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Die Konferenz der Vögel
Überblick↑
Das Werk Die Konferenz der Vögel ist eine große mystische Dichtung der persischen Literatur. Verfasst hat sie der islamische Mystiker Fariduddin Attar (1136–1220) aus Nischapur im heutigen nordöstlichen Iran. Sie entstand im 12. Jahrhundert und gehört zur Gattung des Masnawī. Der arabische Titel Manṭiq aṭ-ṭair bedeutet wörtlich „die Rede der Vögel“. Als Untertitel trägt das Werk Maqāmāt aṭ-ṭuyūr, „die Orte der Vögel“. Erzählt wird ein Gleichnis nach der Lehre des Sufismus: Vögel machen sich auf die Suche nach ihrem König. Die Dichtung zählt zu den bedeutendsten Werken der persischen Literatur.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
Tausende Vögel aus aller Welt kommen zusammen. Sie suchen einen idealen König für ihr Volk. Angeregt hat diese Zusammenkunft der Wiedehopf. Er weiß auch, wer dieser König ist: der Vogel Simurgh, der hinter dem mythischen Berg Qāf lebt.
Um zu ihm zu gelangen, müssen die Vögel eine beschwerliche Reise auf sich nehmen. Sieben Täler liegen vor ihnen. Diese Täler entsprechen den Stufen des Sufipfades, also den Schritten, die ein Suchender auf dem mystischen Weg zurücklegt. Die Wallfahrt fordert von den Vögeln alles ab, und nur ein Teil von ihnen erreicht am Ende das Ziel.
Die Handlung im Detail↑
Am Anfang steht eine Versammlung: Tausende Vögel der Welt treten zusammen, weil sie einen idealen König für ihr Volk suchen. Der Wiedehopf regt die Reise an. Er erklärt den anderen, dass der gesuchte König der Vogel Simurgh sei. Dieser lebe hinter dem mythischen Berg Qāf.
Die Vögel brechen auf. Ihre Wallfahrt führt sie durch sieben Täler, die den Stufen des Sufipfades entsprechen. Der Weg ist beschwerlich, und die Schar lichtet sich unterwegs. Am Ende der Reise sind von den Tausenden nur noch dreißig Vögel übrig.
Am Reiseziel folgt die Erkenntnis, auf die das ganze Gleichnis zuläuft: Die Vögel erkennen, dass sie selbst der gesuchte König sind. Der Dichter stützt diese Wendung auf ein Wortspiel der persischen Sprache. Der Name des Königs, Simurgh, bedeutet getrennt geschrieben si murgh, also „dreißig Vögel“. Das Gesuchte war demnach nie außerhalb der Suchenden zu finden.
Stil↑
Die Dichtung folgt der Form des Masnawī. Attar erzählt darin eine durchgehende Parabel: Die Wallfahrt der Vögel steht für den Weg des mystischen Suchenden. Die sieben Täler, die durchquert werden, entsprechen den Stufen des Sufipfades. So trägt jede Station der Reise zugleich eine geistliche Bedeutung.
Die Schlusswendung des Werkes beruht auf einem Wortspiel des Persischen: Simurgh, der Name des gesuchten Königs, lässt sich als si murgh, „dreißig Vögel“, lesen. Diese Doppeldeutigkeit lässt sich in andere Sprachen kaum übertragen und wird in den Übersetzungen erläutert.
Ein Folio aus einem illustrierten Manuskript, das um 1600 datiert wird, befindet sich im Metropolitan Museum of Art in New York. Es stammt von dem Maler Habiballah of Sava und ist in Tinte, deckendem Aquarell, Gold und Silber auf Papier ausgeführt.
Rezeption↑
Von der Dichtung liegen zahlreiche Textausgaben und Übersetzungen vor. Garcin de Tassy veröffentlichte 1857 in Paris eine persische Ausgabe und legte 1863 eine französische Übersetzung nach. In Teheran erschienen Ausgaben von M. J. Maškūr und von Ṣ. Gowharīn. Englische Fassungen besorgten R. P. Masani und C. S. Nott. Eine deutsche Prosa-Übersetzung von Katja Föllmer erschien 2008 im Marixverlag. Otto Höschle legte 2022 im Chalice Verlag eine vollständige Versübersetzung vor.
Auch die Forschung hat sich dem Werk gewidmet. Hellmut Ritter veröffentlichte 1955 die Studie Das Meer der Seele über Mensch, Welt und Gott in den Geschichten Attars; sie erschien später in erweiterter Auflage und in englischer Übersetzung. Edward Granville Browne behandelt die Dichtung in seiner Literaturgeschichte Persiens, Jan Rypka in seiner Iranischen Literaturgeschichte von 1959.
Der Stoff hat zu Adaptionen in verschiedenen Kunstformen geführt. Peter Brook und Jean-Claude Carrière brachten 1979 das Theaterstück La Conférence des oiseaux heraus; die Uraufführung fand am 15. Juli 1979 beim Festival d'Avignon im Cloître des Carmes statt. Das Anikaya Dance Theater zeigte 2018 in Boston ein Tanztheater nach dem Werk. 2022 folgte das Musiktheater Welcome to Paradise Lost von Falk Richter mit Musik von Jörn Arnecke, uraufgeführt am 3. September 2022 beim Kunstfest Weimar in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Nationaltheater Weimar.
Bis in die Gegenwart reicht die künstlerische Auseinandersetzung. Der iranische Künstler Mohammad Barrangi schuf eine eigene Bilderfassung, die im Iran unter dem Titel Simorgh erschien. Zweisprachig persisch-deutsch kam sie 2022 als Vogelgespräche im Berliner Verlag Edition Orient heraus.
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