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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Werkseintrag · Die Auswanderer
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Cover Die Auswanderer
Die Auswanderer
1949
– Werkseintrag –

Die Auswanderer

1949 · Roman

Vier Romane über eine Bauernfamilie aus Småland, die um 1850 ihre karge Heimat verlässt, um in Amerika ein neues Leben zu wagen.

Überblick↑

Das vierteilige Romanwerk Die Auswanderer (schwedisch Utvandrarna) des schwedischen Schriftstellers Vilhelm Moberg schildert die große Auswanderung von Schweden in die Vereinigten Staaten, die etwa ein Jahrhundert vor der Entstehung der Bücher einsetzte. Der erste Band erschien 1949, ihm folgten Invandrarna (1952), Nybyggarna (1956) und Sista brevet till Sverige (1959). Erzählt wird der Weg einer Gruppe von Menschen aus der Provinz Småland, die ihre Heimat verlassen und sich in den mittleren Westen Amerikas, unter anderem in das Minnesota-Territorium, aufmachen. Das Werk zählt zu den bekanntesten Schöpfungen der schwedischen Literatur.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Im Mittelpunkt des ersten Bandes stehen die Bedingungen im Schweden der Jahrhundertmitte, die Menschen zur Auswanderung bewegen. Erzählt wird von einer bunt zusammengesetzten Gruppe aus der Provinz Småland, die sich um 1850 entschließt, nach Amerika aufzubrechen. Sie gehört zu den ersten größeren Wellen schwedischer Auswanderer in die Vereinigten Staaten.

Besonders im Blick sind der Bauer Karl Oskar Nilsson und seine junge Frau Kristina, die mit ihren vier kleinen Kindern auf einem kargen Hof namens Korpamoen leben. Der Boden ist dünn und steinig, das Auskommen mühsam. Karl Oskars aufsässiger jüngerer Bruder Robert stößt auf Berichte über Amerika. Kristina jedoch widersetzt sich dem Gedanken, ihre Heimat zu verlassen und das Leben ihrer Kinder auf der beschwerlichen Reise aufs Spiel zu setzen. Nach und nach schließen sich weitere Menschen dem Vorhaben an, jeder mit eigenen Gründen, dem alten Leben den Rücken zu kehren.

Die Handlung im Detail↑

Der erste Roman zeichnet zunächst die Lebensumstände in Schweden, die aus Menschen Auswanderer machen. Karl Oskar Nilsson und seine Frau Kristina Johansdotter leben mit ihren vier kleinen Kindern – Anna, Johan, Lill-Märta und Harald – sowie Karl Oskars Eltern und dem aufsässigen Bruder Robert auf dem kleinen Hof Korpamoen. Der Boden ist steinig und dürftig, das Ackern kaum ertragreich. Robert arbeitet bei einer benachbarten Bauernfamilie, die ihn schlecht behandelt. Mit seinem Freund Arvid stößt er zuerst auf Schilderungen über Amerika. Als er mit Karl Oskar darüber spricht, gesteht dieser, dass auch ihn Flugschriften reizen, die von weit besseren Verhältnissen für Bauern in Nordamerika berichten und von der Möglichkeit, dort Land zu erwerben. Kristina jedoch lehnt die Auswanderung entschieden ab.

Im Winter 1849 leidet die Familie großen Mangel. Zur Feier der Taufe ihres jüngsten Kindes Harald bereitet Kristina eine große Schüssel Gerstenbrei zu und stellt sie zum Abkühlen in den Keller. Obwohl man ihr gesagt hat, sie solle warten, nimmt sich die vierjährige Anna, das älteste Kind, so viel von dem Brei, dass sie erkrankt. Die Eltern lassen die heilkundige Frau Beata holen, doch diese erklärt, Annas Magen sei geplatzt und das Kind nicht mehr zu retten. Nach Annas Tod willigt Kristina ein, mit ihrem Mann nach Amerika aufzubrechen.

Der Gruppe der jungen Nilssons schließen sich weitere an. Kristinas Onkel und Tante, Danjel und Inga-Lena Andreasson, kommen mit ihren vier Kindern hinzu. Danjel ist Prediger einer örtlichen Gemeinschaft der radikal-pietistischen Åkianer-Sekte und hat unter schwerer Verfolgung durch die staatlich gelenkte schwedische Kirche gelitten; er sucht in den Vereinigten Staaten Glaubensfreiheit. Zu seiner Gruppe gehören Ulrika von Västergöhl, eine ehemalige Prostituierte und Anhängerin der Gemeinschaft, die mit ihrer unehelichen halbwüchsigen Tochter Elin ein neues Leben beginnen will, sowie Roberts Freund Arvid, der als Knecht für Danjel gearbeitet hat – deren Überfahrt Danjel bezahlt. Das letzte Mitglied ist Jonas Petter, ein Freund Karl Oskars, der einer unglücklichen Ehe entflieht.

Mit dem Wagen macht sich die Gruppe auf zur schwedischen Hafenstadt Karlshamn an der Ostsee. Dort geht sie an Bord der Brigg Charlotta, die Kurs auf New York nimmt. Die späteren Bände erzählen von der Überfahrt und von der Ansiedlung im Minnesota-Territorium.

Stil↑

Das Werk gehört zur historischen Belletristik und folgt über vier Bände hinweg dem Schicksal einer einzelnen Familie und ihrer Weggefährten. Die Erzählung setzt bei den konkreten Lebensverhältnissen der småländischen Landbevölkerung an: dem kargen Boden, dem Hunger im Winter, der religiösen Verfolgung, den engen Aussichten des bäuerlichen Alltags. Aus diesen greifbaren Einzelheiten heraus entwickelt Moberg die Beweggründe, die Menschen zur Auswanderung trieben, und macht die große geschichtliche Bewegung am Leben weniger Figuren anschaulich.

Rezeption↑

Die vier Romane werden zu den bedeutendsten Werken der schwedischen Literatur gezählt. Alle Bände wurden ins Englische und in zahlreiche weitere Sprachen übersetzt und fanden so ein internationales Publikum. Der Stoff wurde auch für die Bühne aufgegriffen und zu dem musikalisch-dramatischen Werk Kristina från Duvemåla verarbeitet. So wirkt Mobergs Schilderung der schwedischen Auswanderung bis heute nach.

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