Meisterwerke der Worte
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
Werkseintrag · Cinq-Mars
Eingang · Werke · Cinq-Mars
Cover Cinq-Mars
Cinq-Mars
1826
– Werkseintrag –

Cinq-Mars

1826 · Roman

Ein junger Edelmann steigt am Hof Ludwigs XIII. auf, um seine Geliebte zu gewinnen – und verstrickt sich dabei in eine Verschwörung gegen den mächtigen Kardinal Richelieu.

Überblick↑

Der historische Roman Cinq-Mars stammt von dem französischen Dichter Alfred de Vigny und erschien am 25. April 1826. Sein vollständiger Titel lautet „Cinq-Mars oder Eine Verschwörung unter Ludwig XIII.“. Das Werk spielt am Hof König Ludwigs XIII. und erzählt zweierlei zugleich: eine Verschwörung gegen den mächtigen Kardinal Richelieu und die Liebe des jungen Marquis de Cinq-Mars zu Maria Gonzaga, der späteren Königin von Polen. Vigny stammte aus einer streng königstreuen Adelsfamilie und dachte viel über den Niedergang des französischen Adels nach. In Richelieu sah er den Mann, der die Macht des Adels brach, um die unumschränkte Herrschaft des Königs zu stärken. Aus dieser Frage nach Aufstieg und Fall der Adligen erwuchs der Roman.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Die Handlung setzt im Jahr 1639 ein. Der junge Henri d'Effiat, Marquis de Cinq-Mars, verlässt sein Elternhaus, um in den Dienst des Kardinals Richelieu zu treten. Heimlich trifft er seine Geliebte, Prinzessin Maria Gonzaga, und verspricht ihr, alles zu tun, damit eine Ehe zwischen ihnen möglich wird. Doch zwischen den beiden steht ihr ungleicher Rang: Nur als hoher Würdenträger dürfte er um ihre Hand werben.

Auf seinem Weg wird Cinq-Mars in Loudun Zeuge eines Hexenprozesses, in dem der Priester Urbain Grandier auf Betreiben des Kardinals angeklagt ist. Bald darauf zieht er in den Krieg vor die Festung Perpignan, die den Spaniern entrissen werden soll. Am Hof steigt er rasch zum Günstling des Königs auf. Je höher er steigt, desto tiefer verstrickt er sich in die Ränke der Macht. Um sein Ziel zu erreichen, muss er sich gegen den Kardinal wenden. Und allmählich gerät seine Liebe in Widerstreit mit seinem Ehrgeiz.

Die Handlung im Detail↑

Im Jahr 1639 setzt die Handlung ein. Henri d'Effiat, der junge Marquis de Cinq-Mars, verlässt sein Schloss, um beim Kardinal Richelieu in Dienst zu treten. Kaum ist er fort, wird der auf dem Schloss verborgene Marschall de Bassompierre von einem Beamten des Kardinals verhaftet. Cinq-Mars, der bei Nacht zurückkehrt, will ihn befreien, doch der Marschall lehnt die Flucht ab. Vor seiner Abreise trifft Cinq-Mars heimlich seine Geliebte, Prinzessin Maria Gonzaga, und schwört, für ihre Ehe zu kämpfen.

Auf der Reise wird er in Loudun Zeuge eines Hexenprozesses gegen den Priester Urbain Grandier. Als Zeugin sagt Jeanne de Belfiel gegen ihn aus, die Priorin des dortigen Klosters und Nichte des Richters Laubardemont, der den Prozess im Auftrag des Kardinals führt. Als die Nonne erkennt, dass Grandier zum Tode verurteilt werden soll, widerruft sie ihre Aussage und beschuldigt die Richter der Fälschung. Es hilft nichts: Grandier wird gefoltert und auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Am nächsten Tag begegnet Cinq-Mars in einem Gasthaus Jeanne, die ihm einen baldigen Tod prophezeit.

