1920 – 1992
Isaac Asimov
Kurzbiografie↑
Isaac Asimov zählt zu den bekanntesten Science-Fiction-Schriftstellern seiner Zeit. Er wurde 1920 in Russland geboren, wuchs in Brooklyn auf und war von Beruf zunächst Biochemiker. Neben seinen Romanen und Erzählungen schrieb er unzählige Sachbücher und populärwissenschaftliche Artikel; insgesamt veröffentlichte er über 500 Bücher und mehr als 1600 Essays. Berühmt wurde er durch seine Robotergeschichten mit den drei Gesetzen der Robotik und durch den Foundation-Zyklus, der den Niedergang eines galaktischen Imperiums schildert. Zusammen mit Arthur C. Clarke und Robert A. Heinlein wird er oft als einer der „Big Three“ der englischsprachigen Science-Fiction genannt.
Biografie↑
Geboren wurde Isaac Asimov am 2. Januar 1920 als Issaak Judowitsch Asimow. Als Geburtsort nennen die Quellen unterschiedliche Angaben: Wikidata führt Petrowitschi bei Smolensk an, die Deutsche Nationalbibliothek dagegen Petrowsk. Seine jüdischen Eltern wanderten 1923 in die Vereinigten Staaten aus, und der Junge wuchs in Brooklyn auf. Russisch lernte er nie. Die Eltern sprachen mit ihm nur Jiddisch und Englisch; Russisch benutzten sie untereinander als Geheimsprache, „wenn sie privat etwas besprechen wollten, was meine großen Ohren nicht hören sollten“.
Der Vater erwarb 1926 die amerikanische Staatsbürgerschaft und kaufte einen Süßwarenladen. Isaac musste dort von Anfang an mithelfen. So hatte er wenig Kontakt zu Gleichaltrigen und wurde früh zum Vielleser. Mit fünf Jahren brachte er sich selbst das Lesen bei, mit sieben besaß er die Mitgliedskarte einer Leihbücherei. Im Laden lagen die Hefte des Magazins Amazing Stories aus: Das war sein erster Kontakt zur Science-Fiction. Offiziell lesen durfte er sie erst, nachdem die Zeitschrift Science Wonder Stories erschienen war und er seinen Vater überzeugt hatte, dass diese Lektüre wertvoll sei, weil ja „Wissenschaft“ im Titel stehe.
Die Eltern legten ihm ein Medizinstudium nahe. Asimov studierte jedoch ab 1935 Chemie an der Columbia-Universität. Dort war er 1938 an der Gründung der Futurian Science Literary Society beteiligt und lernte über diesen Kreis, die Futurians, einige Science-Fiction-Autoren kennen. 1939 erwarb er mit 19 Jahren den Bachelor in Chemie. Im selben Jahr erschien in der Märzausgabe von Amazing Stories seine erste Kurzgeschichte Marooned Off Vesta, deutsch Havarie vor Vesta. Danach veröffentlichte er vermehrt in der von John W. Campbell herausgegebenen Zeitschrift Astounding. Einige der dort erschienenen Geschichten fügte er später zur Foundation-Trilogie zusammen.
Seine Bewerbung um einen Medizinstudienplatz wiesen alle fünf in Frage kommenden Universitäten New Yorks ab. Also setzte er das Chemiestudium fort und schloss es 1941 mit dem Master ab. In den folgenden vier Jahren unterbrach er das Studium kriegsbedingt. Er arbeitete zunächst an der Naval Air Experimental Station der Philadelphia Navy Yard und diente anschließend kurze Zeit als Wehrpflichtiger in der US-Armee. 1948 wurde er mit 28 Jahren zum Doktor der Biochemie promoviert. Ein Jahr später berief man ihn als Dozenten für Biochemie an die medizinische Fakultät der Universität Boston. 1951 wurde er dort Assistenzprofessor, 1955 erhielt er eine Daueranstellung. 1958 gab er die Lehrtätigkeit auf und machte das Schreiben zu seinem Hauptberuf.
Asimov gehörte zum Kreis der Trap Door Spiders, eines literarischen Männerzirkels. Ihn verewigte er in einer Serie von Kriminalkurzgeschichten als die Schwarzen Witwer. In den 1960er Jahren lernte er Gene Roddenberry kennen, der sich wie er selbst sehr für künstliche Intelligenz interessierte. 1979 wirkte Asimov als wissenschaftlicher Berater an der Entstehung von Star Trek: Der Film mit. Außerdem war er Ehrenvizepräsident des Hochintelligentenvereins Mensa. 1985 wurde er Präsident der American Humanist Association und blieb es bis zu seinem Tod.
Von 1942 bis 1970 war Asimov mit Gertrude Blugerman verheiratet. Aus dieser Ehe stammen zwei Kinder, David und Robyn Joan. Von 1973 bis zu seinem Tod war er mit Janet Asimov verheiratet. Gemeinsam verfassten die beiden Science-Fiction-Bücher für junge Leser, darunter die Reihe über den Roboter Norby.
Isaac Asimov starb am 6. April 1992 an Herz- und Nierenversagen. Es war die Folge einer HIV-Infektion, die er sich 1983 durch eine Bluttransfusion bei einer Bypass-Operation zugezogen hatte. Beim Sterbeort weichen die Quellen voneinander ab: Wikidata nennt Manhattan, die Deutsche Nationalbibliothek allgemeiner New York.
