1846
Poems
Überblick↑
Der Gedichtband Poems by Currer, Ellis and Acton Bell versammelt Verse der drei englischen Schwestern Charlotte, Emily und Anne Brontë. Er erschien 1846 in London bei Aylott and Jones und war die erste gedruckte Veröffentlichung der drei. Um dem damaligen Vorurteil gegen schreibende Frauen zu entgehen und ihre Privatsphäre zu wahren, traten die Schwestern unter männlich klingenden Decknamen auf: Charlotte als Currer Bell, Emily als Ellis Bell und Anne als Acton Bell. So bescheiden der Band zunächst blieb, markiert er den gemeinsamen Beginn eines der bekanntesten Schwesternwerks der englischen Literatur.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
Versammelt ist in diesem schmalen Band lyrische Dichtung dreier Schwestern, die jeweils unter einem eigenen Decknamen auftreten. Die Beiträge Charlottes erscheinen als Werk Currer Bells, die Emilys als Werk Ellis Bells und die Annes als Werk Acton Bells. Die gewählten Namen ließen das Geschlecht der Verfasserinnen im Ungewissen. Es handelt sich nicht um eine Erzählung mit Handlung, sondern um eine Sammlung von Gedichten, die drei sehr unterschiedliche dichterische Stimmen nebeneinanderstellt.
Die Handlung im Detail↑
Als Gedichtsammlung folgt der Band keiner durchlaufenden Handlung, sondern reiht die Verse der drei Schwestern aneinander. Jede von ihnen steuerte ihre Gedichte unter einem der drei Decknamen bei. Charlotte wählte den Namen Currer Bell, Emily den Namen Ellis Bell und Anne den Namen Acton Bell. Die Wahl der Decknamen war Absicht: Die Schwestern wollten dem verbreiteten Vorurteil gegen weibliche Autorinnen entgehen und zugleich ihre Zurückgezogenheit bewahren. Das Geschlecht der Verfasserinnen blieb dabei verborgen.
Der Band erschien 1846 bei dem Londoner Haus Aylott and Jones, das in erster Linie ein Schreibwarengeschäft und weniger ein Verlag war. Er trug einen schlichten, anonym wirkenden Einband mit leerem Buchrücken. Für alle drei Schwestern war dies der erste Auftritt im Druck – der gemeinsame Ausgangspunkt ihrer schriftstellerischen Laufbahn, noch bevor ihre Romane bekannt wurden.
Stil↑
Die im Band gesammelten Texte sind lyrische Dichtung, keine erzählende Prosa. Drei eigenständige Stimmen stehen darin nebeneinander, jede durch einen eigenen Decknamen kenntlich gemacht. Kennzeichnend ist die bewusst gewahrte Mehrdeutigkeit: Die männlich klingenden Namen Currer, Ellis und Acton Bell verschleierten, dass hinter den Versen Frauen standen. Diese Verdeckung der Urheberschaft gehört zum Erscheinungsbild des Werks ebenso wie die Gedichte selbst.
Rezeption↑
Der Band war zunächst ein Misserfolg. Charlotte hielt in einem Brief fest, dass der Verlag binnen eines Jahres nur zwei Exemplare abgesetzt habe; weitere Exemplare gingen als Besprechungsstücke und Geschenke hinaus. Die unverkauften, ungebundenen Bögen erwarb später Charlottes Verlag Smith, Elder & Co. und brachte sie 1848 mit einem neuen Titelblatt heraus, das aber weiterhin die ursprüngliche Jahreszahl 1846 trug. Inhaltlich war diese zweite Ausgabe der ersten Auflage nahezu unverändert, doch band Smith, Elder die Exemplare ansprechend in grünes Leinen mit Goldprägung. Von diesem hübscheren Gewand und vor allem vom Erfolg der 1847 erschienenen Romane Jane Eyre, Sturmhöhe und Agnes Grey profitierte die Neuausgabe, ohne je ein großer Verkaufserfolg zu werden. Der nun gewachsene Ruhm der Schwestern rechtfertigte 1848 auch eine amerikanische Ausgabe, die bei Lea and Blanchard in Philadelphia erschien.
Emily starb 1848, Anne 1849. Charlotte, die stets um das dichterische Erbe ihrer Schwestern bemüht war, nahm eine erweiterte Auswahl ihrer Gedichte in die 1850 erschienene Ausgabe von Sturmhöhe und Agnes Grey auf. So wollte sie die Verse einem größeren Publikum nahebringen, begründete damit aber zugleich die Gewohnheit, die Dichtung der Brontës als Beigabe zu ihren Romanen zu behandeln, die nur selten eine eigene Veröffentlichung erhielt. Darin spiegelte sich auch der allgemeine Rückgang, den die Gattung Lyrik nach der Zeit Byrons erlebte. In eigenständigen, maßgeblichen Ausgaben erschien die Dichtung der Schwestern erst im 20. Jahrhundert, zunächst in der Reihe der Complete Poems – Anne 1921, Charlotte und Emily 1923 – und danach in den beiden Lyrikbänden der Shakespeare-Head-Ausgabe von 1934.
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