 1847, gleichzeitig mit Emilys Wuthering Heights. Der zweite Roman, The Tenant of Wildfell Hall (deutsch: Die Herrin von Wildfell Hall), folgte im Juni 1848.
Die letzten Lebensmonate waren von Verlusten und Krankheit geprägt. Am 24. September 1848 starb ihr Bruder Branwell, am 19. Dezember desselben Jahres ihre Schwester Emily. Danach verschlechterte sich Annes Gesundheitszustand zusehends. Bis zuletzt widmete sie sich dem Schreiben und Zeichnen. Auch eine Reise nach Scarborough im Mai 1849 konnte die Tuberkulose nicht aufhalten. Am 28. Mai 1849 starb Anne Brontë dort und wurde am 30. Mai auf dem Friedhof von St Mary auf dem Castle Hill beigesetzt.
Literarische Merkmale↑
Kennzeichnend für Anne Brontës Erzählen ist die enge Verbindung von Leben und Werk. In beiden Romanen verwendet sie Motive aus dem eigenen Erleben und lässt ihre Vorstellungen von Moral und Religion einfließen. Wie die Autorin ist die Titelfigur von Agnes Grey eine mittellose Pfarrerstochter, die sich als Gouvernante durchschlägt, bevor sie spät eine glückliche Ehe eingeht. Auch Züge ihrer eigenen Arbeitsstellen finden sich in diesem Roman wieder.
Rezeption↑
Anerkennung fand vor allem Agnes Grey: Der irische Schriftsteller George Moore lobte das Werk überschwänglich als die „vollkommenste Prosaerzählung in englischer Schrift“. The Tenant of Wildfell Hall erzählt von einer Frau, die ihren zügellosen, dem Alkohol verfallenen Ehemann mit dem gemeinsamen Sohn verlässt und ihren Lebensunterhalt fortan selbst verdient. Heute gilt dieser Roman als einer der ersten Romane mit nachhaltig feministischer Wirkung. Verständlicher wird das, wenn man bedenkt, dass es verheirateten Frauen bis zur Verabschiedung des „Married Women's Property Act“ im Jahr 1870 gesetzlich verboten war, Eigentum zu besitzen, die Scheidung einzureichen oder das Sorgerecht für ihre Kinder zu erhalten.
Auch das Fernsehen griff den Stoff auf. Die BBC verfilmte The Tenant of Wildfell Hall 1968 als Mini-Serie unter der Regie von Peter Sasdy sowie 1996 erneut unter der Regie von Mike Barker.
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