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MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
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Werkseintrag · Fer-de-Lance
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Cover Fer-de-Lance
Fer-de-Lance
1934
– Werkseintrag –

Fer-de-Lance

1934 · Roman

Ein Metallarbeiter verschwindet, ein Universitätspräsident stirbt auf dem Golfplatz, und der Detektiv Nero Wolfe, der sein Haus am liebsten nicht verlässt, entwickelt aus einem Zeitungsausschnitt eine kühne Vermutung über die wahre Todesursache.

Überblick↑

Mit dem Kriminalroman Fer-de-Lance begann Rex Stout 1934 seine Reihe um den Detektiv Nero Wolfe. Das Buch erschien bei Farrar & Rinehart in den Vereinigten Staaten. In gekürzter Fassung kam es im November 1934 unter dem Titel Point of Death in der Zeitschrift The American Magazine heraus. Der Titel spielt auf eine Giftschlange gleichen Namens an. 1936 wurde der Stoff unter dem Titel Meet Nero Wolfe verfilmt. Der Kriminalliteratur-Historiker Howard Haycraft nahm das Werk 1941 in seine Liste der einflussreichen Werke der Gattung auf.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Der Schauplatz ist New York zur Zeit der Weltwirtschaftskrise. Maria Maffei bittet den Detektiv Nero Wolfe, ihren verschwundenen Bruder Carlo zu suchen, einen Metallarbeiter. Wolfe, dem die schlechten Zeiten zusetzen, nimmt den wenig verlockenden Auftrag an. Sein Mitarbeiter Archie Goodwin findet ein junges Mädchen, Anna Fiore, das ein Telefonat des Vermissten mitgehört hat. Von ihr erfährt Wolfe, dass Carlo einen Zeitungsausschnitt aufbewahrte: die Meldung vom plötzlichen Tod des Universitätspräsidenten Peter Oliver Barstow, der offenbar einem Schlaganfall erlegen war.

Barstow war während einer Runde Golf zusammengebrochen. Wolfe, der sein Haus am liebsten nicht verlässt, entwickelt aus dem Zeitungsbericht eine kühne Vermutung über die wahre Todesursache. Von da an richtet sich der Blick auf die Familie Barstow und auf die Mitspieler jener Golfpartie, den Geschäftsmann E. D. Kimball und dessen Sohn Manuel. Während Archie draußen die Wege abgeht und Zeugen befragt, denkt Wolfe zu Hause. Bald wird deutlich, dass die Ermittler jemandem gefährlich werden, der vor nichts zurückschreckt.

Die Handlung im Detail↑

Zu Beginn wendet sich Maria Maffei an Nero Wolfe. Sie ist eine Freundin aus dem Umkreis eines seiner freien Mitarbeiter und sucht ihren Bruder Carlo, einen Metallarbeiter. Wolfe nimmt den Fall an, weil ihm die Wirtschaftskrise finanziell zusetzt. Archie Goodwin spürt Anna Fiore auf. Das Mädchen hat in der Pension, in der Carlo wohnte, kurz vor dessen Verschwinden ein Telefongespräch belauscht. Wolfe erfährt von ihr, dass Carlo aus der New York Times einen Artikel ausgeschnitten hatte. Darin ging es um den plötzlichen Tod von Peter Oliver Barstow, dem Präsidenten des Holland College, der einem Schlaganfall erlegen schien. Mehr will Anna über Carlo nicht sagen. Kurz darauf wird Carlo auf dem Land tot aufgefunden, erstochen.

