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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Porträt Ueda Akinari
Ueda Akinari
1734 – 1809
– Autorenporträt –

Ueda Akinari

1734 – 1809 · 75 Jahre

Japanischer Erzähler des 18. Jahrhunderts, dessen Geister- und Kriminalgeschichten „Unter dem Regenmond“ ihm im Westen den Ruf eines japanischen Edgar Allan Poe eintrugen.

Kurzbiografie↑

Der japanische Schriftsteller und Philologe Ueda Akinari wurde 1734 in Osaka geboren und starb 1809 in Kyōto. Bekannt wurde er vor allem durch eine Sammlung von Geister- und Kriminalgeschichten, die auf Deutsch unter dem Titel Unter dem Regenmond erschien. Diese Erzählungen trugen ihm im Westen den Ruf eines japanischen Edgar Allan Poe ein. Daneben arbeitete Ueda als Kaufmann, als Arzt und als Gelehrter. Als Essayist wurde er für seine scharfzüngigen Auseinandersetzungen bekannt, unter anderem mit dem Gelehrten Motoori Norinaga.


Biografie↑

Geboren wurde Ueda Akinari 1734 in Osaka als Sohn einer Prostituierten. Drei Jahre später nahm ihn der Kaufmann Ueda Mosuke an Sohnes statt an. Im Jahr darauf erkrankte das Kind an den Pocken. Die Krankheit hinterließ verkrüppelte Hände, und Ueda litt sein Leben lang unter einer schwachen Gesundheit.

An der Kaitokudō-Schule in Osaka begann er ein Literaturstudium. In dieser Zeit schrieb er auch seine ersten Haiku. Als der Adoptivvater 1761 starb, übernahm Ueda dessen Papierladen. Zwei Jahre später zerstörte ein Brand das Geschäft.

Mittellos zog er mit seiner Frau und seiner Adoptivtochter nach Kashima-mura. Dort studierte er Medizin und eröffnete anschließend eine ärztliche Praxis. Weil seine eigene Gesundheit schwach blieb, kam die Praxis nie recht in Gang; 1788 gab er sie auf. Fünf Jahre später ging er nach Kyōto. Dort starb 1797 seine Frau, und im selben Zeitraum erblindete er.

Seinen Ruhm begründete die Erzählsammlung Ugetsu monogatari, die auf Deutsch als Unter dem Regenmond. Phantastische Geschichten vorliegt. Die Datierung dieses Werks wird unterschiedlich angegeben: Teils ist das Jahr 1768 genannt, teils das Jahr 1776. Fortgesetzt wurde die Sammlung durch Harusame monogatari, die Geschichten vom Frühlingsregen. Auch hier gehen die Angaben auseinander, denn das Buch wird einerseits als posthum erschienen bezeichnet, andererseits auf 1807 datiert, also auf Uedas Lebenszeit.

Vor den Geistergeschichten hatte Ueda bereits zwei Bücher vorgelegt: 1766 Weltliche Affen mit Ohren für allerlei Künste und 1767 Charaktere weltlicher Damen. Ein Essay über ein Haiku-Problem erschien 1774; das Vorwort dazu schrieb der damals bekannte Autor Yosa Buson.

Im Alter fasste Ueda seine Abhandlungen und Essays in zwei Sammlungen zusammen, Kinsa von 1804 und Tandai shōshin roku von 1808. Ein Jahr nach dem letzten dieser Bücher starb er in Kyōto. Überliefert sind neben seinem Namen mehrere weitere Namensformen, darunter Wayaku Tarō, Senshi Kijin und Ueda Muchō; auch die Deutsche Biographie führt eine ganze Reihe solcher Namensvarianten.


Literarische Merkmale↑

Bekannt wurde Ueda vor allem als Erzähler des Unheimlichen. Seine berühmte Sammlung vereint Geister- und Kriminalgeschichten, also Stoffe zwischen Spuk und Verbrechen. Diese Geschichten brachten ihm im Westen den Vergleich mit Edgar Allan Poe ein.

Ein zweiter Ton prägt seine Essays. Dort trat er streitbar auf und führte scharfzüngige Auseinandersetzungen mit anderen Gelehrten, etwa mit Motoori Norinaga. Neben der Prosa stand die Beschäftigung mit dem Haiku, das er schon als junger Mann selbst schrieb und über das er später auch nachdachte.


Rezeption↑

Im deutschen Sprachraum wurde Ueda Akinari erst spät zugänglich. Die Übersetzung von Ugetsu monogatari durch Oscar Benl erschien 1990 unter dem Titel Unter dem Regenmond. Phantastische Geschichten. Vier Jahre später folgten die Erzählungen beim Frühlingsregen, aus dem Japanischen übertragen von Wolfgang E. Schlecht.

Der Vergleich mit Edgar Allan Poe, den die westliche Aufnahme seiner Geistergeschichten hervorbrachte, hat sich als Etikett gehalten. In der deutschsprachigen Japanologie ist Ueda fest verzeichnet, etwa im Kleinen Lexikon der Japanologie von Bruno Lewin. Auch die Forschung zu japanischen Namensformen befasst sich mit ihm. 2005 widmete Judit Árokay ihm an der Universität Hamburg ein Referat unter dem Titel Ueda Akinari und der Geist Osakas.

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