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Autoreneintrag · Pramoedya Ananta Toer
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Porträt Pramoedya Ananta Toer
Pramoedya Ananta Toer
1925 – 2006
– Autorenporträt –

Pramoedya Ananta Toer

1925 – 2006 · 81 Jahre

Indonesischer Erzähler, der vierzehn Jahre ohne Urteil im Gefängnis saß und dort seine „Buru-Tetralogie“ schrieb – mehrfach für den Nobelpreis nominiert, im eigenen Land jahrzehntelang verboten.

Kurzbiografie↑

Pramoedya Ananta Toer war ein indonesischer Schriftsteller, der einen großen Teil seines Lebens in Haft verbrachte. Geboren wurde er 1925 in Blora auf Zentraljava, gestorben ist er 2006 in Jakarta. In Indonesien nannte man ihn meist kurz „Pram“. Zwischen 1965 und 1979 saß er ohne Gerichtsverfahren im Gefängnis, unter anderem auf der Insel Buru, und schrieb dort die vier Romane, die als Buru-Tetralogie bekannt wurden. Seine Bücher wurden in 37 Sprachen übersetzt, und mehrfach war er für den Literaturnobelpreis nominiert. Er gilt als einer der bedeutendsten indonesischen Autoren des 20. Jahrhunderts.


Biografie↑

Am 6. Februar 1925 kam Pramoedya Ananta Toer in Blora zur Welt, einer Stadt in Zentraljava. Während des Zweiten Weltkriegs war Indonesien von Japan besetzt. In dieser Zeit kämpfte der junge Mann in der paramilitärischen Organisation Pemuda, was auf Deutsch „Jugend“ bedeutet.

Nach dem Krieg kehrten die Niederländer als Kolonialmacht zurück. Von 1947 bis 1949 sperrten sie ihn ein, begründet mit seinem „antikolonialen Denken“. In diese Jahre fallen seine ersten Bücher: 1947 erschien Kranji-Bekasi Jatuh, 1950 folgten Perburuan (deutsch Spiel mit dem Leben) und Keluarga Gerilya (deutsch Die Familie der Partisanen).

Nach einem Aufenthalt in Holland arbeitete er in Jakarta als Schriftsteller und Herausgeber. Die fünfziger Jahre waren produktiv. 1951 erschien Bukan Pasar Malam, das auf Deutsch unter dem Titel Mensch für Mensch vorliegt. 1952 folgten die Erzählungen Cerita dari Blora, die deutsche Ausgabe trägt den Titel Das ungewollte Leben. Weitere Bücher dieser Jahre sind Gulat di Jakarta, Korupsi und Midah – Si Manis Bergigi Emas. 1957 erschien Cerita Calon Arang, 1960 Hoakiau di Indonesia und 1962 die zweibändige Arbeit Panggil Aku Kartini Saja.

Dann kam der Bruch. Pramoedya stand kommunistischen Organisationen nahe. Nach dem Putsch, aus dem der spätere Diktator Soeharto als Machthaber hervorging, wurde er ohne Gerichtsverfahren eingesperrt. Von 1965 bis 1979 saß er in verschiedenen Gefängnissen. Zunächst war er auf Nusa Kambangan, danach vor allem auf der Gefängnisinsel Buru.

Gerade dort entstand sein bekanntestes Werk, die vierteilige Buru-Tetralogie. Ihre Bände erschienen erst nach der Haftzeit im Druck: 1980 Bumi Manusia (deutsch Garten der Menschheit) und Anak Semua Bangsa (deutsch Kind aller Völker), 1985 Jejak Langkah (deutsch Spur der Schritte) und 1988 Rumah Kaca (deutsch Haus aus Glas). Von der Zeit auf Buru handelt auch das stark autobiografische Buch Nyanyi Suni Seorang Bisu, auf Deutsch Stilles Lied eines Stummen, das 1995 erschien.

Freigekommen ist er 1979, nachdem sich die amerikanische Regierung unter Präsident Carter für ihn eingesetzt hatte. Frei war er damit allerdings nur halb: Jakarta durfte er bis zum Sturz Soehartos im Jahr 1998 nicht verlassen. Auch seine Bücher blieben in Indonesien lange unzugänglich. Erst seit 1999 erscheinen sie dort wieder.

Geschrieben hat er weiter. 1982 kam Gadis Pantai heraus, auf Deutsch Die Braut des Bendoro. 1995 folgte Arus Balik, 1999 Arok Dedes und Mangir. Sein letztes Buch, Jalan Raya Pos, Jalan Daendels, erschien 2005.

Am 28. April 2006 wurde er mit Herzbeschwerden und Problemen mit seiner Diabetes-Erkrankung in ein Krankenhaus in Jakarta eingeliefert. Nach der Entlassung verschlechterte sich sein Zustand rasch. Am 30. April 2006 starb Pramoedya Ananta Toer im Haus seiner Tochter.


Literarische Merkmale↑

Erzählt hat Pramoedya vor allem in Romanen und Erzählungen, daneben schrieb er Essays. Seine Bücher greifen immer wieder die Geschichte seines Landes auf: die Kolonialzeit unter den Niederländern, den Kampf um die Unabhängigkeit, das Leben einfacher Menschen zwischen diesen Fronten. Die Buru-Tetralogie entstand unter Haftbedingungen und ist eine der größten dieser Erzählungen über Indonesien.

Ein anderer Zug seines Werkes ist die Nähe zum eigenen Erleben. Stilles Lied eines Stummen berichtet von den Jahren auf der Gefängnisinsel Buru und wird als stark autobiografisch beschrieben. Auch Sachthemen hat er behandelt, etwa in Hoakiau di Indonesia oder in der zweibändigen Arbeit Panggil Aku Kartini Saja.


Rezeption↑

Zu Lebzeiten wurde Pramoedya im eigenen Land unterdrückt und im Ausland gelesen. Seine Werke erschienen in 37 Sprachen. Mehrmals war er für den Literaturnobelpreis nominiert. In Indonesien selbst blieben seine Bücher nach der Haftzeit verboten; erst seit 1999 sind sie dort wieder erhältlich.

Ins Deutsche wurde sein Werk vor allem von kleineren Verlagen übertragen. Übersetzerinnen und Übersetzer wie Doris Jedamski, Thomas Rieger, Diethelm Hofstra, Brigitte Schneebeli und Giok Hiang Gornik machten die Romane zugänglich. Die vier Bände der Buru-Tetralogie liegen vollständig auf Deutsch vor, teils in Taschenbuchausgaben, die noch Jahre später neu aufgelegt wurden.

Auch außerhalb Indonesiens beschäftigte sich die Forschung mit ihm. Antoin Aropp legte 2004 in Paris eine Arbeit über ihn als revolutionären Schriftsteller vor. 2006 erschien in Chicago der Gesprächsband Exile, herausgegeben von Nagesh Rao. Als er starb, widmete ihm die New York Times einen Nachruf; auch die australische Zeitung The Age erinnerte an ihn. Heute gilt er als einer der bedeutendsten indonesischen Autoren des 20. Jahrhunderts.

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