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Porträt Äsop
Äsop
-062 – -056
– Autorenporträt –

Äsop

-062 – -056

Antiker griechischer Dichter von Fabeln, dessen Name zum Gattungsnamen wurde – die poetische Fabel heißt bis heute äsopische Fabel.

Kurzporträt

Über zweieinhalb Jahrtausende hinweg ist Äsop der Name geblieben, der wie kein anderer mit der Fabel verbunden wird. Der antike griechische Dichter von Fabeln und Gleichnissen lebte wahrscheinlich im 6. Jahrhundert v. Chr. Er gilt jedoch eher als legendäre denn als historische Gestalt. Häufig wird er irrtümlich als Begründer der europäischen Fabeldichtung genannt. Sein Name wurde zum Gattungsnamen. Die poetische Fabel heißt deshalb auch äsopische Fabel.


Biografie

Gesicherte Angaben zu Äsops Leben gibt es kaum. Die schriftliche Überlieferung zu seiner Person setzte in der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts v. Chr. ein. Schon damals waren zahlreiche Legenden über ihn im Umlauf. Der Äsop-Roman wurde in der frühen römischen Kaiserzeit zusammengestellt. Er erzählt ausführlich von Äsops Reisen zu bedeutenden Königen wie Kroisos von Lydien und von seinen körperlichen Gebrechen. So sei er sehr hässlich und zunächst stumm gewesen. Der Roman trägt jedoch klar legendarischen Charakter.

Auch über Äsops Herkunft gehen die Quellen auseinander. Als Herkunftsort wird Thrakien angegeben, in späteren Überlieferungen auch Phrygien, Lydien oder die Insel Samos. Der Name Aisopos ist auf einer griechischen Inschrift des 6. Jahrhunderts v. Chr. aus der Schwarzmeerregion belegt. Deshalb stammte er vermutlich aus Thrakien.

Die früheste Erwähnung Äsops findet sich bei Herodot, der um 424 v. Chr. starb. Nach ihm war Äsop ein Dichter und ein Sklave des Iadmon von Samos, dem auch die bekannte Hetäre Rhodopis gehörte. Getötet wurde er in Delphi. Aristophanes erwähnt in der 422 v. Chr. uraufgeführten Komödie Die Wespen, dass Äsop in Delphi wegen des Diebstahls eines sakralen Gegenstands angeklagt wurde. Plutarch, gestorben um 125 n. Chr., berichtet von einem Justizmord. Äsop hielt die Delphier der reichen Geschenke nicht für würdig, die er von König Kroisos für sie erhalten hatte. Daraufhin verurteilten sie ihn zum Tode und stießen ihn von einer Klippe.

Die spätantike Weltchronik des Hieronymus, der 420 n. Chr. starb, datiert Äsops Hinrichtung auf 564/563 v. Chr. Die moderne Forschung setzt die Regierungszeit des Kroisos allerdings einige Jahre später an, etwa auf die Zeit um 555 bis 541 v. Chr. Ob Äsop tatsächlich auf diese Weise starb oder ob hier eine erklärende Sage über den Umgang mit Sakrilegen in Delphi vorliegt, lässt sich bei der ungünstigen Quellenlage heute nicht mehr entscheiden.


Literarische Merkmale

Kennzeichnend für die mit Äsops Namen verbundenen Texte ist die Fabel: eine kurze Erzählung mit Gleichnischarakter, die eine Lehre vermittelt. Über die literarische Eigenart Äsops selbst lassen sich angesichts der unsicheren Überlieferung kaum verlässliche Aussagen treffen.


Rezeption

Wirkungsmächtig ist vor allem die Vorstellung, die europäische Fabeldichtung gehe auf Äsop zurück. Häufig wird dies behauptet. Ähnliche Erzählungen mit Gleichnischarakter wurden jedoch bereits im Alten Orient erzählt, etwa in Sumer um 3000 v. Chr. Nur zwei der Fabeln Äsops ähneln Fabeln des indischen Panchatantra, das auch der persischen und arabischen Fabel zugrunde liegt.

In den mittelalterlichen Klosterschulen waren Äsops Fabeln ein häufig verwendeter Lesestoff. Nach der Erfindung des Buchdrucks erschien eine Vielzahl von Ausgaben. Als herausragende Edition gilt wegen ihrer qualitätsvollen Holzschnitte der 1476 in Ulm gedruckte Aesop Heinrich Steinhöwels. Dieser sogenannte Ulmer Aesop enthielt alle damals bekannten Fabeln Äsops. Die über 190 Holzschnittillustrationen werden dem Meister des Ulmer Chorgestühls, Jörg Syrlin dem Älteren, zugeschrieben. Steinhöwel ließ dem lateinischen Text eine von ihm gefertigte deutsche Übersetzung folgen.

Zu Beginn des Protestantismus, ab dem Jahr 1530, bearbeitete Martin Luther die äsopschen Fabeln und versuchte sich an einer Systematik. Während seines Aufenthalts auf der Veste Coburg behandelte er sie in deutscher Sprache. In der Fabelforschung hat man dem Reformator bislang eher geringe Beachtung geschenkt. Das dürfte an der erst erheblich späteren Entdeckung seiner Handschriften durch Richard Reitzenstein liegen.

Im 17. und 18. Jahrhundert belebten Jean de La Fontaine (1621–1695) und Gotthold Ephraim Lessing (1729–1781) die Fabeln Äsops neu. Lessing berief sich beim Schreiben seiner Fabeln ausdrücklich auf Äsop. Bis heute leben Äsops Fabeln in gebräuchlichen Redewendungen fort. Die Wendung „sich mit fremden Federn schmücken“ geht laut Georg Büchmann auf die Fabel von der Dohle und den Vögeln zurück.

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