1945
Sinuhe der Ägypter
Überblick↑
Der historische Roman Sinuhe der Ägypter stammt vom finnischen Schriftsteller Mika Waltari und erschien 1945 unter dem Originaltitel Sinuhe egyptiläinen. Erzählt wird darin das Leben des Arztes Sinuhe im Alten Ägypten zur Zeit des Pharaos Echnaton, also etwa zwischen 1390 und 1335 vor Christus. Das Buch entfaltet zugleich ein weites Bild der Kultur und der Sitten des vorchristlichen Orients. Es wurde zu einem weltweiten Erfolg und in viele Sprachen übertragen.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
In der Ich-Form berichtet der ägyptische Arzt Sinuhe aus seinem bewegten Leben. Zur Zeit des Pharaos Echnaton wirkt er zunächst als Leibarzt am Königshof und kommt so den Mächtigen seiner Zeit nahe. Sein Weg bleibt jedoch nicht auf Ägypten beschränkt: Mehrere Reisen führen ihn nach Babylon, nach Kreta und in weitere Regionen der damals bekannten Welt.
Rund um diese Stationen zeichnet das Werk ein Bild einer Epoche im Umbruch, in der religiöse und politische Spannungen das Leben der Menschen prägen. Sinuhe begegnet Herrschern, Priestern und einfachen Leuten und blickt als Arzt und Beobachter auf ihr Handeln. So wird sein persönliches Schicksal zum Faden, an dem sich eine ganze Welt entlangerzählen lässt.
Die Handlung im Detail↑
Erzählt wird das gesamte Werk aus der Rückschau in der Ich-Form: Sinuhe schildert sein eigenes Leben, gegliedert in fünfzehn Bücher. Damit tritt der Arzt selbst als Berichterstatter auf und deutet die Ereignisse aus seiner Sicht.
Die Handlung ist in die Zeit des Pharaos Echnaton eingebettet, also in die Jahre um 1390 bis 1335 vor Christus. Sinuhe steigt zum Leibarzt am Königshof auf und erlebt aus nächster Nähe das Ringen um Macht und Glauben in dieser Umbruchszeit. Von diesem Mittelpunkt aus weitet sich sein Lebensweg immer wieder ins Ferne.
Mehrere Reisen tragen ihn hinaus in die bekannte Welt der Antike. Er kommt nach Babylon und nach Kreta und lernt fremde Völker, Städte und Bräuche kennen. Auf diesen Wegen sammelt er als Arzt Erfahrung und als Mensch Enttäuschung wie Einsicht. So verbindet der Roman das persönliche Schicksal eines Einzelnen mit dem großen Panorama einer ganzen Epoche.
Stil↑
Getragen wird das Buch von der durchgehenden Ich-Erzählung: Sinuhe berichtet aus der Rückschau von seinem Leben, und diese persönliche Stimme hält die weit ausgreifende Handlung zusammen. Der Stoff ist in fünfzehn Bücher gegliedert, die den Lebensweg des Arztes Schritt für Schritt nachzeichnen.
Über die bloße Lebensgeschichte hinaus entfaltet Waltari eine breite Kultur- und Sittengeschichte des vorchristlichen Orients. Vorausgegangen waren dem umfangreiche historische Studien, die dem Roman seine dichte, sachkundige Ausstattung geben. Angeregt wurde Waltari durch die altägyptische Geschichte von Sinuhe, einen der ältesten überlieferten literarischen Texte.
Rezeption↑
Zu einem weltweiten Erfolg wurde der Roman rasch und fand ein großes Publikum über die Grenzen Finnlands hinaus. Anerkennung erhielt er auch bei Fachleuten: Ägyptologen würdigten die genaue Kenntnis der dargestellten Welt, und Mediziner beachteten die geschilderten Schädelöffnungen, die sich später bestätigen ließen.
Im Jahr 1954 verfilmte Michael Curtiz den Stoff unter dem Titel Sinuhe der Ägypter. Auch im deutschen Sprachraum blieb das Werk über Jahrzehnte präsent. Die Übertragung von Charlotte Lilius erschien erstmals 1950 und wurde lange für alle deutschsprachigen Ausgaben verwendet; sie beruhte allerdings nicht auf dem finnischen Original, sondern auf einer schwedischen Fassung. Erst 2014 legte Andreas Ludden im Verlag Bastei Lübbe eine ungekürzte, unmittelbar aus dem Finnischen angefertigte Übersetzung vor.
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