König und Kardinal befinden sich vor Perpignan, das sie den Spaniern abnehmen wollen. Richelieu, in Ungnade gefallen, legt sein Amt als erster Minister nieder und bittet, die verbannte Königinmutter Maria de' Medici zurückzurufen. Gerührt setzt der König ihn wieder in seine Gunst ein. Doch wenige Stunden später erfährt er vom Tod der Mutter in Köln. Um den König für sich zu gewinnen, stößt der Kardinal einen neuen Angriff auf Perpignan an, bei dem der König großen Erfolg hat. Cinq-Mars, der einem Priester namens de Gondi als Sekundant in einem Zweikampf dient, steht beim Beginn des Angriffs vor den Mauern der Stadt. Die Duellanten erobern an der Spitze einer versprengten Reiterschar eine spanische Bastion und machen Gefangene.

Dem Kardinal zum Trotz begünstigt der König nun Cinq-Mars und ernennt ihn zum Hauptmann seiner Garde. Er kehrt nach Paris zurück und weist den Minister an, im Süden zu bleiben. Der verwundete Cinq-Mars erfährt, dass einer seiner Gefangenen der Sohn Laubardemonts ist, der vor seinem Vater zu den Spaniern geflohen war. Sein Freund de Thou versteht seinen politischen Ehrgeiz nicht. In das Zelt Richelieus dringt die wahnsinnige Diana ein, die den Kardinal ermorden will, ihn aber nicht erkennt.

Einige Jahre später ist Cinq-Mars zum Günstling des Königs und zum Großstallmeister aufgestiegen. Seine Anhänger zetteln in den Straßen von Paris Unruhen gegen den Kardinal an, der sich weiter im Süden, in Narbonne, aufhält. Maria Gonzaga, inzwischen Hofdame der Königin Anna von Österreich, gesteht dieser, dass sie mit Cinq-Mars verlobt ist. Um sie heiraten zu dürfen, müsste er den Rang eines Herzogs erlangen. In den Gemächern der Königin treffen sich die Verschwörer: der Herzog de Bouillon, der Königsbruder Gaston, Cinq-Mars und de Thou, den sein Freund in die Sache hineinzog. Angesichts des nahenden Todes des Königs wollen sie verhindern, dass der Kardinal die Regentschaft und die Vormundschaft über die Königssöhne erhält. Notfalls wären sie zu spanischer Hilfe bereit, was die Königin ablehnt. In Chambord überredet Cinq-Mars den König, den Kardinal zu entmachten. Doch Pater Joseph, der Spion des Kardinals, belauscht das Gespräch.

Am nächsten Tag, auf der Jagd, wendet sich der König von den Verschwörern ab. Cinq-Mars beschließt, Fontrailles und Jacques de Laubardemont auszusenden, um einen geheimen Vertrag mit Spanien zu schließen. Im Salon der Marion Delorme, wo Gelehrte und Künstler zusammenkommen – darunter Descartes, Corneille, Molière und Milton –, nimmt er den Versammelten den Verschwörereid ab. In der Kirche Saint-Eustache trifft er heimlich Maria und weiht sie in alles ein. Doch Zeuge des Gesprächs ist nicht der vertraute Priester Quillet, sondern erneut Pater Joseph.

Zwei Monate später gerät Jacques de Laubardemont, der den Vertrag bei sich trägt, am Pass von Oloron in einen Hinterhalt, den sein eigener Vater im Auftrag des Kardinals gelegt hat. Der junge Mann kommt um, und der Vertrag fällt dem Vater in die Hände. In einer Hütte auf dem Pass stirbt die wahnsinnige Diana, die dort seit Jahren gelebt hat. Die Königin bewegt Maria dazu, die polnische Krone in Betracht zu ziehen, und bemerkt, dass das Mädchen nicht abgeneigt ist. Sie teilt dies Cinq-Mars in einem Brief mit, woraufhin er den Anschlag auf den Kardinal aufhält.

