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Werkseintrag · Der Kreidekreis
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Der Kreidekreis
1925
– Werkseintrag –

Der Kreidekreis

1925 · Märchen

In einem fernen Märchen-China soll ein Kreidekreis auf dem Boden zeigen, welche von zwei Frauen die wahre Mutter eines Kindes ist.

Überblick

Das Märchenspiel Der Kreidekreis von Klabund gehört zu den bekanntesten Bühnenwerken seines Verfassers. Es verlegt die Handlung in ein fernes, zeitlich unbestimmtes Kaiserreich. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich Wahrheit und wahre Mutterliebe vor Gericht erweisen lassen. Die Uraufführung fand am 2. Januar 1925 im Stadttheater Meißen statt; die Titelrolle der Hai-tang spielte Carola Neher, Klabunds spätere Ehefrau. Für den Autor bedeutete das Werk seinen ersten großen Erfolg als Dramatiker.

Inhalt (ohne Spoiler)

Zur Zeit eines chinesischen Kaiserreichs treibt der Steuerpächter Ma den Seidenraupenzüchter Tschang mit seinen unerbittlichen Forderungen in den Tod. Die Familie ist ruiniert, und so verkauft die Mutter ihre schöne Tochter Hai-tang in ein Freudenhaus. Dort verliebt sich der Prinz Pao in das junge Mädchen und möchte sie freikaufen. Doch der reiche Ma überbietet ihn und nimmt Hai-tang zur Zweitfrau.

Als Hai-tang ein Kind zur Welt bringt, wächst in Mas kinderloser Erstfrau Yü-pei die Angst, verstoßen zu werden und alles zu verlieren. Eine Kette von Ränken nimmt ihren Lauf, an deren Ende Hai-tang schutzlos einem korrupten Richter ausgeliefert ist. Das Werk verbindet das Schicksal einer wehrlosen Frau mit dem Bild vom Kreidekreis, in dem sich schließlich die wahre Mutterschaft entscheiden soll.

Die Handlung im Detail

Zur Zeit eines chinesischen Kaiserreichs treibt der Steuerpächter Ma den Seidenraupenzüchter Tschang durch seine harten Forderungen in den Tod. Die Familie Tschang ist ruiniert. Die Mutter verkauft daraufhin ihre schöne Tochter Hai-tang in ein Freudenhaus. Dort verliebt sich Prinz Pao in Hai-tang und will sie auskaufen, wird aber von Ma überboten, der das Mädchen zu seiner Zweitfrau macht.

Hai-tang bringt ein Kind zur Welt. Die kinderlose Erstfrau Yü-pei wird eifersüchtig und fürchtet, von ihrem Mann verlassen zu werden. Sie vergiftet Ma und gibt sich als die wahre Mutter des Kindes aus. Den Mord an ihrem Gatten schiebt sie der wehrlosen Hai-tang zu, die vom korrupten Richter Tschu-Tschu zum Tode verurteilt wird. Auch Hai-tangs Bruder, der gerechte Tschang-ling, wird wegen umstürzlerischer Umtriebe verurteilt.

Dann wendet sich das Schicksal. Prinz Pao ist inzwischen Kaiser geworden und will das Reich reformieren. Er ruft alle zum Tode Verurteilten und ihre Richter in die Hauptstadt. Vor dem Kaiser wird der Fall Hai-tangs neu verhandelt. Pao lässt einen Kreidekreis auf den Boden zeichnen; die beiden Frauen sollen das Kind aus dem Kreis ziehen. Yü-pei reißt das Kind brutal zu sich, Hai-tang aber lässt es los, um ihm nicht weh zu tun. Daran erkennt der Kaiser die wahre Mutter, ähnlich dem salomonischen Urteil. Auch der Gattenmord wird aufgeklärt.

Yü-pei und der korrupte Richter Tschu-Tschu sollen von Hai-tang verurteilt werden, doch sie lässt beide frei: Wer selbst nicht ohne Schuld ist, kann andere nicht richten. Schließlich gesteht der Kaiser, dass er Hai-tang in ihrer ersten Nacht in Mas Haus besucht hatte, als sie noch getrennt von Ma schlief. Sie selbst hatte immer geglaubt, diese Liebesnacht nur geträumt zu haben. Das Kind ist des Kaisers Sohn. Hai-tang wird Paos Frau und Kaiserin.

Stil

Als Märchenspiel siedelt das Werk seine Handlung in einem fernen, zeitlich unbestimmten China an: „zu Zeiten irgendeines chinesischen Kaiserreichs“. Diese märchenhafte Ferne rückt das Geschehen aus der Wirklichkeit heraus und gibt ihm den Ton einer Fabel. Die Figuren tragen die Züge klarer Rollen – die unschuldig Leidende, der harte Steuerpächter, die eifersüchtige Erstfrau, der korrupte Richter, der gerecht urteilende Herrscher. Im Zentrum steht das eindrückliche Bild des Kreidekreises, das die Wahrheit sinnfällig auf der Bühne sichtbar macht und den alten Gedanken des salomonischen Urteils aufnimmt.

Rezeption

Beim Publikum kam das Stück außerordentlich gut an. Rund vierzig Bühnen wollten Der Kreidekreis aufführen. Für Klabund bedeutete es den ersten großen Erfolg als Dramatiker, auch in finanzieller Hinsicht. Nach der Uraufführung in Meißen folgten rasch weitere Aufführungen, unter anderem am 20. Oktober 1925 am Deutschen Theater in Berlin mit Elisabeth Bergner in der Rolle der Hai-tang.

Der Theaterkritiker Alfred Kerr, dessen Schützling Klabund war, fand für die Berliner Premiere spöttische Worte. Er sprach von „Hübße Trauer, tindlicher Schmerz und Fremdreiz um die süße-süße-süße Destalt der armen tleinen Hai-tang“ und bemerkte, bei Klabund werde „alles märchensüßer“.

Der Stoff wirkte über das Sprechtheater hinaus. Zweimal wurde das Werk als Oper vertont: von Alexander von Zemlinsky, dessen Fassung 1933 in Zürich uraufgeführt wurde, und von Rudolf Mors, dessen Oper 1983 in Bielefeld herauskam. Bertolt Brecht nutzte den Stoff als Vorlage für sein Stück Der kaukasische Kreidekreis.

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