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Ode an Aphrodite
– Werkseintrag –

Ode an Aphrodite

· Lyrik

Ein Liebesgebet aus dem antiken Griechenland, in dem eine Dichterin die Göttin Aphrodite anfleht, ihr im Schmerz einer unerwiderten Liebe beizustehen.

Überblick

Das Gedicht Ode an Aphrodite zählt zu den wenigen Werken der antiken griechischen Dichterin Sappho, die vollständig erhalten sind. In den Sammlungen ihrer erhaltenen Fragmente steht es an erster Stelle. Das lyrische Ich, das sich als Sappho selbst zu erkennen gibt, wendet sich an die Liebesgöttin Aphrodite und bittet sie um Beistand: Ein geliebtes Mädchen soll die Gefühle der Sprecherin endlich erwidern. Bis heute ist umstritten, wie ernst es gemeint ist, denn einige Stellen wirken durchaus humorvoll.

Inhalt (ohne Spoiler)

In dem Gedicht spricht Sappho selbst und richtet ein Gebet an die Liebesgöttin Aphrodite. Sie leidet an einer unerwiderten Liebe zu einer Frau, deren Name nicht genannt wird, und fleht die Göttin an, ihr in diesem Kummer beizustehen. Um Aphrodite zu bewegen, erinnert die Dichterin an eine frühere Begegnung, in der die Göttin ihr schon einmal zu Hilfe kam. So verbindet das kurze Werk die feierliche Anrufung einer Gottheit mit dem sehr persönlichen Schmerz einer Liebenden.

Die Handlung im Detail

Das Gedicht ist als Gebet an die griechische Liebesgöttin Aphrodite gestaltet. Zu Beginn ruft das lyrische Ich – Sappho selbst – die Göttin an und bittet sie, es nicht mit Kummer und Qual zu peinigen, sondern ihm beizustehen. Es ist eine der wenigen Stellen im erhaltenen Werk, an denen sich die Dichterin selbst beim Namen nennt. Dass die geliebte Person eine Frau ist, geht dabei nur aus einem einzigen weiblichen Wort im griechischen Text hervor.

Sappho leidet unter einer unerwiderten Liebe zu einem Mädchen und bittet Aphrodite, diese Schmerzen zu lindern. Um die Göttin zu überzeugen, ruft sie eine frühere Begegnung in Erinnerung. Damals war Aphrodite nach einer Anrufung erschienen. In der dritten Strophe schildert Sappho, wie die Göttin in einem Wagen vom Himmel herabfährt, vor den schöne Sperlinge gespannt sind.

Die Göttin habe die Dichterin gefragt, was sie diesmal erlitten habe und warum sie sie erneut rufe – wen sie diesmal für Sappho gewinnen solle. Dreimal fällt in dieser Antwort das Wort „wieder", was manche Ausleger als humorvolles Tadeln verstehen. Aphrodite tröstet Sappho mit dem Versprechen, dass sich das Verhältnis umkehren werde: Das Mädchen, das jetzt fliehe, werde die Dichterin bald selbst verfolgen und begehren. Nach diesem eingeschobenen Rückblick kehrt das Gedicht in die Gegenwart zurück. Es schließt mit einer erneuten Bitte an die Göttin, Sappho in ihren Liebesnöten beizustehen und ihr Verbündete zu sein.

Stil

In äolischem Griechisch abgefasst, jener Mundart, wie sie auf Sapphos Heimatinsel Lesbos gesprochen wurde, folgt das Gedicht einer besonderen Versform. Sie ist nach der Dichterin benannt: In der Sapphischen Strophe folgen auf drei gleich lange Zeilen jeweils eine vierte, kürzere. Mit seinen sieben Strophen ist das Werk das längste erhaltene Fragment aus dem ersten Buch von Sapphos Gedichten.

Stark geprägt ist die Sprache von den Epen Homers. Besonders die dritte Strophe, in der Aphrodite zu den Sterblichen herabsteigt, häuft typische homerische Wendungen. Das Gedicht spielt auf Episoden der Ilias an; nach einer Deutung ist es sogar eine Umarbeitung einer Szene aus deren fünftem Buch, in der Aphrodite, Athene und der Held Diomedes zusammentreffen.

Umstritten ist der Ton des Werks. Manche Ausleger halten es für ein ernstes Gebet, das eine aufrichtige religiöse Erfahrung spiegelt. Andere lesen es als heiteren, unbeschwerten Text, der vor allem amüsieren soll. Für die humorvolle Lesart spricht etwa das Bild der Sperlinge, die den Wagen der Göttin ziehen, oder Aphrodites ironische Nachfrage im Gedicht: „Wer, o Sappho, tut dir Unrecht?"

Rezeption

Über Jahrhunderte war die Ode das einzige nahezu vollständig erhaltene Gedicht Sapphos – erst 2004 machten neue Papyrusfunde ein weiteres ihrer Werke fast lückenlos bekannt. Dass der Text überhaupt überliefert ist, verdankt sich einem glücklichen Umstand: Der antike Geschichtsschreiber Dionysios von Halikarnassos zitierte ihn vollständig in seiner Schrift Über die Anordnung der Wörter – als Musterbeispiel für den „glatten, feinen" Stil der griechischen Literatur. Teile der ersten einundzwanzig Zeilen fanden sich zudem auf einem Papyrus aus dem ägyptischen Oxyrhynchos.

In den späteren Sammlungen von Sapphos Werken stand die Ode an der Spitze des ersten Buches. Bis heute beschäftigt sie die Forschung. Diskutiert werden vor allem zwei unsichere Stellen im Text, unter ihnen das allererste Wort, das die Göttin näher beschreibt – je nach Lesart „auf buntem Thron sitzend" oder „mit buntem Sinn". Erst 1835 wurde erkannt, dass die geliebte Person eine Frau ist; diese Deutung setzte sich in der Forschung jedoch erst im 20. Jahrhundert allgemein durch. Damit zählt die Ode zu den wenigen Zeugnissen, in denen Sapphos Liebe zu Frauen sichtbar wird.

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