Der Kardinal aber hat die Verschwörung längst durchschaut. Er bewegt den Königsbruder zum Rückzug, lässt den Herzog de Bouillon verhaften und ist zum Schlag gegen Cinq-Mars bereit. Cinq-Mars und de Thou begeben sich in seinen Palast und liefern sich ihm aus. In der Zelle bietet Pater Joseph dem Gefangenen an, den Kardinal zu ermorden – im Tausch gegen einen Kardinalshut. Cinq-Mars lehnt ab. Gemeinsam mit seinem Freund, der ihn nicht verlassen will, bereitet er sich auf dem Schloss zu Lyon auf den Tod vor. Freunde planen seine Flucht nach Italien, doch er weigert sich. Als er zum Schafott geführt wird, findet zur gleichen Zeit in Paris ein Fest statt. Als Maria von seiner Hinrichtung erfährt, verliert sie die Besinnung. Auf dem Fest begegnen sich Corneille und Milton; Corneille liest einen Brief vor, der Cinq-Mars' Ende schildert.

Stil↑

Als historischer Roman verbindet das Werk verbürgte Gestalten der Geschichte mit einer erfundenen Liebeshandlung. Neben Richelieu, Ludwig XIII. und dem Marquis de Cinq-Mars treten Persönlichkeiten wie der Priester Urbain Grandier, Marion Delorme und Pater Joseph auf. In Marion Delormes Salon lässt Vigny berühmte Köpfe der Zeit zusammentreffen – Descartes, Corneille, Molière und Milton.

Der Aufbau folgt einem sittlichen Gedanken. Drei Gestalten verkörpern drei Arten des Ehrgeizes: der Kardinal Richelieu, Pater Joseph und Cinq-Mars selbst. Cinq-Mars ist ehrgeizig aus Liebe; er will emporsteigen, um der geliebten Maria würdig zu werden. Pater Joseph steht für eine kalte Nützlichkeitsmoral, in der es nur Vorteil und Eigennutz gibt, weder Pflicht noch Ehre. Und Richelieu, der Mächtige, erweist sich als der Unglücklichste von allen, weil seine ganze Macht am Laune eines wankelmütigen Königs hängt.

Ein weiterer Grundgedanke durchzieht das ganze Buch: die Vorstellung, dass jede Schuld ihre Strafe findet. Wer das sittliche Gesetz verletzt, wird bestraft – die falschen Richter, die verleumderische Nonne, der machthungrige Pater, ja der Kardinal selbst, den Reue und Unzufriedenheit plagen. Bei der Überarbeitung strich Vigny jene Züge, die den Roman einem Schauerroman ähnlich gemacht hätten, und prüfte die geschichtlichen Einzelheiten mit besonderer Sorgfalt.

Rezeption↑

In der Literatur seiner Zeit war der Ehrgeiz ein vielbehandeltes Thema – angeregt durch die Laufbahn Napoleons und den Wandel der gesellschaftlichen Ordnung. Der Roman Cinq-Mars gehört in diesen Kreis von Werken, zu dem auch Schillers Wallenstein, Walter Scotts Kenilworth und Stendhals Rot und Schwarz zählen.

Das Werk entstand in einer Blütezeit des historischen Romans. Vigny hatte sich an Victor Hugos Han von Island begeistert und wollte sich selbst in dieser Gattung versuchen. So verband er den Stoff um Cinq-Mars mit den Gedanken des Kardinals de Retz über die Rolle des Adels und reihte sich damit in die aufblühende Gattung des historischen Romans ein.

Mitglieder des YouTube-Kanals erhalten das ganze Lexikon als PDF zum Download – zum Sammeln, Offline-Lesen und Ausdrucken. Mitglied werden →

meisterwerke-der-worte.de · Auszug aus dem Lexikon · Alle Rechte vorbehalten