Literarische Merkmale↑
Erzählerisch lässt sich Asimovs Werk in drei Schwerpunkte gliedern: Robotergeschichten auf der Erde der nahen Zukunft, Roboterkrimis der weiteren Zukunft und Geschichten um das galaktische Imperium der fernen Zukunft. In späteren Jahren verband er diese Stränge durch weitere Romane, die die Handlungslücken der Frühwerke füllten. Der Handlungsbogen spannt sich dabei über 20 Jahrtausende. Daneben schrieb er zahlreiche Kurzgeschichten und einige Romane mit eigenem, unabhängigem Rahmen.
Sein Ruhm gründet vor allem auf zwei Werkgruppen. Die eine sind die Robotergeschichten, die andere ist die Reihe von Kurzgeschichten, die später als Foundation-Zyklus erschien. Darin schildert er den Niedergang eines galaktischen Imperiums, angeregt durch Edward Gibbons Werk über den Verfall des Römischen Reiches. Auch die Kurzgeschichten Das Chronoskop und Geschichte eines Helden greifen die Antike auf. Asimov war ein großer Bewunderer Hannibals und hatte zeitweise überlegt, Historiker zu werden.
In der Kurzgeschichte Robbie von 1940 befasste er sich erstmals gründlich mit Maschinen, die ein künstliches Gehirn besitzen. Vor ihm folgten die meisten Robotergeschichten dem Muster von Frankenstein, das Asimov als unglaublich langweilig bezeichnete: „Roboter wurden geschaffen und zerstörten ihre Erschaffer.“ In der Erzählung Runaround von 1942 stellte er stattdessen die drei Gesetze der Robotik auf. Sie verbieten dem Roboter, einen Menschen zu verletzen, verpflichten ihn zum Gehorsam und erlauben ihm den Selbstschutz, solange die vorrangigen Gesetze nicht verletzt werden. In den Erzählungen von Ich, der Robot aus dem Jahr 1950 spielt Asimov die Folgen dieser Regeln durch: Roboter argumentieren stur nach Logik, verhalten sich seltsam, weil ihre Aufgabe mit einem Gesetz in Konflikt gerät, oder missachten das erste Gesetz aus Gefühl. Später ergänzte er in Das Galaktische Imperium ein nulltes Gesetz, das die Menschheit als Ganze schützt. Bezeichnenderweise stellt kein Mensch dieses Gesetz auf, sondern der Roboter R. Daneel Olivaw.
Asimov prägte Begriffe, die längst in die Science-Fiction und in den allgemeinen Sprachgebrauch eingegangen sind: „Positronik“, „Robotik“ und „Psychohistorik“. Nach dem Ende seiner Lehrtätigkeit entwickelte er sich zu einer Art modernem Universalgelehrten. Er war Mitverfasser eines Lehrbuchs der Biochemie, schrieb über die Bibel und über William Shakespeare, über griechische und römische Geschichte sowie Sachbücher aus fast allen naturwissenschaftlichen Gebieten, darunter sogar eine Anleitung zum Gebrauch des Rechenschiebers. Seine Wissenschaftskolumne im Magazine of Fantasy and Science Fiction brachte er 33 Jahre lang auf 399 Folgen. Im deutschen Sprachraum kaum bekannt ist, dass er auch mehrere Bände mit humoristischen Texten, Anekdoten und Limericks veröffentlichte.
Rezeption↑
Als besonders herausragende Werke des Genres gelten seine Robotergeschichten und vor allem die Kurzgeschichte Und Finsternis wird kommen…, im Original Nightfall. Die Science Fiction Writers of America kürten sie 1968 zur besten Science-Fiction-Geschichte vor 1965. Seine Werke haben viele andere Schriftsteller angeregt, seine Sammlungen zahllose Leser begeistert. Die drei Gesetze der Robotik wurden zum Gemeingut der Science-Fiction.
Wirkung entfaltete auch die Figur der Robotpsychologin Susan Calvin, eine Lieblingsfigur des Autors. Arthur C. Clarke bezeichnete sie in seinem Roman 3001 – Die letzte Odyssee als „Vorbild im geistigen Wettstreit zwischen Robotern und Menschen“. Der Firmenname USRobotics geht auf Asimovs Begriff der Robotik zurück.
Die Robotergesetze wurden auch außerhalb der Literatur aufgegriffen. Der 2004 erschienene Kinofilm I, Robot mit Will Smith bezieht sich auf die gleichnamige Kurzgeschichtensammlung: Er übernimmt Personen und Motive, die Handlung aber entwickelten die Drehbuchautoren neu. Erfolgreich war ebenfalls der Film Der 200 Jahre Mann, in dem der von Robin Williams gespielte Android Andrew Martin künstlerische und menschliche Fähigkeiten entdeckt und als Mensch anerkannt werden möchte; die Gesetze werden dort gleich zu Beginn vorgestellt. Auch die Serie Raumpatrouille und die Sitcom The Big Bang Theory widmeten den Robotergesetzen je eine Folge. Die Trilogie um den Roboter Caliban schließlich, deren Konzept noch von Asimov selbst stammt und die Roger MacBride Allen ausführte, verwirft die drei Gesetze und setzt neue an ihre Stelle.
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