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Porträt Vilhelm Moberg
Vilhelm Moberg
1898 – 1973
– Autorenporträt –

Vilhelm Moberg

1898 – 1973 · 74 Jahre

Schwedischer Erzähler aus einfachen ländlichen Verhältnissen, dessen vierbändiges Auswanderer-Epos das Schicksal der Schweden schilderte, die im 19. Jahrhundert nach Amerika zogen.

Kurzbiografie↑

Zu den bekanntesten schwedischen Erzählern des 20. Jahrhunderts zählt Vilhelm Moberg, geboren am 20. August 1898 im småländischen Moshultamåla. Aus einfachen ländlichen Verhältnissen stammend, arbeitete er sich über die Bildungswege der Arbeiterbewegung zum Journalisten und schließlich zum Schriftsteller empor. Seine Romane spielen meist im bäuerlichen Milieu, das er aus eigener Anschauung kannte, und kreisen immer wieder um den Gegensatz zwischen dem einzelnen Menschen und der Gemeinschaft. Sein bekanntestes Werk ist ein vierbändiges Epos über die schwedische Auswanderung nach Amerika. Moberg nahm sich 1973 das Leben.


Biografie↑

Aufgewachsen ist Vilhelm Moberg in Moshultamåla, in der heutigen Gemeinde Emmaboda. Sein Vater war eingeteilter Soldat und später Kleinbauer. Schon als Kind musste Moberg arbeiten, als Elfjähriger unter anderem in einer Glashütte. Dort kam er mit der Arbeiterbewegung und dem Sozialismus in Berührung, denen er später allerdings skeptisch gegenüberstand. Die neuen Bildungswege der Arbeiterbewegung ermöglichten ihm die Weiterbildung. So wurde er Journalist und arbeitete in den folgenden Jahren bei mehreren Lokalzeitungen. Auch erste Volksstücke schrieb er in dieser Zeit.

Der literarische Durchbruch kam 1927 mit dem Roman Raskens. Darin schildert Moberg das Leben einer Soldatenfamilie auf dem Lande zwischen 1870 und der Zeit kurz nach 1900. Er verarbeitete dabei die Erzählungen seines Großvaters und dessen Kameraden und zeichnete ein Milieu, das er selbst kannte. Auch die folgenden Romane Långt från landsvägen (1929) und De knutna händerna (1930) spielen im bäuerlichen Umfeld und zeigen den Kampf zwischen Tradition und Veränderung.

Die zweite Hälfte der 1930er Jahre bestimmte eine Romantrilogie mit autobiographischem Einschlag. Sänkt sedebetyg (1935), Sömnlös (1937) und Giv oss jorden! (1939) erzählen den Lebensweg des Knut Toring. Als Bauernsohn kommt er in die Stadt, um als Journalist zu arbeiten, kehrt aber enttäuscht und desillusioniert aufs Land zurück, um einen Hof zu bewirtschaften. Einer der größten Erfolge der 1940er Jahre wurde der historische Roman Rid i natt! von 1941. Er schildert den Kampf småländischer Bauern gegen die Unterdrückung durch einen deutschen Adligen und trägt deutlich zeitbezogene Züge: Das Buch ruft zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus auf. Mobergs Bücher wurden daraufhin im Deutschen Reich verboten.

Während des Zweiten Weltkriegs erschien der antimilitaristische, wiederum autobiographisch geprägte Roman Soldat med brutet gevär. An den Erfolg von Raskens knüpfte er nicht an. Erzählt wird die Geschichte des Soldatensohns Valter Sträng, der vom Kinderarbeiter in einer Glashütte zum Mitglied einer linkssozialistischen Jugendorganisation aufsteigt und später Politiker wird. Damit traf Moberg offenbar nicht den Nerv der Zeit, denn Schweden stand mit einem Bein im Krieg gegen das Deutsche Reich, und viele junge Männer hatten sich freiwillig zum Kriegsdienst gemeldet.

Zu Beginn der 1950er Jahre erschien Mobergs Hauptwerk, ein Epos über die Auswanderung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als ein Viertel der schwedischen Bevölkerung in die USA auswanderte. Die Tetralogie besteht aus den Romanen Utvandrarna (1949), Invandrarna (1952), Nybyggarna (1956) und Sista brevet till Sverige (1959). Nach umfassendem Quellenstudium schilderte Moberg darin das Schicksal mehrerer Emigranten, die um 1850 Schweden verlassen und sich schließlich in Minnesota niederlassen. Der Erfolg war enorm, gemessen an Auflagen und Übersetzungen. Jan Troell verfilmte den Stoff, und 1995 wurde er zum Musical Kristina från Duvemåla verarbeitet. In den USA selbst blieb der Erfolg dagegen mäßig; ein Grund war, dass Moberg an der kommerziellen Vermarktung nicht mitwirken wollte.

In den 1950er Jahren trat Moberg auch als scharfer Gesellschaftskritiker in der öffentlichen Debatte über Missstände im Rechtswesen hervor. Sein Drama Domaren (Der Richter) von 1957 griff einen zeitgenössischen Rechtsfall auf. In seinem letzten Projekt wollte er die schwedische Geschichte aus der Sicht von unten beschreiben. Min svenska historia (Meine schwedische Geschichte), deren erste beiden Bände 1970 und 1971 erschienen, nimmt bewusst eine oppositionelle Haltung zur akademischen Geschichtsschreibung ein. Das Vorhaben überstieg jedoch Mobergs Kräfte, weitere Bände folgten nicht. 1973 nahm sich Vilhelm Moberg das Leben. Als Sterbeort nennt das Material Grisslehamn.


Literarische Merkmale↑

Kennzeichnend für Mobergs Erzählen ist die enge Bindung an das ländliche Leben, aus dem er selbst stammte. In Raskens griff er auf die Erzählungen seines Großvaters und dessen Kameraden zurück und schilderte ein Milieu, das er aus eigener Anschauung kannte. Immer wieder verarbeitete er zudem eigene Lebenserfahrung: Mehrere seiner Romane tragen autobiographische Züge.

Wo Moberg historische Stoffe wählte, ging er gründlich vor. Seinem Auswanderer-Epos legte er ein umfassendes Quellenstudium zugrunde. In seinem Spätwerk über die schwedische Geschichte wollte er die Vergangenheit ausdrücklich von unten und gegen die akademische Geschichtsschreibung erzählen.

Inhaltlich kehrt bei ihm ein Grundkonflikt wieder: der Gegensatz zwischen Individualismus und Kollektivismus. Moberg zeigte sich als klarer Gegner totalitärer Vorstellungen, zugleich aber als scharfer Kritiker der schwedischen Sozialdemokratie und ihrer Idee vom „starken Staat“.


Rezeption↑

Den literarischen Durchbruch brachte Moberg der Roman Raskens von 1927. Seinen größten Nachhall aber fand das Auswanderer-Epos: Auflagen und Übersetzungen erreichten hohe Zahlen, der Stoff wurde von Jan Troell verfilmt und 1995 zum Musical Kristina från Duvemåla verarbeitet. In den USA selbst blieb die Wirkung geringer, auch weil Moberg an der Vermarktung nicht mitwirken wollte.

Mit Rid i natt! nahm Moberg 1941 offen Stellung gegen den Nationalsozialismus; seine Bücher wurden daraufhin im Deutschen Reich verboten. In den 1950er Jahren wirkte er über die Literatur hinaus als streitbarer Stimme in der öffentlichen Debatte, etwa über Missstände im Rechtswesen. Nach ihm ist der Asteroid (7360) Moberg benannt.

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