1934
Appointment in Samarra
Überblick↑
Der Roman Appointment in Samarra erschien 1934 und war das erste Buch des amerikanischen Schriftstellers John O'Hara. Er erzählt die letzten drei Tage im Leben des Cadillac-Händlers Julian English, der in den Weihnachtstagen des Jahres 1930 alles aufs Spiel setzt, was er sich aufgebaut hat. Schauplatz ist die Kleinstadt Gibbsville in Pennsylvania. Der Titel spielt auf eine alte arabische Anekdote an, die O'Hara dem Buch in der Fassung von W. Somerset Maugham voranstellt: Ein Diener flieht aus Bagdad vor dem Tod nach Samarra, doch gerade dort ist er mit ihm verabredet. Heute gilt das Buch als Klassiker der amerikanischen Literatur der 1930er Jahre.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
Im Mittelpunkt steht Julian English, ein erfolgreicher Autohändler in der Kleinstadt Gibbsville in Pennsylvania. Er verkauft Cadillacs, ist verheiratet und gehört zur gehobenen Gesellschaft des Ortes. Erzählt werden drei Tage rund um Weihnachten 1930.
In diesen Tagen packt Julian ein Drang zur Selbstzerstörung, für den es keinen erkennbaren Anlass gibt. Er beginnt, seine Ehe und seine Stellung in der Kleinstadt zu gefährden. Was in geselliger Runde beginnt, entwickelt eine eigene Schwerkraft. Über allem steht die Anekdote vom Diener, der vor dem Tod flieht und ihm dabei genau in die Arme läuft.
Die Handlung im Detail↑
Der Roman erzählt die letzten drei Tage im Leben Julian Englishs. Er ist ein erfolgreicher Cadillac-Händler in Gibbsville, einer Kleinstadt in Pennsylvania, verheiratet und fest in der besseren Gesellschaft des Ortes verankert. Die Handlung setzt in den Weihnachtstagen des Jahres 1930 ein.
Unvermittelt gibt Julian einem selbstzerstörerischen Drang nach. Er schüttet einem Schwätzer den Drink ins Gesicht, und von diesem Augenblick an setzt er beides aufs Spiel: seine Ehe und seinen Rang in der örtlichen Gesellschaft. Schritt für Schritt zerstört er, was ihn getragen hat. Am Ende dieser drei Tage nimmt er sich das Leben.
Die vorangestellte Anekdote gibt dem Verlauf seine Deutung. Der Diener eines Händlers sieht auf dem Marktplatz von Bagdad den Tod, der ihm bedrohlich zuwinkt. Erschrocken flieht er zu Pferde nach Samarra. Der Händler stellt den Tod zur Rede, weil dieser seinen Diener verschreckt habe. Der Tod antwortet, er sei nur überrascht gewesen, den Mann in Bagdad anzutreffen, denn am Abend habe er mit ihm eine Verabredung in Samarra.
Stil↑
Auffällig ist der äußerst knappe Zeitraum, den der Roman abschreitet: drei Tage genügen O'Hara, um ein ganzes Leben und das Gefüge einer Kleinstadt sichtbar zu machen. Gibbsville in Pennsylvania ist dabei kein bloßer Hintergrund, sondern der eigentliche Resonanzraum des Geschehens, weil hier jeder jeden kennt und jede Entgleisung sofort bemerkt wird.
Die vorangestellte Anekdote in der Fassung Maughams wirkt wie ein Vorzeichen über der ganzen Erzählung. Sie stellt die Frage, ob ein Mensch seinem Schicksal entkommen kann oder ob er ihm gerade durch seine Fluchtversuche entgegenläuft. Sexualität und Gewalt schildert O'Hara mit einer Offenheit, die für die frühen 1930er Jahre ungewöhnlich war.
Rezeption↑
Bei seinem Erscheinen stieß der Roman bei vielen Kritikern auf scharfe Ablehnung, vor allem wegen der freizügigen Darstellung von Sexualität und Gewalt. Dieses Urteil hat sich gründlich gewandelt. Heute gilt das Buch als Klassiker der amerikanischen Literatur der 1930er Jahre. Das Magazin Time nahm es in seine Liste der 100 besten englischsprachigen Romane auf, die zwischen 1923 und 2005 erschienen sind.
Auch die Literaturwissenschaft hat sich mit dem Buch beschäftigt. Jesse Bier legte 1963 einen Aufsatz vor, Matthew J. Bruccoli behandelte den Roman 1968 in einem Sammelband über die harten Erzähler der dreißiger Jahre. John William Crowley untersuchte 1994 Alkoholismus und Geschlechterrollen in der amerikanischen Moderne, und Philip B. Eppard widmete dem Buch 1996 einen Beitrag im Colby Quarterly.
Ins Deutsche kam der Roman zunächst 1950. Karin von Schab übersetzte ihn unter dem Titel Treffpunkt in Samara für den Hamburger Krüger Verlag. Später erschien diese Übersetzung als Treffpunkt Samarra erneut, 1966 bei Droemer/Knaur und 1971 bei Aufbau. Eine Neuübersetzung von Klaus Modick brachte 2007 der Münchner Verlag C. H. Beck unter dem Titel Begegnung in Samarra heraus, versehen mit einem Nachwort von John Updike. Die deutschsprachige Presse besprach diese Ausgabe im März 2007, unter anderem Britta Bode in der Welt und Hans-Peter Kunisch in der Zeit.
Mitglieder des YouTube-Kanals erhalten das ganze Lexikon als PDF zum Download – zum Sammeln, Offline-Lesen und Ausdrucken. Mitglied werden →