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Mein Familien-Lexikon
1963
– Werkseintrag –

Mein Familien-Lexikon

1963 · Roman

Erzählt wird der Alltag einer italienischen Familie von den 1920er- bis in die 1950er-Jahre – geprägt von den immer gleichen Redensarten und Sätzen, die im Familienkreis gebräuchlich waren und dem Buch seinen Titel geben.

Überblick↑

Der Roman Mein Familien-Lexikon von Natalia Ginzburg ist ein autobiografisches Buch, das 1963 beim Verlag Einaudi erschien. Im selben Jahr wurde es mit dem italienischen Literaturpreis Premio Strega ausgezeichnet. Ginzburg erzählt darin von ihrer eigenen Familie und den Worten, Redensarten und Gewohnheiten, die deren Alltag prägten. Das Buch wurde in viele Sprachen übersetzt, darunter Hebräisch, Japanisch, Chinesisch und Koreanisch. Es zählt zu den wichtigen Werken der italienischen Literatur der 1960er Jahre.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Erzählt wird das tägliche Leben der Familie Levi-Tanzi, die ganz von der Gestalt des Vaters Giuseppe bestimmt wird. Über weite Strecken ist das Buch eine liebevoll-ironische Chronik dieser Familie, die von den 1920er Jahren bis in die frühen 1950er Jahre reicht. Sie zeigt sich in Gewohnheiten, Verhaltensweisen und vor allem in der Sprache: in den festen Wendungen und wiederkehrenden Sätzen, die innerhalb der Familie gebräuchlich sind und dem Buch seinen Titel geben.

Gestalten und Begebenheiten wechseln einander ab, ohne dass eine über die andere gestellt würde. Sie treten von selbst hervor und leben durch ihre Gesten und ihre Worte. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Mutter und den Geschwistern, vor allem in der Zeit des Faschismus. Neben den heiteren Seiten des Familienlebens klingen auch die Spannungen und Auseinandersetzungen an, die das Zusammenleben begleiten.

Die Handlung im Detail↑

Im Mittelpunkt steht das alltägliche Leben der Familie Levi-Tanzi, von innen heraus geschildert und beherrscht von der Figur des Vaters Giuseppe. Das Buch ist zu einem großen Teil eine ironisch-liebevolle Chronik dieser Familie, die von den 1920er Jahren bis in die frühen 1950er Jahre führt. Sie erschließt sich über Gewohnheiten, über das Verhalten der Einzelnen und vor allem über die gemeinsame Sprache – jene familieneigenen Redensarten, aus denen sich der Titel ableitet. Die Gestalten und Ereignisse folgen ohne feste Rangordnung aufeinander; sie stellen sich gleichsam selbst vor und werden durch ihre Gesten und ihre Worte lebendig. Viel Raum nehmen die Mutter und die Brüder ein, besonders während der faschistischen Zeit. Auch die Konflikte und Verwicklungen innerhalb der Familie Levi kommen zur Sprache.

Zugleich verfolgt der Roman dunklere Ereignisse, die vor allem in der Zeit des Faschismus und in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg in Italien liegen. Dazu gehört die Wirkung der faschistischen Rassengesetze ebenso wie die Verbannung der Autorin in die Abruzzen. Ihr Mann, Leone Ginzburg, wird wegen seiner antifaschistischen politischen Tätigkeit getötet. Der Bogen reicht weiter bis zum Selbstmord Cesare Paveses und bis zum Zerbrechen der Hoffnungen, die sich an den Widerstand geknüpft hatten. So verbindet das Buch die kleinen, wiederkehrenden Dinge des Familienlebens mit den schweren geschichtlichen Erschütterungen jener Jahre.

Stil↑

Prägend ist die Verbindung von Autobiografie und Roman. Ginzburg erzählt aus dem Inneren der Familie und macht die gemeinsame Sprache zum eigentlichen Gerüst des Buches: Die festen Redensarten, Sprüche und wiederkehrenden Sätze der Angehörigen tragen die Erzählung und geben ihr den Titel. Der Grundton ist ironisch und zugleich zärtlich.

Auffällig ist der Aufbau ohne feste Rangordnung. Personen und Begebenheiten reihen sich aneinander, ohne dass eine über die andere gestellt würde. Die Figuren werden nicht ausführlich erklärt, sondern zeigen sich durch ihre Gesten und ihre Worte; sie treten gleichsam von selbst auf die Bühne. So entsteht ein Bild der Familie, das sich aus vielen kleinen Beobachtungen und Redewendungen zusammensetzt.

Rezeption↑

Ein Verkaufserfolg im großen Stil war das Buch nie. Dennoch erhielt es Hunderte von Besprechungen und wurde mehrfach neu aufgelegt. Es gilt als eines der Grundwerke der italienischen Literatur der 1960er Jahre. Die Auszeichnung mit dem Premio Strega im Erscheinungsjahr 1963 unterstrich früh seinen Rang, und die Übersetzungen in zahlreiche Sprachen trugen es weit über Italien hinaus.

Auch in späteren Ausgaben wurde das Werk immer wieder neu erschlossen. Die Ausgabe von 2010 wird von einer Einführung Cesare Segres begleitet. Die Ausgabe von 2014 enthält zusätzlich eine ausführliche Entstehungsgeschichte des Buches, die Domenico Scarpa besorgte, sowie einen Text von Cesare Garboli. Daneben gibt es Hörbuchfassungen, unter anderem gelesen von Anna Bonaiuto und von Margherita Buy.

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