1911 – 2011
Ernesto Sábato
Kurzbiografie↑
Ernesto Sábato war ein argentinischer Schriftsteller, Wissenschaftler und Maler. Geboren 1911, starb er im April 2011, kurz vor seinem hundertsten Geburtstag. Bevor er sich der Literatur zuwandte, arbeitete er als Physiker und lehrte theoretische Physik. Bekannt wurde er vor allem durch seine Romane, unter ihnen „Der Tunnel“ und „Über Helden und Gräber“. Nach dem Ende der Militärdiktatur leitete er die Kommission, die deren Verbrechen untersuchte; ihr Bericht erschien 1984 unter dem Titel „Nunca más“. 1984 wurde ihm der Cervantespreis zugesprochen.
Biografie↑
Geboren wurde Ernesto Sábato 1911 als zehntes von elf Kindern eines italienischen Einwandererpaares. Der Vater Francisco Sabato stammte aus Fuscaldo, die Mutter Juana María Ferrari aus San Martino di Finita. Beim Geburtsort widersprechen sich die Quellen: Wikidata nennt Caucete, die Deutsche Nationalbibliothek dagegen Rojas in der Provinz Buenos Aires.
In La Plata besuchte er die Schule und später die Universidad Nacional de La Plata. Sein Studium der Physik und Mathematik schloss er 1937 mit dem Doktortitel ab. Anschließend forschte er am Laboratoire Curie in Paris und durchlebte dort eine tiefe persönliche Krise. Nach Argentinien kehrte er 1940 zurück.
Mit 28 Jahren war er bereits Universitätsprofessor für theoretische Physik am Instituto de Física der Universität La Plata. Er arbeitete am Laboratoire Curie in Paris und am Massachusetts Institute of Technology über Atomphysik. Diesen Teil seines Lebens gab er 1945 endgültig auf. Fortan verdiente er sein Geld als Übersetzer, kurze Zeit war er auch bei der UNESCO tätig.
Sein erster Roman El Túnel erschien 1948; auf Deutsch liegt er als Der Tunnel vor. 1961 folgte Sobre Héroes y Tumbas, deutsch Über Helden und Gräber. 1974 erschien Abaddón el Exterminador, deutsch unter dem Titel Abaddon. Daneben schrieb Sábato zahlreiche Essays, darunter Hombres y Engranajes von 1951 und El escritor y sus fantasmas, das auf Deutsch als Die unbesiegten Furien erschien. Auch politische Streitschriften gehören dazu, etwa El otro rostro del peronismo von 1956. Mit Jorge Luis Borges veröffentlichte er einen Gesprächsband unter dem Titel Diálogos, herausgegeben von Orlando Barone. 1998 legte er unter dem Titel Antes del fin seine Erinnerungen vor, im Jahr 2000 folgte La Resistencia.
Auf Wunsch von Präsident Raúl Alfonsín übernahm Sábato 1983 den Vorsitz der Kommission zur Aufdeckung der Verbrechen der Militärdiktatur, kurz CONADEP. Sie untersuchte die Verbrechen der argentinischen Militärdiktatur der Jahre 1976 bis 1983. Der Dokumentationsband erschien 1984 unter dem Titel Nunca más, zu Deutsch „Nie wieder“. Nach Sábato wird er auch der Sábato-Bericht genannt.
Im selben Jahr erhielt er den Premio Miguel de Cervantes, und die Bibliothek des Instituto Cervantes in Budapest wurde nach ihm benannt. In seinen späteren Jahren betätigte er sich hauptsächlich als Maler. Im Alter erblindete er fast vollständig. Er starb am 30. April 2011. Auch beim Sterbeort gehen die Angaben auseinander: Wikidata nennt Santos Lugares, die Deutsche Nationalbibliothek Buenos Aires.
Aus der Familie sind zwei Söhne bekannt, Jorge Federico Sábato und Mario Sábato.
Literarische Merkmale↑
Sábatos Schreiben ist von seiner Herkunft aus den Naturwissenschaften geprägt und zugleich von deren Zurückweisung. Der Physiker gab seine Laufbahn 1945 auf und wandte sich der Literatur zu; die Frage nach dem Verhältnis von Literatur und Philosophie zieht sich seither durch sein Werk. Neben den Romanen steht ein umfangreiches essayistisches Werk, in dem er sich mit Zeitgenossen wie Alain Robbe-Grillet, Jorge Luis Borges und Jean-Paul Sartre auseinandersetzte. Politische Streitschriften und offene Briefe gehören ebenso dazu wie Betrachtungen über den Tango. Diese Doppelbegabung als Erzähler und Essayist bestimmt sein Werk über Jahrzehnte hinweg. In seinen letzten Lebensjahrzehnten trat die Malerei an die Stelle des Schreibens.
Rezeption↑
Sein Roman Sobre Héroes y Tumbas gilt als einer der bedeutendsten Romane der argentinischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Für Abaddón el Exterminador wurde Sábato 1976 mit dem Prix du Meilleur livre étranger ausgezeichnet. 1984 folgte der Premio Miguel de Cervantes, und im selben Jahr wurde die Bibliothek des Instituto Cervantes in Budapest nach ihm benannt. 1989 erhielt er den Jerusalempreis für die Freiheit des Individuums in der Gesellschaft.
Im deutschen Sprachraum liegen seine drei Romane in Übersetzung vor, ebenso mehrere Essaybände und der Gesprächsband mit Carlos Catania unter dem Titel Zwischen Schreiben und Leben. Auch die wissenschaftliche Auseinandersetzung setzte hier ein: Marianne Kneuer widmete ihm 1991 eine Bonner Dissertation über das Verhältnis von Literatur und Philosophie in seinem Werk. Im Kritischen Lexikon der Romanischen Gegenwartsliteraturen ist er mit Werkinterpretationen, Kurzbiographie und Werkverzeichnis vertreten.
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