1880 – 1934
Andrei Bely
Kurzporträt↑
Andrei Bely, eigentlich Boris Nikolajewitsch Bugajew, war ein russischer Dichter. Er zählte zu den wichtigsten Theoretikern des Symbolismus. Geboren wurde er 1880 in Moskau, wo er auch 1934 starb. Er verband Lyrik und Prosa zu einer ganz eigenen Schreibweise, die klanglich und typografisch experimentierte. Sein Roman Petersburg gilt als ein Hauptwerk der modernen russischen Prosa. Vladimir Nabokov zählte ihn zu den größten Romanen des 20. Jahrhunderts. Ilja Ehrenburg nannte ihn ein außerordentliches Ereignis in der Geschichte der russischen Prosa.
Biografie↑
Geboren wurde Bely 1880 in Moskau. Sein Vater war der bedeutende Mathematiker Nikolai Wassiljewitsch Bugajew, der zeitweise Dekan der Moskauer Universität war. Von 1899 bis 1903 studierte Bely an der naturwissenschaftlichen Abteilung der physikalisch-mathematischen Fakultät der Moskauer Universität. Nach dem Abschluss nahm er ein Studium an der historisch-philologischen Fakultät auf. Dieses brach er jedoch schon nach einem Jahr ab, um sich ganz der Literatur zu widmen.
Das Weltbild des jungen Bely wurde unter anderem von Wladimir Solowjow, Arthur Schopenhauer, dem Buddhismus und Friedrich Nietzsche geprägt. Von 1903 bis zu dessen Tod 1921 verband ihn eine wechselvolle Freundschaft mit dem symbolistischen Dichter Alexander Blok. Blok notierte über ihn: „Er ist, wie er immer war: genial, merkwürdig.“ Ab 1904 arbeitete Bely an der theoretischen Begründung des Symbolismus. Im selben Jahr erschien der Gedichtband Gold in Azurblau. In jener Zeit beschäftigte er sich auch mit der Philosophie Immanuel Kants. Zudem kam er in engeren Kontakt mit Margarita Kirillowna Morosowa, die er sehr verehrte. Sie gründete im November 1905 zusammen mit Sergei Bulgakow, Fürst Jewgeni Trubezkoi, Nikolai Berdjajew, Pawel Florenski und anderen die Moskauer Philosophisch-Religiöse Gesellschaft Wladimir Solowjow. Ein Freund und Förderer Belys war bis 1914 Emili Medtner.
1914 heiratete er die Grafikerin Assja Turgenieff, eine Großnichte des Dichters Iwan Turgenew. Kennengelernt hatte er sie in Paris. Von 1912 bis 1916 beschäftigte sich Bely intensiv mit der Anthroposophie Rudolf Steiners, dessen persönlicher Schüler er wurde. Ab 1914 arbeitete er gemeinsam mit seiner Frau an der Errichtung des ersten Goetheanums im schweizerischen Dornach mit. 1916 kehrte er wegen einer Einberufung nach Russland zurück, während Assja in der Schweiz blieb. Nach einer Aussprache 1921 in Berlin trennte sich das Paar.
Im Jahr 1921 emigrierte Bely nach Berlin. Er verkehrte in der Passauer Straße, damals eines der Zentren exilrussischer Kultur in der Stadt. In dieser Zeit wandte er sich zeitweise von der Anthroposophischen Gesellschaft ab. Er kritisierte etwa die „Verquickung von falscher Esoterik und von Vereinsmeierei“. Seine zweite Frau, Klawdija Nikolajewna Wassiljewa, war ebenfalls Anhängerin der Anthroposophie. Sie bewog ihn 1923 zur Rückkehr nach Moskau, wo er bis zu seinem Tod im Januar 1934 lebte. Schon 1907 hatte er sich folgende Grabinschrift ersonnen: „Er glaubte dem goldenen Glanz und starb an Sonnenpfeilen; er durchmaß im Geiste die Jahrhunderte und vermochte sein Leben nicht zu leben.“
Literarische Merkmale↑
Kennzeichnend für Belys Schreiben ist, dass er nicht streng zwischen Lyrik und Prosa unterschied. Lyrische Rhythmen und Klänge sowie experimentelle Typografien finden sich auch in seinen Erzähltexten. So wird die Grenze zwischen Gedicht und Roman bei ihm durchlässig. Aus seiner naturwissenschaftlichen wie philosophischen Bildung speiste sich eine Sprache, die musikalische Wirkung und gedankliche Spannung verbindet. Geprägt war sein Werk von der theoretischen Auseinandersetzung mit dem Symbolismus, an dessen Begründung er ab 1904 arbeitete. Hinzu kamen geistige Anregungen durch Solowjow, Schopenhauer, Nietzsche, den Buddhismus, die Philosophie Kants und später die Anthroposophie Rudolf Steiners.
Rezeption↑
Belys Roman Petersburg fand bei bedeutenden Lesern hohe Anerkennung. Vladimir Nabokov hielt ihn für einen der größten Romane des 20. Jahrhunderts. Ilja Ehrenburg nannte ihn „ein außerordentliches Ereignis in der Geschichte der russischen Prosa“. Damit zählt das Werk zu den vielbeachteten Leistungen der modernen russischen Literatur. Auch der symbolistische Dichter Alexander Blok, mit dem Bely lange befreundet war, würdigte ihn als „genial“ und „merkwürdig“.
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