1928
Zwölf Stühle
Überblick↑
Der satirische Roman Zwölf Stühle erschien 1928 und stammt von den beiden sowjetischen Schriftstellern Ilja Ilf und Jewgeni Petrow. Er erzählt von einer Schatzsuche quer durch das nachrevolutionäre Russland und zählt zu den bekannten Werken der russischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Der Hauptheld, der Gauner Ostap Bender, kehrt im Fortsetzungsroman Das goldene Kalb von 1931 zurück. Viele Sätze und Wendungen aus dem Buch wurden im Gebiet der ehemaligen Sowjetunion zu geflügelten Worten.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
Am Sterbebett seiner Schwiegermutter erfährt der ehemalige Adelsvorsteher Ippolit Worobjaninow ein Geheimnis: Bei der Enteignung durch die Bolschewiki hatte die alte Frau die wertvollen Familienjuwelen in einem von zwölf Stühlen versteckt. Die Stühle wurden später beschlagnahmt und in alle Winde zerstreut. Von demselben Geheimnis erfährt der orthodoxe Priester Fjodor, der der Sterbenden die letzte Beichte abnimmt. Beide machen sich, unabhängig voneinander, auf die Jagd nach dem verborgenen Schatz.
Bald trifft Worobjaninow auf den gewitzten Ganoven Ostap Bender, der sich selbst den großen Kombinator nennt. Von nun an suchen die beiden gemeinsam. Ihre Reise führt sie durch das ganze Land, wo sie auf allerhand schräge Gestalten stoßen, deren Naivität und Schwächen der Roman spöttisch vorführt. Vor allem Benders Charme und Tatkraft treiben die Jagd voran. Parallel dazu verfolgt Vater Fjodor eine falsche Spur, und immer wieder kreuzen sich die Wege der Rivalen. Stuhl um Stuhl wird aufgespürt, doch der eigentliche Schatz will sich nicht zeigen.
Die Handlung im Detail↑
Nach der Russischen Revolution lebt der ehemalige Adelsvorsteher Ippolit Worobjaninow zurückgezogen und unauffällig. Am Sterbebett seiner Schwiegermutter erfährt er, dass diese vor Jahren die Familienjuwelen in einem der zwölf Stühle versteckte, als die Bolschewiki das Vermögen enteigneten. Die Stühle wurden später ebenfalls beschlagnahmt. Auch der Priester Fjodor, der der Frau die letzte Beichte abnimmt, hört von dem verborgenen Reichtum. So brechen beide getrennt zur Jagd auf.
Worobjaninow begegnet dem trickreichen Ganoven Ostap Bender. Als Bender von der adligen Herkunft seines Gegenübers erfährt, droht er mit einer Anzeige bei den Behörden. Worobjaninow bleibt nichts anderes übrig, als ihn einzuweihen, und so suchen die beiden fortan gemeinsam. Sie durchqueren das ganze Land und nutzen die Gutgläubigkeit vieler Menschen aus, wobei Benders Wortgewandtheit und Energie den Ausschlag geben. In einer Episode gaukelt Bender einer Gruppe ehemaliger Adliger eine antisowjetische Verschwörung vor, um Spenden einzusammeln. Vater Fjodor jagt derweil einer falschen Spur nach, und gelegentlich treffen die Konkurrenten aufeinander.
Ein Stuhl nach dem anderen wird gefunden, und allmählich wird klar, dass der Schatz im letzten, verschollenen Stuhl stecken muss. Schließlich taucht auch dieser wieder auf: in einem Kulturclub für die Arbeiterklasse. In der Nacht vor dem geplanten Einbruch tötet Worobjaninow seinen Komplizen aus Angst, Bender werde die Beute nicht wie vereinbart teilen. Bender überlebt seine Verletzung, wie sich im Fortsetzungsroman Das goldene Kalb zeigt. Für Worobjaninow aber kommt die bittere Erkenntnis zu spät: Der Schatz war längst gefunden worden, und von seinem Erlös hatte man eben jenen neuen Kulturclub erbaut.
Stil↑
Das Werk ist eine Satire, die ihre Wirkung aus der Reise ihrer Helden bezieht. Die Suche nach den Stühlen führt durch das ganze Land und liefert damit den Rahmen für eine Reihe von Episoden, in denen die Autoren die Menschen des nachrevolutionären Russland aufs Korn nehmen. Ihre Naivität, Eitelkeit und Schwächen werden mit spöttischem Blick vorgeführt. Getragen wird der Ton von der Figur Ostap Benders, dessen schlagfertige Sprüche und großspurige Auftritte dem Buch seinen Schwung geben. Viele dieser Wendungen prägten sich so ein, dass sie zu geflügelten Worten wurden, etwa Benders Ausruf beim Aufspüren jeder neuen Spur oder seine Frage nach dem Preis des Opiums für das Volk, mit der er auf ein bekanntes Wort von Karl Marx anspielt.
Rezeption↑
Der Roman zählt zu den Klassikern der russischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Besonders im Gebiet der ehemaligen Sowjetunion wirkte er weit über das Buch hinaus: Zahlreiche Sprüche und Zitate wurden zu geflügelten Worten und gingen in den alltäglichen Sprachgebrauch über. Der Stoff regte über die Jahrzehnte viele Verfilmungen in verschiedenen Ländern an, darunter deutsche Fassungen wie Dreizehn Stühle mit Heinz Rühmann und Hans Moser sowie Das Glück liegt auf der Straße. Mel Brooks verfilmte den Stoff 1970, und in der Sowjetunion entstanden Bearbeitungen unter der Regie von Leonid Gaidai und Mark Sacharow. Auf Deutsch liegt das Werk in mehreren Übersetzungen vor, zuletzt in der Fassung von Renate und Thomas Reschke.
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