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Werkseintrag · Die tragische Historie vom Doktor Faustus
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Die tragische Historie vom Doktor Faustus
1594
– Werkseintrag –

Die tragische Historie vom Doktor Faustus

1594 · Tragödie

Ein Gelehrter, dem alles Wissen der Welt nicht mehr genügt, verschreibt dem Teufel seine Seele für vierundzwanzig Jahre grenzenloser Macht.

Überblick↑

Bei dem Werk Die tragische Historie vom Doktor Faustus handelt es sich um ein Drama des englischen Renaissance-Schriftstellers Christopher Marlowe. Im Mittelpunkt steht der Gelehrte Faust, der sich von aller Wissenschaft abwendet und der Magie zuwendet. Für vierundzwanzig Jahre voller Macht und Genuss verschreibt er dem Teufel seine Seele. Das Stück gestaltet damit den alten Stoff vom Teufelsbündler in dramatischer Form und verbindet ernste, grüblerische Szenen mit derben komischen Auftritten.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Im Mittelpunkt steht der Gelehrte Faust aus Wittenberg. Er hat Theologie, Philosophie, Medizin und Recht studiert, doch all sein Wissen erscheint ihm am Ende vergeblich. Von der Magie erhofft er sich grenzenlose Macht, und so beschließt er, sich der Geisterbeschwörung zuzuwenden. Seine Freunde German Valdes und Cornelius bestärken ihn darin. Bei Nacht ruft Faust im Wald den Teufel Mephistopheles herbei, den Abgesandten Luzifers, und lässt ihm ausrichten, dass er bereit sei, seine Seele zu verkaufen.

Ein guter und ein böser Engel treten immer wieder auf und ringen um Fausts Entschluss. Als der Pakt geschlossen ist, steht ihm Mephistopheles zu Diensten und erfüllt seine Wünsche. Faust unternimmt eine Reise um die Welt, treibt am Hof des Papstes in Rom unsichtbar seinen Spott und wird schließlich vom Kaiser eingeladen, wo er seine Kunst vorführen soll.

Neben diesem Hauptgeschehen läuft eine Reihe komischer Szenen, in denen Diener und Knechte wie Robin, Robert und Richard sich selbst an der Zauberei versuchen und dabei allerlei Unfug anrichten. Immer wieder aber holen Faust die Zweifel ein, und die Frage nach Reue und Umkehr begleitet ihn durch das ganze Stück.

Die Handlung im Detail↑

Der erste Akt spielt in Fausts Wohnung in Wittenberg und einem angrenzenden Wald. Ein Prolog stellt Faust als Gelehrten vor. In seinem Studierzimmer zieht er Bilanz über seine Laufbahn als Theologe, Philosoph, Arzt und Jurist und findet alles vergeblich. Er wendet sich der Magie zu, die ihm grenzenlose Macht verheißt, und lässt durch seinen Diener Wagner die Freunde German Valdes und Cornelius einladen, die ihn in die Geisterbeschwörung einweihen wollen. Ein guter und ein böser Engel treten auf und versuchen, Faust je auf ihre Seite zu ziehen. In einer weiteren Szene erfahren zwei Studenten von Wagner, dass Faust sich mit Anhängern der Magie trifft. Bei Nacht beschwört Faust im Wald Mephistopheles und trägt ihm auf, Luzifer auszurichten, er wolle seine Seele geben, wenn er vierundzwanzig Jahre lang in grenzenloser Wollust leben dürfe. Zum Abschluss des Aktes erschreckt Wagner den Diener Robin mit der Beschwörung zweier Teufel und zwingt ihn zu Gehorsam.

Im zweiten Akt wartet Faust in seinem Studierzimmer auf Mephistopheles und grübelt über den Pakt. Der Teufel fordert einen Vertrag, den Faust mit seinem Blut schreiben soll. Doch das Blut erstarrt; erst ein brennendes Kohlenbecken macht es wieder flüssig, und Faust unterzeichnet. Bald bereut er zum ersten Mal seine Wahl und meint, giftgetränkte Dolche zu sehen, mit denen er sich töten wolle. Als Luzifer, Beelzebub und Mephistopheles erscheinen und ihm Frevel vorwerfen, gibt er nach und wird mit dem Auftritt der Sieben Todsünden belohnt. Zum Dank für seine Treue schenkt Luzifer ihm ein Buch, dessen Zauber ihm jede Verwandlung erlaubt. In einer komischen Szene stiehlt der Knecht Robert ein Beschwörungsbuch und will damit die Magd Hanne verzaubern.

Der kurze dritte Akt beginnt mit einem Chor, der Fausts Himmelsreise in einem von Drachen gezogenen Flammenwagen beschreibt; innerhalb einer Woche umrundet er die ganze Welt und reitet dann nach Rom. Im Privatgemach des Papstes macht Mephistopheles ihn unsichtbar, und Faust treibt unwürdige Späße mit dem Papst und dem Kardinal von Lothringen, bis der erschrockene Papst Mönche zum Exorzismus herbeiruft. In einer weiteren komischen Szene stehlen die Knechte Robert und Richard einem Wirt einen silbernen Becher und werden vom Teufel zur Strafe in Hund und Affe verwandelt.

