1917
Ditte – ein Menschenkind
Überblick↑
Im Mittelpunkt dieses Werks des dänischen Schriftstellers Martin Andersen Nexø steht ein armes Mädchen im ländlichen Dänemark. Der Roman Ditte Menneskebarn erzählt vom Aufwachsen eines unehelich geborenen Kindes, das früh Verantwortung für andere tragen muss. Die Geschichte diente 1946 als Vorlage für ein dänisches Filmdrama von Bjarne Henning-Jensen, gehalten in sozialdokumentarischen Bildern und mit Tove Maës in der Titelrolle.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
Schauplatz ist das ländliche Dänemark. Das Mädchen Ditte kommt unehelich zur Welt. Die Mutter Sørine sieht sich der Schande ausgesetzt, keinen Vater für das Kind benennen zu können, und verlässt es früh. So übernehmen die Großeltern Maren und Søren Mand die Erziehung.
Ditte spürt schon als Kind, dass sie ungewollt ist, und eine große Traurigkeit begleitet sie. Sie hat weder die Mutter bei sich noch einen Vater. Umso mehr hofft sie auf ein neues Familienglück, als der stets zu Streichen aufgelegte Lumpensammler Lars Peter ihre Mutter heiraten will. Ditte kehrt als Haushaltshilfe zur Mutter zurück und kümmert sich fortan um die kleinen Halbgeschwister.
Über allem liegt die Armut, die das Leben der ganzen Familie bestimmt. Zwischen Ditte und Lars Peter wächst mit der Zeit eine innige Verbundenheit. Doch das Schicksal fordert von dem Mädchen früh mehr, als seinen Jahren zusteht.
Die Handlung im Detail↑
Das Mädchen Ditte wird unehelich geboren und von der Mutter Sørine früh verlassen. Die Großeltern Maren und Søren Mand ziehen das Kind auf. Als Søren stirbt, wird Ditte zur einzigen Stütze der alten Frau. Sie leidet darunter, dass ihr Mutter wie Vater fehlen. Als der Lumpensammler Lars Peter die Mutter heiraten will, keimt Hoffnung auf eine neue kleine Familie. Ditte kehrt als Haushaltshilfe zurück und sorgt für die drei kleinen Halbgeschwister.
Die Armut ist allgegenwärtig. Der Vater von Dittes Erzeuger hatte Sørines Vater einst Geld für den Unterhalt und die Erziehung des Kindes mitgegeben. Nach dem Tod des Großvaters will die Großmutter dieses Geld nicht mehr herausgeben. In einem heftigen Streit tötet Sørine aus Verzweiflung die eigene Mutter. Nun muss Ditte trotz ihrer Jugend die Pflichten einer Hausfrau übernehmen. Zwischen ihr und Lars Peter entwickelt sich eine tiefe Freundschaft.
Eines Tages taucht ein Fremder auf. Es ist Lars Peters Bruder Johannes, ein Scherenschleifer. Er ist ein Traumtänzer mit großen Plänen, zugleich ein Kleingauner und Taschendieb. Zur Enttäuschung der Familie stiehlt er sogar dem eigenen Bruder und bringt diesen in schwere wirtschaftliche Not. Lars Peter zieht ans Meer, um sich als Fischer etwas hinzuzuverdienen. Von Ditte, die noch nicht erwachsen ist, wird nun noch mehr verlangt.
Auf dem Bakkehof findet Ditte Arbeit als Dienstmagd. Karl, der willensschwache Sohn des Hofes, steht unter der Fuchtel seiner Mutter Karen. Er verliebt sich in Ditte, die sich eher aus Mitleid als aus Zuneigung mit ihm einlässt. Als sie von Karl schwanger wird, wiederholt sich in ihr das Schicksal der eigenen Mutter: Man jagt sie vom Hof. Zutiefst unglücklich kehrt Ditte in das Haus von Lars Peter zurück, dem einzigen Menschen, von dem sie je Güte und Wärme erfahren hat. Die Mutter ist inzwischen aus dem Gefängnis entlassen, gebrochen und verbittert. So muss die Halbwüchsige erneut für andere sorgen: für die hilflose Mutter und das eigene Kind, das sie erwartet.
Stil↑
Bestimmend ist die schmucklose Schilderung des harten Alltags. Die Armut wird nicht ausgeschmückt, sondern als beständige Macht gezeigt, die jedes Leben der Familie prägt. Die Erzählung folgt Ditte durch immer neue Stationen von Verzicht und Pflicht.
Prägend ist zugleich ein Muster, das die Handlung zusammenhält: Was der Mutter widerfuhr, kehrt im Leben der Tochter wieder. Die Verfilmung von 1946 übertrug diesen Zug in bewusst sozialdokumentarische Bilder, die das ländliche Milieu nüchtern festhalten.
Rezeption↑
Zu bleibender Wirkung trug bei, dass der Stoff über den Roman hinaus weiterlebte. Die Geschichte von Ditte wurde 1946 in Dänemark verfilmt, von Bjarne Henning-Jensen und mit Tove Maës in der Titelrolle. Dass das Schicksal des armen Mädchens auf die Leinwand gebracht wurde, zeigt, wie sehr die Erzählung als Bild einer ganzen Klasse und Zeit verstanden wurde.
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