Aus dem Zeitungsbericht schließt Wolfe, dass Barstow während einer Golfrunde durch einen präparierten Schläger getötet wurde: Der Schläger habe beim Schlag eine vergiftete Nadel in den Bauch des Spielers geschossen. Eine Obduktion bestätigt die Vermutung. Nun konzentrieren sich Wolfe und Archie auf die Familie Barstow und deren Bekannte, darunter E. D. Kimball und dessen Sohn Manuel, die beide zur Vierergruppe auf dem Golfplatz gehörten. Bei der Suche nach Barstows Golftasche erfährt Archie von den Caddies, dass Barstow sich während der Runde einen Schläger von E. D. Kimball geliehen hatte. Zusammen mit dem, was E. D. über seine Vergangenheit in Argentinien erzählt, führt das zu einem Schluss: Manuel wollte nicht Barstow töten, sondern seinen eigenen Vater. Der Grund liegt Jahre zurück und hängt mit dem Tod seiner Mutter zusammen. Archie weist außerdem Manuels Wege am Tag von Carlos Tod nach, womit dieser auch für den zweiten Mord in Frage kommt.

Manuel schlägt zurück. Ein Helfer versteckt eine Giftschlange, eine Lanzenotter, in Wolfes Schreibtischschublade. Wolfe und Archie entdecken das Tier und töten es. Mit Maria Maffeis Hilfe inszenieren die beiden auf dem Land einen Überfall, um Anna Fiore Angst zu machen und sie zum Reden zu bringen. Der Trick gelingt. Anna gibt Papiere heraus, die belegen, dass Manuel Carlo den tödlichen Schläger bauen ließ.

Der Kimball-Besitz wird überwacht, und Manuel erhält eine Abschrift der Beweise. Als Archie mit der örtlichen Polizei anrückt, um die Verhaftung zu ermöglichen, ist es zu spät: Manuel, ein leidenschaftlicher Flieger, ist mit seinem Vater aufgestiegen. Vor den Augen der Beobachter stürzt das Flugzeug senkrecht zu Boden. Beide Kimballs sterben beim Aufprall. Wolfe kassiert die 50.000 Dollar Belohnung, die Barstows Witwe für die Ergreifung des Mörders ausgesetzt hatte, dazu weitere 10.000 Dollar von einem Staatsanwalt, der die Mordtheorie bezweifelt hatte. Wolfe bemerkt, der Ausgang habe Vater und Sohn erlaubt, ohne Bitterkeit und Verzweiflung aus dem Leben zu gehen. Archie hält trocken fest, dass Wolfe damit auch sein bequemes Haus nicht verlassen muss, um vor Gericht auszusagen.

Stil↑

Erzählt wird durchgehend aus der Sicht des Gehilfen Archie Goodwin, der seinen Chef beobachtet, kommentiert und dabei den Leser mit trockenem Witz begleitet. Aus dieser Doppelbesetzung entsteht die Bauform des Buches: Wolfe bleibt in seinem Haus und denkt, Archie geht hinaus, sucht Zeugen auf, prüft Wege und Zeiten. Die Aufklärung wächst so aus Gesprächen und Schlussfolgerungen statt aus Verfolgungsjagden. Wolfe selbst spricht seine Wirkung offen aus: Er nennt sich einen Schauspieler und gesteht seine Schwäche für die dramatische Ankündigung. Einzelne Sätze aus den Fällen leben von dieser Lust am großen Auftritt, etwa: „There is death in this room.“ Auch der Titel arbeitet mit einem solchen Effekt, denn er nennt eine Giftschlange und hält das Bild der verborgenen tödlichen Gefahr über den ganzen Roman.

Rezeption↑

Das Buch begründete eine der langlebigen Figurenreihen der amerikanischen Kriminalliteratur: Nero Wolfe und Archie Goodwin traten danach in zahlreichen weiteren Büchern auf. Schon die Zeitschriftenfassung von 1934 brachte den Stoff einem breiten Publikum nahe. Zwei Jahre später kam mit Meet Nero Wolfe die Verfilmung unter der Regie von Herbert Biberman heraus. Dauerhaftes Gewicht erhielt der Roman durch das Urteil der Fachliteratur: Howard Haycraft zählte ihn 1941 in seiner Geschichte der Kriminalliteratur Murder for Pleasure zu den einflussreichen Werken der Gattung.

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