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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Werkseintrag · Doktor Glas
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Cover Doktor Glas
Doktor Glas
1905
– Werkseintrag –

Doktor Glas

1905 · Roman

Ein Arzt vertraut seinem Tagebuch an, wie aus heimlicher Liebe der Gedanke wächst, einen Menschen für das Glück eines anderen zu beseitigen.

Überblick↑

Der Roman Doktor Glas von Hjalmar Söderberg erschien 1905 in Schweden. Erzählt wird er als Tagebuch seiner Hauptfigur, eines Arztes namens Glas. In die Handlung sind ausführliche Gedanken über schwierige sittliche Fragen eingeflochten – etwa über Sterbehilfe, Schwangerschaftsabbruch und das Wesen der Moral überhaupt. Um die Jahrhundertwende löste das Buch breite Diskussionen aus. Die Fragen, die es aufwirft, werden bis heute in weltanschaulichen Auseinandersetzungen verhandelt.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Im Mittelpunkt steht der Arzt Doktor Glas und seine verborgene Zuneigung zur jungen Frau des Pastors Gregorius. Diese Frau vertraut ihm eines Tages an, dass sie vor ihrem alten Mann Widerwillen empfindet, wenn er körperliche Nähe von ihr verlangt. Sie liebt einen jungen Mann namens Klas Recke, und die Nähe zu ihrem greisen Gatten kann sie vor diesem Hintergrund nicht ertragen.

Glas sieht in der Verbindung des alten Pastors mit der jungen Frau etwas Unnatürliches, in ihrer Zuneigung zu Klas dagegen etwas, das der Natur entspricht. Von diesem Gefühl geleitet, rät er dem Pastor, für einige Wochen zu verreisen, um seine Gesundheit zu bessern. Während dieser Abwesenheit gerät der Arzt selbst in ein tiefes, einseitiges Gefühl für die junge Frau. Aus den Grenzsituationen, in die ihn all dies führt, entwickeln sich seine ausgedehnten Betrachtungen über Liebe und Tod.

Die Handlung im Detail↑

Der Arzt Doktor Glas führt ein Tagebuch, in dem sich das Geschehen entfaltet. Er empfindet eine heimliche Liebe zur jungen Ehefrau des Pastors Gregorius. Dieses Gefühl erwacht, als die Frau sich ihm anvertraut: Sie fühlt Ekel vor ihrem alten Mann, wenn dieser körperliche Nähe von ihr fordert, und sie kann es nicht ertragen, weil sie einen jungen Mann namens Klas Recke liebt.

Glas hält die Ehe des alten Pastors mit der jungen Frau für etwas Widernatürliches, während er in ihrer Verbindung zu Klas etwas Naturgemäßes erkennt. Dieser Überzeugung folgend, legt er dem Pastor nahe, für einige Wochen fortzureisen, um sich zu erholen. Während dieser Abwesenheit verliebt sich der Arzt selbst einseitig in die junge Frau. Er fasst den Entschluss, sie auf Dauer von ihrem Mann zu befreien, damit sie ihr Glück mit dem jungen Geliebten finden kann.

Nachdem der Pastor aus dem Sanatorium zurückgekehrt ist, vergiftet Doktor Glas ihn. Kurze Zeit nach dem Tod des Pastors verstrickt sich der junge Klas Recke jedoch in eine andere Liebesbeziehung. Diese Wendung führt den Arzt in mehrere Grenzsituationen, die ihn zu philosophischen und sittlichen Überlegungen über Liebe und Tod herausfordern. Nebenhandlungen kommen hinzu, sodass die Aussage des Romans vielschichtig und sehr uneindeutig bleibt.

Stil↑

Erzählt wird der gesamte Roman in Tagebuchform: Der Arzt selbst hält das Geschehen in seinen Aufzeichnungen fest. Dadurch erlebt der Leser alles allein aus dessen Sicht. In den Fortgang der Ereignisse sind fortlaufend Gedanken über bedeutende sittliche Fragen eingewoben. Die Grenzsituationen, in die die Hauptfigur gerät, dienen als Anlass für ihre philosophischen und moralischen Betrachtungen. Durch die eingeflochtenen Nebenhandlungen wird die Aussage des Werks bewusst vielschichtig und mehrdeutig gehalten.

Rezeption↑

Um die Jahrhundertwende rief der Roman breite Diskussionen hervor. Die Themen, die er berührt – unter anderem Sterbehilfe, Schwangerschaftsabbruch und die Frage nach dem Wesen der Moral –, gehören auch heute noch zu den wichtigen weltanschaulichen Streitpunkten. Bereits 1905 erschien eine Besprechung des Werks von Oscar Levertin. Später fand das Buch auch außerhalb Schwedens Verbreitung: In polnischer Übersetzung von Ewa Gruszczyńska erschien es im Jahr 2003.

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