Der umfangreiche vierte Akt wird durch einen Chor eingeleitet, der berichtet, wie Fausts Ruhm sich verbreitet und er vom Kaiser eingeladen wird. Der Kaiser wünscht, Faust möge Alexander den Großen und dessen Gemahlin aus der Gruft erwecken. Faust erklärt, den Staub selbst könne er nicht beleben, wohl aber täuschend ähnliche Geister erscheinen lassen. Ein spottender Ritter zweifelt und wird zur Strafe mit Hörnern bestraft, die ihm später wieder abgenommen werden. Reich belohnt will Faust sofort nach Wittenberg zurück, denn die Zeit mahnt ihn an seine Schuld und den Verfallstag. In Wittenberg verkauft er einem Rosstäuscher ein wunderbares Pferd, warnt ihn aber, es nicht ins Wasser zu reiten. Der Käufer missachtet die Warnung, das Pferd verwandelt sich in ein Bündel Heu, und als er sein Geld zurückfordert und den schlafenden Faust am Bein packt, reißt dieses aus. Zu Tode erschrocken flieht er. Später ziehen der geprellte Rosstäuscher, ein Fuhrmann und die Knechte betrunken los, um es Faust heimzuzahlen, lärmen am Tor des Herzogs von Anhalt und werden von Faust mit einem Zauber zum Verstummen gebracht. Der schwangeren Herzogin verschafft Mephistopheles mitten im Winter frische süße Trauben.

Der fünfte Akt beginnt damit, dass Teufel unter Mephistopheles' Anleitung Tische für ein Festmahl hereintragen, während Wagner bemerkt, sein Meister habe ihm sein ganzes Gut vermacht und glaube wohl, bald sterben zu müssen. Drei Scholaren bitten Faust, ihnen Helena, eine der schönsten Frauen, erscheinen zu lassen, und er erfüllt ihnen die Bitte. Doch dann tritt ein alter Mann auf und mahnt Faust, den Weg zum Himmel zu suchen und der verruchten Kunst zu entsagen. Von Verzweiflung überwältigt, will Faust sich töten, und Mephistopheles reicht ihm einen Dolch; der Alte aber fällt ihm in den Arm. Faust bittet ihn, ihn allein zu lassen, und der Alte geht widerstrebend fort. Ohne dessen Beistand unterliegt Faust den Einschüchterungen des Teufels, unterzeichnet erneut mit seinem Blut den Pakt und erbittet Helena zur Geliebten, an deren Schönheit er sich berauscht: „Süße Helena, mach mich durch einen Kuss von Dir unsterblich.“ In seinem letzten Auftritt kündigt der alte Mann Fausts Untergang an, denn dessen Sturz ist nun beschlossen; er selbst flieht in den Schutz seines Gottes. Damit ist Fausts Verhängnis besiegelt.

Stil↑

Aufgebaut ist das Stück in fünf Akten. Ein Prolog eröffnet das Geschehen, mehrere Chöre leiten die Akte ein und fassen Fausts Reisen zusammen, ein Epilog beschließt das Ganze. Kennzeichnend ist der ständige Wechsel zwischen zwei Ebenen: der ernsten Haupthandlung um Faust und Mephistopheles, in der es um Schuld, Reue und Verdammnis geht, und den derben komischen Szenen mit Dienern und Knechten wie Robin, Robert und Richard, die mit falschem Latein und grobem Wortwitz das Zaubern nachahmen. Der gute und der böse Engel, die Faust immer wieder umringen, machen den inneren Zwiespalt sichtbar auf der Bühne.

Die Sprache reicht vom feierlichen, bildreichen Ton der großen Monologe bis zum saftigen Spott der Nebenfiguren. Berühmte Wendungen wie Fausts Anrede an Helena – „Süße Helena, mach mich durch einen Kuss von Dir unsterblich.“ – zeigen die pathetische Kraft der ernsten Passagen, während die Herbergsszenen bewusst ins Grobe zielen.

Das Werk ist in mehreren, voneinander abweichenden Textfassungen überliefert. Man unterscheidet den kürzeren A-Text der frühen Ausgabe von 1604 und den längeren B-Text von 1616. Moderne kritische Ausgaben stellen die beiden Fassungen teils nebeneinander oder verbinden sie miteinander, weshalb einzelne Szenen je nach Ausgabe unterschiedlich ausfallen.

Rezeption↑

Über die Jahrhunderte hat das Werk in verschiedenen Textgestalten weitergewirkt. Die Überlieferung in zwei unterschiedlichen Fassungen – dem A-Text von 1604 und dem B-Text von 1616 – hat die Herausgeber bis heute beschäftigt; kritische Ausgaben versuchen, beide Versionen zu ordnen und zugänglich zu machen. Ins Deutsche wurde das Stück mehrfach übertragen. Neben drei Übersetzungen, die ins neunzehnte Jahrhundert zurückreichen, liegt eine moderne Übertragung von Adolf Seebaß vor, die sich auf Editionen der A- und B-Texte stützt. Dass sich die Übersetzer immer wieder an dem Stoff versucht haben, zeigt das anhaltende Interesse an Marlowes Bearbeitung des Faust-Stoffes im deutschen Sprachraum.

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