Meisterwerke der Worte
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
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Werkseintrag · Die Hose
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Die Hose
1911
– Werkseintrag –

Die Hose

1911 · Komödie

Weil einer jungen Frau in aller Öffentlichkeit die Unterhose herunterrutscht, gerät die wohlgeordnete Welt des braven Bürgertums gehörig ins Wanken.

Überblick

Das Bühnenstück Die Hose von Carl Sternheim wurde 1911 veröffentlicht. Es gilt als sein bekanntestes Werk und eröffnet den Komödienzyklus Aus dem bürgerlichen Heldenleben. Die Uraufführung am 15. Februar 1911 in den Kammerspielen des Deutschen Theaters Berlin durfte wegen eines Verbots der Polizei zunächst nur unter dem Tarntitel Der Riese und vor geladenem Publikum stattfinden, da der eigentliche Titel den Behörden als anstößig galt. Die Komödie ist eine umfassende Satire auf die Gesellschaft ihrer Zeit. Ausgangspunkt ist ein winziger, an sich belangloser Vorfall, der am Ende die ganze Ordnung des braven Bürgertums ins Wanken bringt.

Inhalt (ohne Spoiler)

Auslöser der Handlung ist ein peinlicher Zwischenfall: Einer jungen Frau rutscht in aller Öffentlichkeit die Unterhose herunter, sodass für einen Augenblick ihre Wäsche zu sehen ist. Aus dieser Kleinigkeit erwächst nach und nach eine Erschütterung, die weit über den Moment hinausreicht.

Im Mittelpunkt stehen der kleine Beamte Theobald Maske und seine junge Frau Luise. Der Vorfall zieht zwei neue Untermieter an, Mandelstam und Scarron, die sich im Haus einquartieren. Beide begehren Luise und bemühen sich auf ihre Weise um sie. Der eine setzt auf schwärmerische Begeisterung für die Musik, der andere auf große, wohlklingende Worte. Während die Männer um die junge Frau werben, wahrt der Ehemann sorgsam den äußeren Anschein von Ordnung und Anstand.

Die Handlung im Detail

Am Anfang steht ein scheinbar harmloses Missgeschick: Luise Maske verliert beim Vorbeigehen an einer Parade ihre Unterhose, und für einen Augenblick wird in aller Öffentlichkeit ihre Wäsche sichtbar. Dieser kleine Vorfall setzt die ganze Handlung in Gang.

Die Eheleute sind der kleine Beamte Theobald Maske und seine junge Frau Luise. Infolge des Zwischenfalls mieten sich zwei Männer bei ihnen ein: Mandelstam und Scarron. Beide begehren Luise und versuchen, sie für sich zu gewinnen. Ihre Bemühungen bleiben jedoch erfolglos. Mandelstam trägt vergeblich Richard Wagner vor, um sie zu rühren. Scarron erobert zunächst ihre Gunst mit einem Schwall gestelzter, poetischer Sätze, verschwindet dann aber ergebnislos in sein Zimmer und schließt sich dort ein.

Während die beiden Rivalen scheitern, wahrt Theobald nach außen die Ordnung und den Schein des Anstands. Gerade dieser Anschein deckt sein eigenes Treiben: Er stillt sein erotisches Verlangen bei der Nachbarin Gertrud Deuter. So legt das Stück die doppelte Moral des kleinen Bürgers offen, die Theobald ohne Skrupel für seine eigenen Interessen ausnutzt.

Stil

Als Komödie treibt das Stück seine Wirkung aus dem Gegensatz zwischen einem lächerlichen Anlass und den großen Folgen, die er auslöst. Die Sprache der Werber entlarvt sich selbst: Der eine schwärmt von Musik, der andere ergeht sich in gestelzten, wohlklingenden Phrasen, ohne damit etwas zu erreichen. Gerade diese hohlen großen Worte werden zum Mittel der Satire.

Das Werk steht in der Nähe der Bühnenstücke Frank Wedekinds. Zugleich erinnert es an eine Komödie von Eugène Labiche, in der ein Mann durch ganz Paris hetzen muss, um für einen beschädigten italienischen Strohhut ein genaues Ersatzstück zu finden – auch dort löst ein nichtiger Gegenstand eine ganze Kette von Verwicklungen aus.

Rezeption

Unter den Werken Sternheims fand Die Hose die weiteste Verbreitung. Der Stoff wirkte über die Bühne hinaus fort. Im Jahr 1927 entstand nach Sternheims Vorlage eine Verfilmung als Stummfilm, bei der Hans Behrendt Regie führte.

Auch international hat das Stück Spuren hinterlassen. Der Schauspieler und Autor Steve Martin ließ sich von Sternheims Komödie zu seinem Bühnenwerk The Underpants anregen, das 2002 in New York uraufgeführt wurde. In Frankreich kam der Stoff auf die Bühne, unter anderem in einer Bearbeitung von Roland Dubillard und Maria Machado unter dem Titel La Culotte d’une jeune femme pauvre, die 1979 am Théâtre Saint-Georges in Paris gezeigt wurde.

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