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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Autoreneintrag · Isaac Bashevis Singer
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Porträt Isaac Bashevis Singer
Isaac Bashevis Singer
1903 – 1991
– Autorenporträt –

Isaac Bashevis Singer

1903 – 1991 · 87 Jahre

Isaac Bashevis Singer war bislang der einzige auf Jiddisch schreibende Autor, dem 1978 der Nobelpreis für Literatur zuerkannt wurde – in seinen Romanen und Erzählungen hielt er die untergegangene Welt des polnischen Judentums fest.

Kurzbiografie↑

Als bislang einziger auf Jiddisch schreibender Autor erhielt Isaac Bashevis Singer 1978 den Nobelpreis für Literatur. Geboren in Polen als Sohn eines chassidischen Rabbiners, wuchs er in der jüdischen Welt Warschaus und der ostpolnischen Schtetl auf. 1935 wanderte er in die Vereinigten Staaten aus, wo er zu einem produktiven und anerkannten jiddischen Erzähler wurde. In Romanen und Kurzgeschichten hielt er die untergegangene Lebensform des polnischen Judentums fest. Zu seinen bekanntesten Werken zählen der Roman Die Familie Moschkat und die Erzählung Gimpel der Narr.


Biografie↑

Geboren wurde Singer als Icek Hersz Zynger in eine Familie, in der die Männer seit vielen Generationen als Rabbiner der chassidischen Glaubensrichtung wirkten. Sein Geburtsdatum ist in den Quellen umstritten: Wikidata nennt den 21. November 1903, die Deutsche Nationalbibliothek den 21. November 1902, und Singer selbst gab abweichend den 14. Juli 1904 an. Auch der Geburtsort ist widersprüchlich überliefert – Wikidata verzeichnet Leoncin, die Deutsche Nationalbibliothek dagegen Radzymin. Sein Vater war Pinchos Menachem Zynger, seine Mutter Bathsheba stammte aus dem Schtetl Biłgoraj bei Lublin und war ebenfalls Tochter eines Rabbiners. Im Haus verzichtete man aus religiösen Gründen auf jeglichen Luxus; viele weltliche Vergnügungen galten dem Vater als sündiger Tand. Singers ältere Schwester war die 1891 geborene Esther Kreitman, sein älterer Bruder der Autor Israel Joshua Singer.

Im Jahr 1907 zog die Familie nach Radzymin, wo der Vater als Gehilfe eines chassidischen Rabbiners arbeitete. 1908 folgte der Umzug an die Krochmalna-Straße im jüdischen Armenviertel von Warschau, damals einer der größten jiddischsprachigen Ansiedlungen der Welt. Singer erhielt eine traditionelle jüdische Erziehung und studierte Tora und Kabbala. Die Not des Weltkriegs zwang die Familie 1917 zur Trennung: Die Mutter zog mit Isaac und dem jüngeren Bruder Mosche in ihre Heimatstadt Biłgoraj. Dort lernte der Heranwachsende die überkommene Lebensform der polnischen Juden aus eigener Anschauung kennen – „Ich lebte jüdische Geschichte“, sagte er später. Der Bruder Mosche kam um 1945 in der Sowjetunion ums Leben.

Nach Warschau kehrte Singer 1921 zurück, um sich am Tachkemoni-Seminar zum Rabbiner ausbilden zu lassen. Er brach die Ausbildung nach einem Jahr ab. Durch die Vermittlung seines Bruders Israel Joshua kam er 1923 als Korrektor für eine jiddische Zeitschrift wieder in die Stadt und begann selbst zu schreiben; daneben verfasste er Literaturkritiken und Übersetzungen. 1932 war er Mitbegründer der Literaturzeitschrift Globus. Bereits seine zweite Erzählung unterzeichnete er mit „Bashevis“, um sich vom älteren Bruder abzugrenzen – der Name ist der Genitiv des Vornamens seiner Mutter. In Globus erschien in Fortsetzungen sein erster Roman Satan in Goraj.

Der ältere Bruder, 1933 an die jiddische Tageszeitung Forverts nach New York berufen, verschaffte Isaac 1935 die Einreise nach Amerika. Die Übersiedlung bedeutete die Trennung von seiner ersten Frau Runia Pontsch und dem gemeinsamen Sohn Israel Zamir, den er erst 1955 wiedersah. In New York wurde Singer nach anfänglichen Schwierigkeiten – geschildert im autobiografischen Roman Verloren in Amerika von 1981 – ein anerkannter jiddischer Autor, der vor allem im Forverts publizierte. 1938 traf er Alma Wassermann, die aus München geflohen war; die beiden heirateten 1940. 1943 erhielt er die amerikanische Staatsbürgerschaft.

Sein 1950 auf Englisch veröffentlichter Roman Die Familie Moschkat erzählt vom Untergang des polnischen Judentums. Allgemeine Bekanntheit brachte ihm 1953 die von Saul Bellow besorgte Übersetzung seiner Kurzgeschichte Gimpel der Narr. Es folgten 1957 der Roman Der Zauberer von Lublin und 1962 Jacob der Knecht. Gemeinsam mit The Manor (1967) und The Estate (1969) bildete Die Familie Moschkat eine epische Trilogie über das Auseinanderbrechen alter Familien. 1974 erhielt er den National Book Award für Feinde – die Geschichte einer Liebe, 1978 für sein Gesamtwerk den Nobelpreis für Literatur. In seinen letzten 35 Lebensjahren war Singer überzeugter Vegetarier, ein Thema, das er häufig in seinen Geschichten aufgriff. Er starb am 24. Juli 1991; als Sterbeort nennt Wikidata Surfside, die Deutsche Nationalbibliothek dagegen Miami.


Literarische Merkmale↑

Seine Romane und Geschichten schrieb Singer ausschließlich zuerst auf Jiddisch. Dazu bekannte er sich ausdrücklich: „Das ist meine Sprache. In dieser Sprache will ich gewinnen oder verlieren.“ Zunächst erschienen die Texte in Fortsetzungen in jiddischen Literaturzeitschriften und im Forverts. Für die amerikanischen Fassungen überarbeitete und lektorierte er sie in Teilauswahl – er sprach von seinem „zweiten Original“, das den weiteren Übersetzungen zugrunde lag. Anfang der 1950er Jahre begann er konsequent, seine Werke ins Englische zu übertragen.

Inhaltlich schöpfte Singer aus der Welt seiner Herkunft. Immer wieder gestaltete er das intensive Erlebnis seiner Entwicklungsjahre literarisch und arbeitete es auf. Seine Stoffe fand er in der chassidischen Frömmigkeit, im Leben der polnischen Schtetl und in der jüdischen Gemeinde Warschaus. Die großen Romane erzählen vom Untergang des polnischen Judentums und vom Zerfall alter Familien unter dem Druck sozialer, finanzieller und menschlicher Veränderungen der modernen Zeit.


Rezeption↑

Mit der amerikanischen Übersetzung seiner Erzählung Gimpel der Narr, die Saul Bellow 1953 besorgte, erlangte Singer allgemeine Bekanntheit. Der Schritt zur konsequenten Übersetzung seiner Werke ins Englische machte ihn international sehr bekannt. Seine Anerkennung schlug sich in bedeutenden Auszeichnungen nieder: 1974 erhielt er den National Book Award, 1978 als bislang einziger jiddischer Schriftsteller den Nobelpreis für Literatur.

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