1869 – 1941
Hjalmar Söderberg
Kurzbiografie↑
Zu den meistgelesenen und beliebtesten schwedischen Schriftstellern der Jahrhundertwende zählt Hjalmar Söderberg, geboren 1869 in Stockholm und gestorben 1941 in Kopenhagen. Er gehört zur Literatur des Fin de Siècle. Als Journalist verdiente er seinen Lebensunterhalt, als Erzähler schuf er Romane und Novellen, die im Stockholm um 1900 spielen. Sein Roman Doktor Glas von 1905 gilt als sein Meisterwerk und löste bei seinem Erscheinen einen Skandal aus.
Biografie↑
Geboren wurde Hjalmar Emil Fredrik Söderberg am 2. Juli 1869 in Stockholm, als Kind einer Beamtenfamilie, und er wuchs dort auf. Nach einem Studienversuch an der Universität von Uppsala begann er als Journalist zu arbeiten, zunächst in Kristianstad und danach in Stockholm. Dort erhielt er 1897 eine feste Anstellung bei der Zeitung Svenska Dagbladet.
Sein erster Roman Förvillelser (deutsch Irrungen, 1914, bzw. Verirrungen, 2006) erschien 1895 und gehört zur Flaneurliteratur des Fin de Siècle. Söderberg schildert darin desillusionierte Tagediebe und deren dekadentes Treiben. Der Roman enthält, wie auch die folgenden Bücher, anschauliche Bilder des Stockholms der Jahrhundertwende. Schon nach diesem Erstling warf man ihm vor, Sitte und guten Geschmack zu verderben. In der Novellensammlung Historietter von 1898 hatte er seinen eigenen Stil gefunden: klar, präzise, kurz und leicht ironisch. Der teils autobiografische Entwicklungsroman Martin Bircks ungdom (Martin Bircks Jugend) von 1901 beschreibt Kindheit, Studienzeit und das Leben eines jungen Beamten im Stockholm vor der Jahrhundertwende.
Doktor Glas erschien 1905 und gilt als sein Meisterwerk. In diesem Roman rechtfertigt der Autor unter bestimmten Voraussetzungen einen Mord. Das löste bei der konservativen Kulturkritik einen Skandal aus, und Söderberg wurde zum Mittelpunkt moralischer Abscheu in konservativen Kreisen.
Im Jahr 1899 heiratete er Märta Abenius (1871–1932), mit der er drei Kinder bekam: Dora, Tom und Mikael. Sein Einkommen reichte nicht für einen bürgerlichen Haushalt, sodass er in finanzielle Schwierigkeiten geriet. Diese verschärften sich, als seine Ehe einige Jahre später in die Brüche ging. Damit endete auch eine lange Affäre, die zur Scheidung führte. Söderberg zog 1906 nach Kopenhagen. Dort lernte er 1907 die Maskenbildnerin Emilie Voss (1876–1957) kennen. Die beiden heirateten und bekamen die Tochter Betty Söderberg, die später als Theaterschauspielerin tätig war. Finanziell war Söderberg auf Vorschüsse seines Verlegers Bonnier angewiesen und vor allem auf großzügige Darlehen seines Freundes und Mäzens Ernest Thiel. Zudem hatte er später mit Alkoholproblemen zu kämpfen.
Diese Erfahrungen verarbeitete er im Drama Gertrud (1906) und im Roman Den allvarsamma leken (deutsch Das ernsthafte Spiel) von 1912, der zu den wichtigsten Romanen der schwedischen Literatur der Jahrhundertwende gezählt wird. In den folgenden Jahren widmete er sich der Religionsgeschichte und politischen Fragen. Seine kritische Beschäftigung mit religiösen Themen führte zu den Romanen Jahves eld (1918) und Jesus Barabbas (1928). Sein politisches Engagement richtete sich gegen den aufkommenden Faschismus, den er vor allem in Artikeln in der Zeitung Göteborgs Handels- och Sjöfartstidning bekämpfte. Hjalmar Söderberg starb am 14. Oktober 1941 im Alter von 72 Jahren. Seine Grabstätte befindet sich auf dem Vestre Kirkegård in Kopenhagen.
Literarische Merkmale↑
Kennzeichnend für Söderbergs Schreiben ist eine Sprache, die klar, präzise, kurz und leicht ironisch wirkt. Diesen eigenen Ton fand er mit der Novellensammlung Historietter von 1898. Immer wieder kehrt bei ihm das Stockholm der Jahrhundertwende wieder: Seine Romane enthalten anschauliche Schilderungen der Stadt. In seinem Frühwerk zeigt er desillusionierte Tagediebe und deren dekadentes Treiben und schließt damit an die Flaneurliteratur des Fin de Siècle an.
Rezeption↑
Heute gilt Söderberg als einer der meistgelesenen und beliebtesten schwedischen Schriftsteller der Jahrhundertwende. Zu Lebzeiten stieß er dagegen auf heftigen Widerstand. Bereits nach seinem ersten Roman warf man ihm vor, Sitte und guten Geschmack zu verderben. Mit Doktor Glas, in dem er unter bestimmten Voraussetzungen einen Mord rechtfertigt, löste er 1905 bei der konservativen Kulturkritik einen Skandal aus und wurde in konservativen Kreisen zum Mittelpunkt moralischer Abscheu. Sein späterer Roman Den allvarsamma leken von 1912 wird zu den wichtigsten Romanen der schwedischen Literatur der Jahrhundertwende gezählt.
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