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Episodios nacionales
– Werkseintrag –

Episodios nacionales

· Roman

Sechsundvierzig Romane spannen einen Bogen durch das 19. Jahrhundert Spaniens – von der Seeschlacht bei Trafalgar bis zum Sturz Isabellas II., erzählt am Schicksal einfacher Menschen, deren eigentlicher Held das ganze Volk ist.

Überblick

Mit den Episodios nacionales (Nationale Episoden) schuf Benito Pérez Galdós eine vielbändige Reihe überwiegend historischer Romane. Sie schildern die Gesellschaft und die politische Geschichte Spaniens im 19. Jahrhundert. Die sechsundvierzig Bände erschienen zwischen 1873 und 1912. Das Ganze blieb unvollendet und gliedert sich in fünf Serien: vier Zyklen aus je zehn Romanen und ein fünfter, der nur sechs Bücher umfasst. Der Bogen beginnt mit der Schlacht von Trafalgar und reicht bis in das Jahr 1874. Galdós gilt mit seinem über hundert Titel umfassenden Gesamtwerk als Begründer des modernen spanischen Romans; einige stellen ihn gleich hinter Cervantes. In Spanien ist er bis heute beliebt und wird als spanischer Dickens, Balzac oder Tolstoi bezeichnet. Das Leitmotiv des ganzen Unternehmens ist die Liebe zum Vaterland.

Inhalt (ohne Spoiler)

Über fast das gesamte 19. Jahrhundert hinweg führt der Zyklus seine Leser durch die spanische Geschichte. Jede der fünf Serien ist einer bestimmten Epoche gewidmet und hat einen eigenen Helden. Der wahre Held aber, der alle „nationalen Episoden" verbindet, ist das spanische Volk selbst.

Die erste Serie beginnt mit der Schlacht von Trafalgar. Ihr Protagonist ist Gabriel Araceli, der als Teilnehmer und Veteran des Krieges gegen Napoleon im hohen Alter auf sein Leben zurückblickt. Die folgenden Serien greifen weiter: die Wiederherstellung der Monarchie und ihre Gegner, das von einem Bürgerkrieg zwischen Carlisten und Zentralregierung geplagte Land, schließlich die Regierungszeit Isabellas II. So verbindet sich Roman um Roman ein privates Schicksal mit den großen Ereignissen der Zeit. Das Werk wird auf diese Weise zu einer künstlerischen Chronik des politischen und gesellschaftlichen Lebens Spaniens.

Die Handlung im Detail

Der Bogen der Reihe spannt sich vom Beginn des Jahrhunderts bis in dessen letztes Drittel. Die erste Serie erschien zwischen 1873 und 1875. Ihr Held Gabriel Araceli erzählt seine Lebensgeschichte als alter Mann. Er ist Teilnehmer und Veteran des Krieges gegen Napoleon. Den Auftakt bildet der Roman Trafalgar; es folgen Bände über den Hof Karls IV., den Aufstand vom 2. Mai, die Kämpfe bei Bailén und Saragossa und schließlich die Schlacht bei Salamanca.

Die zweite Serie folgte zwischen 1875 und 1879. Sie zeigt den Kampf zwischen der in Spanien wiederhergestellten Monarchie und ihren Gegnern. Sie setzt mit dem Abzug der französischen Truppen aus dem Land ein und erzählt von den Ereignissen, die dem Ausbruch des Carlistenkrieges vorausgingen.

Nach einer langen Unterbrechung nahm Galdós das Werk gegen Ende des Jahrhunderts wieder auf. Die dritte Serie entstand zwischen 1898 und 1900. Sie zeigt ein Spanien, das der Bürgerkrieg zwischen den Carlisten und der Zentralregierung zerreißt.

Die vierte Serie erschien zwischen 1902 und 1907 und ist der Regierungszeit Isabellas II. gewidmet. Hier weicht der Autor stärker von den tatsächlichen historischen Ereignissen ab. Statt der Chronik rückt das Gemälde einzelner Menschen und ihrer Psychologie in den Vordergrund.

Die fünfte Serie folgte zwischen 1908 und 1912. Sie widmet sich der Krise und dem Fall Isabellas II. sowie der anschließenden Wiederherstellung der Monarchie. Diese Ereignisse hatte Galdós als Zeitgenosse selbst miterlebt, sodass er sich auf eigene Eindrücke stützen konnte. Die Bände reichen von España sin Rey über Amadeo I und La Primera República bis zu Cánovas. Mit dem Jahr 1874 endet die erzählte Zeit. Der geplante Schlussroman Sagasta blieb Entwurf; weitere vorgesehene Bände kamen über die Absicht nicht hinaus. So blieb das gewaltige Unternehmen am Ende unvollendet.

Stil

Dokumentierte Geschichte und erfundene Handlung greifen in diesem Werk ineinander. Wirkliche Schlachten, politische Umbrüche und historische Gestalten verbinden sich mit dem Schicksal erdachter Figuren. In der ersten Serie geschieht dies in Form der Rückschau: Gabriel Araceli erzählt als alter Mann von den Ereignissen, die er durchlebt hat. So sieht der Leser die große Geschichte durch die Augen eines Einzelnen. Im Verlauf der Reihe verschieben sich die Gewichte. In der vierten Serie tritt die genaue Chronik zurück, und das Bild der einzelnen Menschen und ihrer Seelenregungen gewinnt an Raum. In der fünften Serie schließlich schreibt Galdós als Zeitzeuge aus eigener Anschauung. Über allem steht die Absicht, aus vielen einzelnen Lebensläufen ein einziges großes Bild zu formen, in dem das ganze Volk zum eigentlichen Helden wird.

Rezeption

In Spanien blieben die Episodios nacionales bis heute lebendig, und ihr Verfasser zählt zu den beliebtesten Autoren des Landes. Man vergleicht ihn mit Charles Dickens, Honoré de Balzac und Leo Tolstoi und nennt ihn den Begründer des modernen spanischen Romans; einige rücken ihn gleich hinter Cervantes. Die Romane wurden vielfach übersetzt und für Film und Fernsehen bearbeitet. Auch ins Deutsche fanden einzelne Bände ihren Weg: Der zur dritten Serie gehörende Roman La campaña del Maestrazgo erschien 1902 unter dem Titel Der Roman einer Nonne. So wurde die Reihe weit über Spanien hinaus als künstlerische Chronik eines ganzen Jahrhunderts wahrgenommen.

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