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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Werkseintrag · Voyage en Orient
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Cover Voyage en Orient
Voyage en Orient
1835
– Werkseintrag –

Voyage en Orient

1835 · Prosa

Ein Dichter der Romantik reist mit Frau und Tochter in den Orient und verwandelt sechzehn Monate zwischen Syrien, Libanon und Jerusalem in Erinnerungen, Empfindungen und Landschaftsbilder.

Überblick

Der Reisebericht Voyage en Orient hält die Eindrücke fest, die Alphonse de Lamartine (1790–1869) auf seiner Reise durch den Nahen Osten in den Jahren 1832 und 1833 sammelte. Der Titel der Erstausgabe beginnt mit den Worten Souvenirs, impressions, pensées et paysages pendant un voyage en Orient. Lamartine war damals vor allem als Dichter der französischen Romantik bekannt; dieses Werk war sein Auftritt als Prosaschriftsteller. Über sechzehn Monate hielt er sich in der Levante auf und durchreiste Syrien, den Libanon und das Heilige Land. Das Buch erschien 1835 und erlebte zahlreiche Auflagen. Eine deutsche Übersetzung besorgten Gustav Schwab und Franz Demmler; sie kam ebenfalls 1835 in Stuttgart in vier Bänden heraus.

Inhalt (ohne Spoiler)

Aufgezeichnet ist eine ausgedehnte Reise in den Orient, die Lamartine 1832 und 1833 mit seiner Familie, mit Bediensteten und Freunden auf einem eigenen Schiff unternahm. Das Werk trägt die Form eines Reisetagebuchs, der „Notizen eines Reisenden“. Meist ist es in geografische Abschnitte gegliedert, die den einzelnen Stationen folgen – etwa Syrien, Galiläa, Jerusalem oder Konstantinopel. Daneben stehen Kapitel, die einzelnen Begegnungen und Themen gewidmet sind, so dem Besuch bei einem Pascha oder bei Lady Hester Stanhope.

Der Leser begleitet den Autor durch die Landschaften der Levante und erlebt seine Empfindungen vor den heiligen Stätten. Weil Lamartine mit Frau und Tochter reiste und sich mit großem Gefolge bewegte, wurde er im Orient als „der französische Emir“ bekannt. Die Reise sollte ihn tief prägen und begleitete ihn noch lange nach der Heimkehr.

Die Handlung im Detail

Der Bericht verfolgt Lamartines Weg von der Einschiffung bis zur Rückkehr nach Frankreich. Auf eigenem Schiff bricht er mit seiner Frau, seiner Tochter, Bediensteten und Freunden auf und erreicht die Levante, wo er insgesamt sechzehn Monate verbringt. Die Aufzeichnungen führen durch Syrien, den Libanon und das Heilige Land. In geografisch geordneten Abschnitten schildert er die Stationen der Reise, unter ihnen Galiläa und Jerusalem. Eingeschoben sind Begegnungen, die er eigenen Kapiteln widmet, etwa der Besuch bei einem Pascha und der Besuch bei Lady Hester Stanhope.

Ein einschneidendes Ereignis fällt in diese Zeit: Ende 1832 stirbt Lamartines zehnjährige Tochter in Beirut an einer Krankheit. Dieser Verlust und politische Angelegenheiten in Frankreich bewegen ihn zur Heimkehr. Er wählt den Landweg und reist über Konstantinopel und das Donautal zurück.

Das Buch schließt mit einer „Résumé politique“, einer politischen Betrachtung. Gerade dieser abschließende Teil wurde für Lamartines weiteren Werdegang bedeutsam: Er bildete ein wichtiges Bindeglied, das dem Autor 1848 den Weg in die politische Verantwortung ebnete.

Stil

Das Werk verbindet die nüchterne Form des Reisetagebuchs mit der Sprache eines Dichters. Schon der volle Titel nennt die vier Fäden, aus denen der Text gewoben ist: Erinnerungen, Empfindungen, Gedanken und Landschaftsgemälde. Lamartine reiht nicht bloß Wegstrecken und Daten aneinander, sondern lässt seine Eindrücke, seine Stimmungen und seine Betrachtungen in die Beschreibung einfließen. Die Gliederung folgt teils den Orten der Reise, teils einzelnen Menschen und Themen, sodass sich sachliche Notiz und persönliches Bekenntnis abwechseln. Als sein erster größerer Prosatext zeigt Voyage en Orient den bis dahin als Lyriker bekannten Autor in einer neuen Form, in die er seine romantische Empfindsamkeit hinüberträgt.

Rezeption

Das Buch fand ein breites Publikum. Es erlebte zahlreiche Auflagen und wurde in mehrere Sprachen übersetzt, teils in gekürzter Fassung. Noch im Erscheinungsjahr 1835 lag eine deutsche Übertragung von Gustav Schwab und Franz Demmler in vier Bänden vor, eine englische Ausgabe folgte. Über die Reise selbst wurde Lamartine im Orient als „der französische Emir“ bekannt. Für seinen weiteren Lebensweg erwies sich vor allem die abschließende politische Betrachtung als folgenreich: Sie zählte zu den Wegbereitern seines Aufstiegs in die Politik im Jahr 1848.

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